La buena vida - Das gute Leben

La buena vida - Das gute Leben

Eine Filmkritik von Bianka Piringer

Ein indigenes Dorf wird umgesiedelt

Die letzten deutschen Steinkohlebergwerke sollen 2018 schließen, aber auch 2015 gehen wie schon im Vorjahr wieder neue Kohlekraftwerke in Betrieb. Deutschlands wichtigster Steinkohlelieferant ist Kolumbien, in dessen Norden sich der größte Kohletagebau Lateinamerikas, die Mine El Cerrejón, befindet. Sie wird für drei ausländische Unternehmen vom gleichnamigen Bergbaukonzern betrieben, der bereits mehrere Dörfer der indigenen Bevölkerung umgesiedelt hat. Das ging nicht immer ohne Gewalt ab. 2013 ist Tamaquito an der Reihe, wo über 30 Familien vom Stamm der Wayúu leben. Ihr junger Anführer Javier Fuentes Epiayu will alles richtig machen und setzt auf langwierige Verhandlungen mit Cerrejón: Das Dorf soll über seine Zukunft mitbestimmen. Besonders die Wasserversorgung liegt den Menschen am Herzen und sie setzen durch, dass sie im Umsiedlungsvertrag gewährleistet wird.
Aber dann stellt sich am neuen Standort heraus, dass der einzige Brunnen zeitweise austrocknet und das Wasser so viel Mineralien enthält, dass es kaum genießbar ist. Es fehlen die versprochenen Teiche, das Vieh muss in der Nähe des alten Dorfes auf die Weide, Landwirtschaft ist bis heute nur eingeschränkt möglich. Die Bewohner von Tamaquito, die im nahen Fluss fischten und in den Bergen jagten, sitzen nun auf einem nur 30 Kilometer Luftlinie entfernten, flachen Stück Land, das einer Wüstenregion ähnelt. Der Wind wirbelt Staubwolken auf und die kleinen mitgebrachten Bananenpflänzchen vertrocknen.

Der deutsche Dokumentarfilmer Jens Schanze hat die Umsiedlung mit der Kamera beobachtet, von den ersten Verhandlungen bis zum Bezug der Häuser im neuen Dorf. Er war auch dabei, als Javier Fuentes 2014 den Schweizer Rohstoffkonzern Glencore, einen der Eigner von Cerrejón, besuchte, um die mangelhafte Wasserversorgung zu reklamieren. Laut Schanze handelt es sich hier um eine "besonders absurde und bittere Geschichte des Neokolonialismus: Menschen, die ohne Stromversorgung glücklich leben, müssen ihr traditionelles Leben aufgeben, damit in den Industrieländern das Licht nicht ausgeht."

Dabei ist Cerrejón von Anfang an viel an einer konfliktfreien Umsiedlung gelegen, die auch dem Firmenimage zugute kommt. Der Bezug des neuen Dorfes soll für die indigene Gemeinschaft eine Maßnahme in Entwicklungshilfe darstellen. Es kommen Delegationen, die Schulungen und Beratungen anbieten, damit die Bewohner am neuen Standort mit landwirtschaftlichen Produkten und Kunsthandwerk eigenes Einkommen erwirtschaften können. Wohnten die Wayúu bislang in Lehmhütten, bekommen sie nun Häuser mit Steinmauern, abschließbaren Türen, gefliesten Böden und voll eingerichteten Küchen.

Rein beobachtend, ohne Kommentierung und ohne Interviews, zeigt der Film mit seltener Authentizität, wie ein global agierendes Unternehmen mit Menschen umgeht, die es für arm, rückständig und unbedarft hält. Javier Fuentes und seine Leute vertrauen ihren Gesprächspartnern und dem schriftlichen Vertrag, dabei hätte es schon früh Anzeichen für die späteren Komplikationen gegeben. Sprach nicht ein Vertreter von Cerrejón ganz offen davon, dass man am neuen Standort natürlich keine Pflanzen anbauen dürfe, die viel Wasser brauchten? Je näher die Umsiedlung rückt, desto mehr Angst spricht aus den Gesichtern der Dorfbewohner. Sie wissen, dass sie der Mine letztlich weichen müssen, dass ihr Verhandlungsspielraum sehr begrenzt ist.

Inzwischen hat das neue Dorf, wie Schanze im Presseheft berichtet, einen zweiten Brunnen erhalten, der noch nicht an die Wasserleitungen angeschlossen ist, und einen Teich, der sich aufgrund der Dürre noch nicht mit Regenwasser füllen konnte. Die Bewohner fordern mit ihren Nachbarn aus anliegenden Dörfern den Bau einer Leitung vom Fluss, in dessen Nähe Tamaquito lag. Das aber ist laut Schanze der Firma Cerrejón bislang zu teuer. Dem Filmemacher gelingt es mit dieser aufwühlenden Geschichte, sehr anschaulich über die ziemlich konkrete Beziehung zwischen dem europäischen – auch deutschen - Stromverbraucher und den Wayúu-Familien in Kolumbien aufzuklären.

La buena vida - Das gute Leben

Die letzten deutschen Steinkohlebergwerke sollen 2018 schließen, aber auch 2015 gehen wie schon im Vorjahr wieder neue Kohlekraftwerke in Betrieb. Deutschlands wichtigster Steinkohlelieferant ist Kolumbien, in dessen Norden sich der größte Kohletagebau Lateinamerikas, die Mine El Cerrejón, befindet. Sie wird für drei ausländische Unternehmen vom gleichnamigen Bergbaukonzern betrieben, der bereits mehrere Dörfer der indigenen Bevölkerung umgesiedelt hat. Das ging nicht immer ohne Gewalt ab.
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