Kopf oder Zahl / Yazi Tura

Kopf oder Zahl / Yazi Tura

Die Geschichte zweier Überlebender

Nach wie vor tut sich die Türkei schwer damit, den Völkermord an den Armeniern offen einzugestehen, und wenn ein Regisseur wie Atom Egoyan einen Film über das Massaker macht, dann ist das auch heute noch – nach annähernd 90 Jahren – ein echtes Politikum. Umso höher ist der Mut des türkischen Regisseurs Ugur Yücel einzuschätzen, der sich mit seinem Film Kopf oder Zahl – Yazi Tura eines Themas annimmt, dass unmittelbar in die türkische Gegenwart hineinragt und ebenfalls zu den dunklen Flecken gehört – der seit 15 Jahren andauernde Kurden-Konflikt. Und es ist erfreulich zu registrieren, dass der Film auch in der Türkei selbst gut angenommen wird und dort ebenso wie international auf diversen Festivals ausgezeichnet wurde.
Ridvan (Olgun Simsek) hat einen großen Traum: Der aus Anatolien stammende junge Mann will später einmal bei einem großen Fußballclub als Profikicker anheuern. Doch zuerst muss er zum Militär, und dort wird er zur Bekämpfung kurdischer Rebellen nach Südostanatolien geschickt. An der Front trifft Ridvan auf Cevher (Kenan Imirzalioglu), der aus der Großstadt stammt. Bei der Explosion einer Mine verliert ausgerechnet Ridvan ein Bein, während sein Freund Cevher auf einem Ohr taub wird. Desillusioniert und gebrochen kehren sie nach Hause zurück, doch sie haben in diesem Konflikt mehr verloren als "nur" ein Bein oder einen Teil des Gehörs. Denn die Wiedereingliederung in die Gesellschaft, die sie zu sanktionierten Mördern gemacht hat, misslingt. So muss Ridvan feststellen, dass seine Verlobte sich längst anders orientiert hat und dass er in seinem Dorf zu einem Außenseiter geworden ist. Cevher hingegen gelingt es zunächst wieder, in Istanbul Fuß zu fassen und einem Kiosk zu eröffnen. Doch während eines verheerenden Erdbebens verliert auch er seinen Traum und steht vor dem Nichts, bis in der Teufelskreis der Gewalt schließlich einholt.

Auf den ersten Blick ist Kopf oder Zahl – Yazi Tura ein Film über die Folgen des Krieges, doch darauf beschränkt er sich keineswegs. Insbesondere im zweiten Teil tauchen zahlreiche andere Themen auf, die kennzeichnend für die türkische Gesellschaft sind, als da wären das Auseinanderbrechen traditioneller Strukturen, der immense Unterschied zwischen dem Landleben und dem Lebensgefühlen in den Metropolen, das Erstarken der Mafia, Drogen als Indizien eines unaufhaltbaren Zerfalls etc. Fast scheint es so, als habe der Regisseur Ugur Yücel nicht weniger im Kopf gehabt, als ein möglichst umfassendes Bild seines Heimatlandes zu zeichnen. Doch genau diese Fülle an Themen ist auch eines der Probleme des Films, denn es bleibt der Eindruck, dass hier vieles angerissen, aber nicht ausreichend analysiert wurde, was insbesondere dem eindrucksvollen ersten Teil des Films, der die Kriegserlebnisse der beiden Protagonisten zum Thema hat, nachdrücklich schadet.

Mag sein, dass Kopf oder Zahl – Yazi Tura wichtig für die türkische Gesellschaft ist, um das kollektive Trauma des verdrängten Krieges gegen die Kurden aufzuarbeiten. Enttäuschend allerdings ist, dass der Film kaum etwas über die Hintergründe des Konflikts erzählt, sondern einzig die Folgen beleuchtet. Trotz teilweise quälend langer Einstellungen und einer gewissen Langatmigkeit in der Erzählhaltung bleibt Ugur Yücels Film seltsam fragmentarisch und unfertig, weil eben jene politischen Hintergründe anscheinend immer noch ein zu heißes Eisen sind. So haftet Kopf oder Zahl – Yazi Tura ein manchmal larmoyanter Unterton an, der eine Vielzahl von Problemen aufzeigt, doch in dieser Haltung verharrt. Es fehlt – wie auch in zahlreichen deutschen Filmen – der nötige Schritt hinaus aus den privaten Befindlichkeiten in eine schonungslose Analyse des Öffentlichen und Politischen.

Kopf oder Zahl / Yazi Tura

Nach wie vor tut sich die Türkei schwer damit, den Völkermord an den Armeniern offen einzugestehen, und wenn ein Regisseur wie Atom Egoyan einen Film über das Massaker macht, dann ist das auch heute noch – nach annähernd 90 Jahren – ein echtes Politikum.
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Meinungen
hans türkenfreund · 04.11.2014

was ist das fürn text in der beschreibung, habt ihr zu viel gekifft? müsst ihr bei jedem scheiss der mit türken oder der türkei zu tun hat mit euren völkermordmärchen um die ecke kommen? der film hat nicht ein mal im ansatz mit einer armenier frage oder kurdenfrage oder sonst etwas zu tun, es wird lediglich reflektiert mit welchen sorgen und enttäuschungen türkische veterane in der gesellschaft zu kämpfen haben. lenkt also bitte nicht vom wahren thema ab, welches die türkische bevölkerung viel eher aufarbeiten muss als sich mit euren völkermord träumerein rumzuschlagen. ich sage es ganz offen die vorwürfe sind politisch und es wäre im interesse aller drittstaaten dieser welt, wenn man irgend jemanden noch mal schnell einen völkernord in die schuhe schieben könnte. die deutschen stünden nicht alleine mit den juden, die franzosen mit den algeriern, die amis mit den indianern und und und. armenien hätte damit den gleichen freifahrtschein wie israel, so einfach ist das, aber nicht mit den türken mein freundchen.

sevgi selin · 16.01.2007

ich finde die beste rolle hatte kenan imirzalioglu in diesem flm er hat sehr gut gespielt er verdient großen respekt

· 30.11.2005

Bei allem Wohlwollen wegen der gewählten Thematik. Filmisch ist gezeigte nur Mittelmaß.

Okan Imamoglu · 27.11.2005

Die Kamera ist extrem wackelig. Es macht die ersten 5 minuten unerträglich

Kommentare

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