Kottan ermittelt - Rien ne va plus

Kottan ermittelt - Rien ne va plus

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Müdes Comeback eines Kult-Kieberers

Rund ist er geworden, der Herr Polizeimajor Kottan (Lukas Resertarits). Aber so ist das eben, wenn der Zahn der Zeit an einem nagt. Das gilt auch und ganz besonders für das Unternehmen, die von 1976 bis 1983 im ORF ausgestrahlte Fernsehserie einem Update zu unterziehen und annähernd 30 Jahre nach dem Ende auf die große Kinoleinwand zu verpflanzen. Zwar vertrauen der Regisseur Peter Patzak und der Drehbuchautor Jan Zenker (dessen Vater Helmut der Erfinder des schrägen Wiener Kieberers war) auf die bewährte Melange aus Nonsense, Selbsironie, Wiener Schmäh und anderen bewährten Zutaten. Doch so recht will das Comeback Kottans nicht gelingen.
Dabei beginnt Kottan ermittelt – Rien ne va plus eigentlich milde verheißungsvoll – mit einem nächtlichen Blick auf Wien und einem darauf folgenden prächtigen Sonnenaufgang sowie einem lässig vor dieser urbanen Kulisse posierenden Lukas Resertarits, der zunächst einmal darauf hinweist, dass die establishing shots dazu dienen, dem Publikum zu erklären, „wo ma san“ — nämlich im „capital of Schnitzelland“. Dann folgt wie immer Kottans Kapelle mit dem Song Joker — „weil domit fang ma imma o.“

Nachdem diese Formalien und die neue Besetzung an Kottans Seite geklärt sind (Robert Stadlober gibt den Schrammel, Johannes Krisch den krückbestockten Kollegen Kremser und Udo Samel den profilneurotischen Polizeipräsidenten Heribert Pilch), gibt’s auch schon die erste Leich, was die coole Combo aber erstmal nicht vom Spielen abhält. Denn Kottan ist seit langem schon außer Dienst (natürlich suspendiert – und zwar seit 27 Jahren, was ja durchaus auch auf die Fernsehserie gilt) und deshalb wenig scharf darauf, erneut den Gaunern der österreichischen Hauptstadt nachzustellen. Erst als ein Toter von einer Brücke fällt und just auf dem Dach des Kottanschen Privatkleinwagens landet, wird der Polizeimajor a.D. wieder tätig und kommt prompt einem dubiosen Pyramidenspiel auf die Schliche. Bei dem gibt es neben der legalen Version noch eine zweite noch weniger gesetzeskonforme mit dem Namen „Rien ne va plus“. Bei letzterer geht es für sieben Menschen darum, die Mitspieler zu meucheln, bevor man selbst den Löffel abgibt. Gewonnen hat der, der am Ende übrig bleibt. Und ganz nebenbei zeigt sich auch, dass in den Reihen der Wiener Kripo Sodom und Gomorrha herrscht, sodass Kottan bald schon alle Hände voll zu tun hat, um den Augiasstall auszumisten.

Eine weitgehend sinnfreie Geschichte, möglichst viele Kalauer, eine animierte Kakerlake sowie ein in Panoramaaufnahme eingesetzer gigantischer Mops, der auch schon mal seine Notdurft auf das Dach von Kottans Auto verrichtet, eine wie früher Kottan anhimmelnde Fernsehansagerin sowie natürlich der „running gag“, Fußgänger wie Radfahrer doch das Öffnen von Autotüren zu Tode zu befördern: Peter Patzak und Jan Zenker bedienen sich reichlich aus der Klamottenkiste der Kultserie, lassen die früheren und mittlerweile gestorbenen Darsteller der Serie als Ahnengalerie im Büro hochleben und kommen doch niemals auch nur annähernd an das vielfach zitierte Vorbild heran.

Der früher einmal herrlich anarchische Witz der Fernsehserie, der einige Ähnlichkeit mit dem britischen Humorverständnis von Monty Python’s Flying Circus aufwies und der damals in den seligen Siebzigern und Achtzigern dem ausstrahlenden ORF empörte Zuschauerreaktionen zuhauf einbrachte, wirkt heute vor allem bieder, bemüht und zumeist eher peinlich. Beachtlich an dem Wiederbelebungsversuch sind vor allem die kleinen Spitzen gegen das seit der Finanzkrise ins Zwielicht geratene Bankgewerbe, das seine Allgemeinen Geschäftsbedingungen gerne mal hinter dem Bürogrün versteckt und die Kundschaft damit wissentlich hinters Licht führt. Leider bleiben solche Momente, in denen man eine Ahnung davon bekommt, wie eine behutsame Modernisierung Kottans hätte aussehen können, die absolute Ausnahme. Viel lieber gibt man sich selbstreferenziell, sucht das Absurde und den oftmals platten Kalauer und bemerkt dabei nicht, dass das, was damals neu und frisch war, heute längst nicht mehr so viel Sprengkraft besitzt wie in den Siebzigern und Achtzigern.

„Ich bin fiktiv, mich kann man nicht umbringen“, meint der Kult-Kieberer Kottan an einer Stelle des Films und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Tatsächlich beweist der Film genau diese Aussage auf vermutlich unbeabsichtigte Weise: Selbst ein misslungenes und stellenweise arg bemüht wirkendes Comeback wie dieses ist kaum dazu angetan, den Ruf des schrägen Ermittlers nachhaltig zu beschädigen. Dazu ist die Erinnerung an die TV-Serie, die Fernsehgeschichte schrieb, viel zu präsent und Kottan ermittelt – Rien ne va plus allzu offensichtlich nur eine kleine Fußnote. Mehr nicht.

Kottan ermittelt - Rien ne va plus

Rund ist er geworden, der Herr Polizeimajor Kottan (Lukas Resertarits). Aber so ist das eben, wenn der Zahn der Zeit an einem nagt. Das gilt auch und ganz besonders für das Unternehmen, die von 1976 bis 1983 im ORF ausgestrahlte Fernsehserie einem Update zu unterziehen und annähernd 30 Jahre nach dem Ende auf die große Kinoleinwand zu verpflanzen.
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Meinungen
kim · 25.04.2011

hab ihn heute in der sneak gesehen und bin nach 10 minuten raus. der typ war wohl auf droge als er den film gedreht hat! fremdschämen hoch 10!!

carlo c. · 08.02.2011

@timo zahst wohl keine gez. ich sah en film gestern in dern sneak und dachte ähnlich. net fisch net fleisch a schmarrn halt.

Timo P. · 20.01.2011

Habe den Film heute in der Sneak gesehen und dachte mir nur, wann ist es endlich vorbei? Dieser Film ist ausdrücklich kein Kinofilm für mich. Ich könnte mir ihn gut vorstellen Freitag abends auf ARD/ZDF, aber dafür Geld zu bezahlen... Nein danke!

Kommentare

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