kurz und gut 2013

kurz und gut 2013

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Samstag, 14. September 2013, WDR, 23:45 Uhr

Am Anfang der Kinogeschichte steht der Kurzfilm, der heutzutage meist nur noch als Ausnahmeerscheinung oder bei besonderen Veranstaltungen seinen Weg in die cineastischen Räume jenseits spezieller Festivals findet. Etliche berühmte Regisseure begannen ihre Karriere mit kurzen filmischen Projekten, und in den Film- und Kunsthochschulen der Welt entstehen jährlich ungezählte Kurzproduktionen jeglichen Genres, die den Geist einer neuen Generation von Filmemachern der unterschiedlichsten Ausrichtungen repräsentieren. Damit diese Kleinode erster filmischer Gehversuche, unter denen mitunter grandiose Ideen schimmern können, auch einem interessierten Publikum zugänglich werden, haben WDR Fernsehen und Einsfestival in Kooperation mit der Kunsthochschule für Medien Köln und der ifs –internationale filmschule köln die Initiative kurz und gut ins Leben gerufen, die aktuelle Kurzfilmprojekte der Kölner Studenten präsentiert. Nun ist es wieder so weit: Am kommenden Samstag strahlt der WDR elf ausgewählte Shorts aus, die mit ihrem breiten Spektrum von Stilen und Themen knackig-knappe Unterhaltung von sechs bis 23 Minuten Länge versprechen.
Als Wachdienstmitarbeiter in einem Naturkundemuseum ist Daniel die Gegenwart ausgestopfter Kreaturen nur allzu vertraut, doch Regisseurin Géraldine Rod konfrontiert ihren Helden in Daniel und die Ratte eines Tages mit der erschütternden Erfahrung, von einem offenbar lebendigen Wesen beobachtet und gar verfolgt zu werden …

In Radio Omega von Florian Ross scheint die Welt der Menschheit am Ende zu sein, während ein einsamer Radiosprecher beharrlich seine Botschaften über den Äther schickt, um jene Seelen zu erreichen, die möglicherweise jenseits seines Senders noch existieren und nun ganz besonders der musikalischen und verbalen Unterhaltung bedürfen.

Drehbuchautor und Regisseur Fabian Driehorst entführt seine Zuschauer mit Der Schrottmann in eine seltsame Zwischenwelt von alten Filmen, die zu einem aufregenden Abenteuer für seine drei kleinen Helden gerät, die sich tapfer bemühen, ungeschoren in ihre gewohnte Realität zurückzukehren und den Bösewicht in die filmische zu verbannen.

Als der Haus-Roboter der Familie Neumann eines Tages sozusagen tot in ihrem Swimming-Pool aufgefunden wird, stehen Eltern wie Kinder vor einem Rätsel: Hat ihn dort etwa jemand versenkt oder plumpste er aus Versehen ins Wasser? TOMO – ein Film von Florian Heinzen-Ziob mit einer hintergründigen Botschaft über das Wesen der Fremdheit.

Ungeschminkt hat Anna F. Kohlschütter ihren kurzen Spielfilm über den groben Kauz Gustav genannt, der durch die Begegnung mit einem charmanten Entenküken aus der Trostlosigkeit seines trinkseligen, vereinsamten Daseins in seinem Wohnwagen aufgerüttelt wird und seinem Leben noch einmal eine neue Richtung zu geben vermag – möglicherweise…

Sogar im diesjährigen Programm „Next Generation Short Tiger“ der Internationalen Filmfestspiele von Cannes lief Warehouse von Jakob Weiss bereits, der in 3D-Animation die Geschichte einer verzweifelt-verlorenen Mutter erzählt, die ihren Sohn Jakob aus der Kinderbetreuung eines Kaufhauses abholen will, sich aber über den Ladenschluss hinaus kräftig verirrt …

Stephan Ganoff entwickelt in seinem Film Die Kakerlake ein schräges Szenario moderner Eheanbahnung zwischen zwei fremden Menschen: Da reist ein deutscher Mann nach Bulgarien, um dort zum ersten Mal seine potenzielle künftige Gattin zu besuchen, die mit ihrem Sohn zusammenlebt. Verbal lässt sich mangels Sprachkenntnissen nicht viel verhandeln, doch es offenbart sich ein anderer Weg…

Mit einem zweiten Beitrag ist Florian Ross vertreten: Nach dem Drehbuch von Finn C. Stroeks hat der Regie-Student der ifs mit Bis zum letzten Schluck einen düsteren, kurzen Krimi inszeniert, in dem die Gelüste nach einem kühlen Milchshake einen alternden Auftragskiller unvermittelt in einen derben Straßenkampf mit ungewissem Ausgang verwickeln.

Bei Überlast von Dolunay Gördüm ist der Filmtitel Programm: Allzu lästig wird hier einem Mann, der Fahrstühle wie die Pest fürchtet, die Anwesenheit eines weiteren Passagiers während einer therapeutischen Probefahrt im Aufzug. Für alle Fans: Hier ist Komikerin Anke Engelke mit an Bord, die auf ihre spezielle Art die Rolle einer Psychologin spielt.

Eine Animation mit einer besonderen, schlicht anmutenden Ästhetik und einer religiös-philosophischen Thematik stammt von Jasper Diekamp und Kerstin Unger. Die titelstiftenden Moirai bezeichnen Schicksalsgöttinnen der griechischen Mythologie, und es sind die Fäden des menschlichen Geschicks, um die sich dieser musikalisch ansprechend untermalte Kurzfilm dreht.

Auch wenn der Titel Waldesruh von Marc André Misman eine gewisse Harmonie verströmt, geht es in seinem Krimi so gar nicht friedlich zu, der bereits mit einer Leiche beginnt. Ruhe herrscht da nicht im Wald, wo ein Jäger mit seinem Gewehr unterwegs ist und unvermittelt auf einen Toten stößt, der eigentlich unauffällig dort verscharrt werden sollte…

Ein buntes Programm mit witzigen bis ernsthaften und hintergründigen kleinen Filmen bietet kurz und gut 2013 als öffentliches Forum für frische Ideen von Nachwuchsregisseuren, deren Projekte nicht selten sichtbar mit jeder Menge Herzblut inszeniert wurden.

kurz und gut 2013

Am Anfang der Kinogeschichte steht der Kurzfilm, der heutzutage meist nur noch als Ausnahmeerscheinung oder bei besonderen Veranstaltungen seinen Weg in die cineastischen Räume jenseits spezieller Festivals findet. Etliche berühmte Regisseure begannen ihre Karriere mit kurzen filmischen Projekten, und in den Film- und Kunsthochschulen der Welt entstehen jährlich ungezählte Kurzproduktionen jeglichen Genres, die den Geist einer neuen Generation von Filmemachern der unterschiedlichsten Ausrichtungen repräsentieren.
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