L’Esquive

L’Esquive

Marivaux in der Banlieue

Taugt der elegante Rokokodichter und feinsinnige Kritiker der absolutistischen Ständegesellschaft Frankreichs Pierre Carlet Chamblain de Marivaux als „Role Model“ für die Jugend in einer der berüchtigten Trabantenstädte in der Peripherie von Paris?

Die sozial engagierte Lehrerin einer Schule in St. Denis, einem jener verrufenen Orte in der Banlieue ist davon überzeugt und will deshalb die Komödie Le jeu de l’amour et du hasard (Ein Spiel von Liebe und Zufall) mit ihren Schülern auf die Bühne bringen. In dem Stück geht es um die vermeintlichen und tatsächlichen Standesunterschiede zwischen Paaren und wie die soziale Herkunft das eigene Verhalten prägt – auch für die raue Wirklichkeit der Vorstadt ein interessantes Thema.

Das Ensemble für die bevorstehende Theateraufführung besteht allesamt aus den sozial schwachen Kids aus Einwandererfamilien, die den „argot“, den eigentümlichen Dialekt der Unterprivilegierten – vergleichbar mit dem Rotwelsch – sprechen.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht Krimo (Osman Elkharraz), der sich in seine Mitschülerin Lydia (Sara Forestier) verknallt hat und der deshalb einem Freund eine Rolle in der Marivaux Komödie gegen einige heißbegehrte Markenartikel abschwatzt, um der Angebeteten nahe sein und sie umwerben zu können. Doch wie im richtigen Leben, so hat Krimo auch auf der Bühne große Schwierigkeiten, seine Hemmungen zu überwinden und sein Ziel zu erreichen. Denn die altertümliche Sprache und die ferne Vorstellungswelt des Rokoko sind für den Jungen die Hölle auf Erden.

Der Regisseur Abdellatif Kechiche hat seinen Film mit großartigen Laiendarstellern an Originalschauplätzen (einer Sozialsiedlung in der Nähe von Paris) gedreht: „Diese Vororte werden dermaßen stigmatisiert, dass es fast revolutionär erscheint, dort eine Geschichte anzusiedeln, bei der es nicht um Drogen, verschleierte Mädchen oder Zwangsheirat geht. Ich hingegen wollte verstehen, wie dort über die Liebe und auch das Theater geredet wird. Ich wollte eine andere, persönliche Sichtweise vermitteln.“ Geschickt umgeht er das allgegenwärtige Klischee der Banlieue als Ort der Drogensucht, der Gewalt und der perfekten Antithese zur Utopie einer multikulturellen Gesellschaft und setzt stattdessen einen ganz neuen und völlig unerwarteten Schwerpunkt – das Theater. Schnell verschränken sich der raue Slang der Vorstädte mit der elaborierten Sprache des Dramatikers Marivaux und formen eine Zwischenwelt zwischen Spiel und Wirklichkeit, in die schließlich doch die Gewalt hereinbricht, die bislang ausgeschlossen war.

L’Esquive

Taugt der elegante Rokokodichter und feinsinnige Kritiker der absolutistischen Ständegesellschaft Frankreichs Pierre Carlet Chamblain de Marivaux als „Role-Model“ für die Jugend in einer der berüchtigten Trabantenstädte in der Peripherie von Paris?

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Meinungen
· 29.09.2008

Wahnsinnig gut gespielt, authentisch und realistisch!
Ich sage: Bitte mehr solcher Filme deutschsprachigem Publikum zugänglich machen.

Gast · 20.02.2006

Ich finde den Film einfach nur schlecht!! Erstens ist er viel zu lang für ein Thema, wie dieses, zweitens sind die Aufnahmen immer viel zu nah am Kopf des Schauspielers und drittens wird in dem Film die ganze Zeit nur geschrieen und das nervt einen spätestens nach einer Viertelstunde!!!

Gast · 16.02.2006

Ganz ok, ein wenig zu viele Schimpfwörter meiner Meinung nach... mit der Zeit gehts auf die Nerven... was solls..

Rüdiger · 30.12.2005

Die Laienschauspieler zeigen durchweg eine hervorragende Leistung. Jederzeit authentisch, berührend und intensiv.

· 09.03.2005

Un très beau film, réaliste, sensible qui donne une autre image de la banlieue...des acteurs attachants tout particulièrement Sarah Forestier...also empfehle ich euch, sich diesen Film anzugucken!

Kommentare

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