L´Intouchable

L´Intouchable

Eine Filmkritik von Katrin Knauth

Der Eröffnungsfilm der 7. Französischen Filmwoche

Die „Unberührbaren“ sind die Kastenlosen in Indien, sie stehen außerhalb des jahrtausendealten hinduistischen Kastensystems. Sie leben meist in schäbigen Hütten außerhalb der Dorfgrenze und verdienen ihren kargen Lebensunterhalt mit dem Säubern von Latrinen, als Putzfrauen oder Müllmänner. Die Ärmsten der Armen sind die Verlierer der heutigen aufstrebenden Gesellschaft Indiens – und das sind nicht wenige.

In Benoît Jacquots Film L’intouchable / Der Unberührbare, der als Eröffnungsfilm der Französischen Filmwoche am 14. Juni 2007 um 20.00 Uhr im Cinema Paris gezeigt wird, soll einer dieser kastenlosen Inder der Vater von der in Frankreich lebenden Jeanne (Isild Le Besco) sein. Als sie dies von ihrer Mutter an ihrem achtzehnten Geburtstag erfährt, macht sie sich neugierig auf den Weg nach Indien, um in Varanassi am Ganges ihren leiblichen Vater zu suchen. Aber es ist weniger der „Unberührbare“ auf den sich der Film konzentriert, sondern vielmehr das Gesicht von Jeanne, die so wunderbar von Isild Le Besco verkörpert wird und zu Recht in Venedig für diese Rolle einen Preis gewonnen hat.

Es dauert eine Weile, bis der Film so richtig in Fahrt kommt. Bevor Benoît Jacquot die junge Schauspielerin nach Delhi schickt, die übrigens auch im Film diesem Beruf nachgeht, lässt er sie unerträglich lang noch durch die Straßen Frankreichs irrlichtern. Unendlich scheinen ihr die Wochen vor dem Aufbruch in das unbekannte Land: Dreharbeiten am Theater, Geld verdienen, den Liebhaber treffen – all das muss Jeanne noch hinter sich bringen. Dunkle, sterile Bilder werden im ersten Teil des Films als Kontrastprogramm dem entgegen gesetzt, was die junge Frau im zweiten Part erwartet. Der Film kippt, sobald sie in Delhi landet, taucht ein in ein vor strahlender Farbe und Lebendigkeit nur so strotzendes Land.

Was Jeanne in Indien sucht, wird sie nicht so schnell finden. Ihre unermüdliche Neugier bringt sie jedoch an Orte und in Situationen, die sie wahrscheinlich nie zuvor gesehen und erlebt hat: Leichenverbrennungen am Ufer des Ganges, Sterbehäuser, überfüllte Züge, eine traditionelle indische Hochzeit. Dass der Regisseur von Indien über alles fasziniert sein muss, ist nicht zu übersehen. Endlose Kamerafahrten mitten durch die bunten, vollgestopften Straßen, entlang den Uferhäusern und Tempelanlagen des heiligen Ganges, Gesichter, Menschenmassen. Aber der Film wäre sicherlich faszinierender und unterhaltsamer geworden, hätte er sich einen Tick weniger in Frankreich, dafür aber umso länger in Indien aufgehalten. Von daher treibt man teilweise ein bisschen hilflos durch den Film, und wartet, nicht unähnlich der Schauspielerin.

Der 60-jährige Regisseur Benoît Jacquot drehte zu Beginn seiner Karriere Dokumentationen. In den 1960er und 70er Jahren arbeitete er als Regieassistent von Jacques Rivette und Marguerite Duras. 1975 inszenierte er seinen Debütspiefilm L’Assassin musicien. Mit Die Entzauberte / La Désenchantée (1990) findet Jacquot sein Publikum. Bislang besetzte er in seinen Filmen unter anderen Catherine Deneuve, Isabelle Huppert und Isabelle Adjani. 2004 besetzte er zum ersten Mal Isild Le Besco er in seinem Film Hier und Jetzt / À tout de suite.
 

L´Intouchable

Die „Unberührbaren“ sind die Kastenlosen in Indien, sie stehen außerhalb des jahrtausendealten hinduistischen Kastensystems.

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