Kings of Summer

Kings of Summer

Eine Filmkritik von Andreas Köhnemann

Coming of Age im tiefen Walde

Eltern können anstrengend sein! Diese Erkenntnis ist zwar gewiss nicht neu – sie wurde aber selten so wunderbar-komisch vermittelt wie in Kings of Summer. Der 16-jährige Joe (Nick Robinson) ist beispielsweise in hohem Maße von seinem verwitweten Vater Frank (Nick Offerman) genervt. Dieser klopft nämlich nicht nur zu denkbar ungünstigen Zeitpunkten gegen die Badezimmertür, sondern verdonnert seinen Sohn auch zu einem Monopoly-Abend mit ihm und seiner neuen, allzu wohlmeinenden Freundin. Nicht minder einfach hat es Joes Kumpel Patrick (Gabriel Basso): Dessen Eltern (Marc Evan Jackson und Megan Mullally) sind so überbeschützend und uncool, dass er in ihrer Gegenwart einen fiesen Ausschlag bekommt. Was soll man da als freiheitsstrebender Adoleszent bloß machen? Nun, die Antwort darauf kannte die Teen-Ikone James Dean schon in den 1950er Jahren: rebellieren, natürlich!
Als Joe eine Outdoor-Party zum Schuljahresende fluchtartig verlassen muss, entdeckt er gemeinsam mit dem exzentrischen Biaggio (Moises Arias) ein abgeschiedenes, idyllisches Stück Wald – und fasst den Entschluss, sich an diesen Ort zurückzuziehen. So schustern Joe, Patrick und Biaggio mit maximalem Enthusiasmus eine Hütte zusammen und stehlen sich aus ihren suburbanen Elternhäusern davon. Ein Sommer der Selbsterfahrung und -findung beginnt – bald zeigt sich allerdings, dass das „Leben in Freiheit“ auch so seine Tücken hat…

Der Regisseur Jordan Vogt-Roberts hat das pointiert geschriebene Drehbuch von Chris Galletta mit Tempo und Stilbewusstsein verfilmt. Das Werk knüpft an den Charme moderner Coming-of-Age-Klassiker wie Die Goonies (1985) oder Stand by Me (1986) an – wobei das Team Galletta/Vogt-Roberts viel Gespür für die universellen, überzeitlichen Wünsche und Nöte von Heranwachsenden beweist. Es geht um Spaß und Hader, um angenehme und unangenehme Gefühlsaufwallungen – kurzum: um das Paradies und die Hölle (da Jungsein stets das eine wie das andere ist). Positiv anzumerken gilt es vor allem, dass die Teenagerfiguren bei aller Überspitzung des Geschehens ernst genommen werden. Die kruden Vorstellungen der drei Protagonisten, etwa von Männlichkeit oder von einem Dasein in der „Wildnis“ (die sich, wohlgemerkt, nicht unweit vom sicheren Zuhause sowie einem Fast-Food-Laden befindet), werden mit skurrilem Humor dekonstruiert – gleichwohl wird die juvenile Entfaltung von Joe, Patrick und Biaggio mit der nötigen Sensibilität behandelt. Zuweilen treten ein paar Schwächen des Skripts und der Umsetzung zutage – diverse One-Liner wirken zu gestelzt, während die Inszenierung gelegentlich mit einem Zuviel an Montagesequenzen und magischer Indie/Alternative-Musikuntermalung aufwartet –, doch es überwiegen ganz ohne Zweifel die Stärken (zumal man irgendwie auch verstehen kann, dass Sätze wie „I don’t really see myself as having a gender“ und Songs wie „The Youth“ von MGMT einfach untergebracht werden sollten).

Sowohl für die Jugend- als auch für die Erwachsenen-Parts wurden Darsteller gefunden, die aus den schrägen Situationen des Films einiges an Witz zu schlagen vermögen. Nick Robinson überzeugt als Joe in einer schönen Wannabe-Punk-Performance, indes Gabriel Basso als Patrick für Erdung sorgt. Moises Arias kommt mit der Biaggio-Rolle die Funktion des verschrobenen Szenendiebs zu – und er weiß dies optimal zu nutzen. Die Eltern von Joe und Patrick sind eher als Karikaturen angelegt; sie muten dank des Komiktalents von Nick Offerman, Marc Evan Jackson und Megan Mullally aber dennoch durchaus liebenswürdig an. Mit Kings of Summer ist dem Team vor und hinter der Kamera ein Werk gelungen, das anrührt und amüsiert und obendrein herrlich „weird“ ist.

Kings of Summer

Eltern können anstrengend sein! Diese Erkenntnis ist zwar gewiss nicht neu – sie wurde aber selten so wunderbar-komisch vermittelt wie in „Kings of Summer“. Der 16-jährige Joe (Nick Robinson) ist beispielsweise in hohem Maße von seinem verwitweten Vater Frank (Nick Offerman) genervt.
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