Kreuzkölln

Kreuzkölln

Eine Filmkritik von Red.

Berliner Doppelmogelpackung

Manche Filme liegen einfach nah. Und zwar im buchstäblichen Sinne. Das dachte sich auch das Berliner Moviemento-Kino, das in jener Gegend Berlins liegt, die „Kreuzkölln“ genannt wird. Geht man rein nach der Geographie, liegt das Gebiet noch in Neukölln, vom Lebensgefühl aber erinnert der Kiez rund um Sonnenallee, Kottbusser Damm, Maybachufer und Weichselstraße eher an das benachbarte Kreuzberg. In den 1990ern war die Gegend eher übel beleumundet, doch in den letzten Jahren hat sich der Kiez zu einer der angesagtesten Gegenden der Hauptstadt entwickelt. Ein Film, der eigentlich aus zwei kürzeren Werken besteht, wurde nun unter dem griffigen Titel Kreuzkölln gekoppelt und läuft – wo sonst – im Berliner Moviemento. Einziger Schönheitsfehler dieser Doppelpackung Kiez-Flair – beide Filme spielen eigentlich nicht in Kreuzkölln, sondern im „echten“ Kreuzberg.
Serdal Karaças Kurzspielfilm Moruk schildert in coolem Schwarzweiß das Leben der beiden Deutschtürken Kumpel Murat (Oktay Özdemir) und Hakan (Burak Yigit), die Tag für Tag herumhängen, dummes Zeug labern, ihre harmlosen Späße treiben und in ihrem Kiez ein wenig nach dem Rechten schauen. Was teilweise beinahe aussieht wie bei einem Film von Jim Jarmusch oder Kevin Smith. Doch dann begegnen sie den beiden Mädchen Irina (Irina Potapenko) und Klara (Klara Reinacher). Und plötzlich haben die beiden Null-Checker vielleicht die Aussicht auf eine kleine Liebelei. Wenn sie es nicht wie vieles in ihrem Leben vermasseln. Der Film kann sich voll auf seine beiden exzellenten Hauptdarsteller verlassen, und man kann sich gut vorstellen, dass aus dieser Kombination eine hinreißend verschmitzte Slacker-Komödie mit längerer Laufzeit basteln ließe.

Ganz anders, nämlich dokumentarisch gehen die beiden dffb-Studentinnen Eva Lia Reinegger und Anna de Paoli in ihrem Film 24 Stunden Schlesisches Tor mit ihrem Kiez um. In kurzen Interviews und Porträts fangen sie ganz unterschiedliche Menschen, Stimmungen, Lebensweisen ein, gehen den Haltungen und Stimmungen von Müllfahrern, Kunststudenten, Obdachlosen und anderen zufälligen Passanten nach, die sie an der U-Bahn-Station treffen und zeigen so den Querschnitt eines Ortes, der sich seit 1989 zu einem Knotenpunkt des jungen Lebens in Berlin herauskristallisiert hat. Auch dieser Film bietet interessante Ansätze und überraschende Einblicke, auch wenn man sich manches Interview ausführlicher gewünscht hätte. Weniger wäre in diesem Fall mehr gewesen.

Trotzdem: Die Kombination aus Kurzspielfilm und Dokumentation ist eine erfrischende Alternative zu den vielen Kiez-Klischees über Berlin, das zwar ziemlich „arm“ sein mag. Aber eben auch ziemlich „sexy“. Und das hätte man durchaus auch erreichen können, wenn man die ungewöhnliche Kombination nicht mit dem hippen, aber falschen Label „Kreuzkölln“ versehen hätte.

Kreuzkölln

Manche Filme liegen einfach nah. Und zwar im buchstäblichen Sinne. Das dachte sich auch das Berliner Moviemento-Kino, das in jener Gegend Berlins liegt, die „Kreuzkölln“ genannt wird. Geht man rein nach der Geographie, liegt das Gebiet noch in Neukölln, vom Lebensgefühl aber erinnert der Kiez rund um Sonnenallee, Kottbusser Damm, Maybachufer und Weichselstraße eher an das benachbarte Kreuzberg.
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