Kurt Cobain: About a Son

Kurt Cobain: About a Son

Eine Filmkritik von Renatus Töpke

Kurt Cobain ist tot. Lang lebe Kurt Cobain. Wurde nicht schon alles über ihn, den Sänger der kurzzeitig größten (und vielleicht wichtigsten) Band der 1990er geschrieben/gesagt/gezeigt? Sommer 1991: Die wenig erfolgreiche Band Nirvana veröffentlicht ihr zweites Album „Nevermind“. Von dem Erdbeben, dass daraufhin durch die Musikwelt und Popkultur gehen wird, ist zunächst nur ein schwaches Rumpeln zu vernehmen. Doch dann… Drei Wochen nach dem Release steigt „Nevermind“ an die Pole Position der US-Charts. Im Spätsommer dann die Auskopplung von „Smells Like Teen Spirit“… Von nun an gibt es kein Halten mehr. Überall. „Nevermind“ steigt weltweit die Charts empor, verkauft gefühlte 100 Millionen Platten (in Wirklichkeit waren es schlappe 20).
Doch Sänger und Gitarrist Kurt findet das gar nicht so großartig, wie man meinen möchte. Plötzlich wird ein sensibler junger Mann zur Gallionsfigur einer Generation, die genug hat von auf Hochglanz poliertem Mainstream. Mainstreamrock wie Mötley Crüe, Poison und Gleichgesinnte sind plötzlich Schnee von gestern. Es zählt die neue ‚Siffigkeit‘. Underground is the new mainstream. Und Kurt fällt… Heroin fängt ihn auf, wird sein neuer bester Freund, hilft sein Magengeschwür zu vergessen und den Druck zu ertragen. Nach dem dritten Studioalbum „In Utero“ geht es rapide bergab für den Sänger. Trotz Ehe, trotz Tochter und trotz des anhaltenden Erfolgs gibt sich Kurt Cobain am 8. April 1994 buchstäblich die Kugel.

Jetzt redet Kurt selbst. About a Son ist eine Art bebildertes Interview. Während Interviewbänder abgespielt werden, die Journalist Michael Azerrad zwischen 1992 und 1993 mit Kurt führte, besucht die Kamera dessen Heimatstadt Aberdeen. Regisseur AJ Schnack verwebt Bilder und Gespräche zu einer dichten, doch manchmal langatmigen Collage aus Einblicken in das Seelenleben eines Rockstars, ja beinahe des Messias‘ einer Generation. Immer wieder glaubt man auch, ein liebevolles Portrait von Aberdeen zu sehen. Der tolle Soundtrack aus Bad Brains, David Bowie und Mudhoney unterstreicht dann auch den ernstgemeinten Ansatz des Gezeigten. Für Fans ist das Ganze natürlich Pflicht. Obwohl ihnen auch auffallen wird, dass Bassist Krist Novoselićs Name in den Untertiteln mit „Chris“ falsch geschrieben ist.

Kurt Cobain: About a Son

Kurt Cobain ist tot. Lang lebe Kurt Cobain. Wurde nicht schon alles über ihn, den Sänger der kurzzeitig größten (und vielleicht wichtigsten) Band der 1990er geschrieben/gesagt/gezeigt?
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