Keith Haring

Keith Haring

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Vom Leben und Schaffen eines untergründigen Künstlers

Dass künstlerische Bilder sich überwiegend in meist speziell dafür errichteten Hallen aufhalten, hat sich bereits ganz mächtig revolutioniert, und der allzu früh verstorbene Künstler Keith Haring (1958-1990) war ein ganz besonderer Avantgardist der Ausrichtung, Kunst in den öffentlichen Raum zu transportieren. Seine für ihn typischen, mittlerweile weltberühmten Figuren eroberten in den frühen 1980er Jahren den urbanen Raum New Yorks und katapultierten sich von dort mit ihren schlichten, markanten Symbolen in die populäre Alltäglichkeit von Gebrauchsgegenständen. Die ursprünglich aus Dänemark stammende Kuratorin und Filmemacherin Christina Clausen, die überwiegend in Rom lebt und arbeitet, hat sich in ihrer Dokumentation Keith Haring sowohl mit der charismatischen Persönlichkeit des engagierten Aktivisten beschäftigt als auch mit dem Phänomen der 1980er Jahre als bedeutende Kunstepoche, welche die stärkste Schaffensperiode Harings markiert.
In Pennsylvania geboren, wuchs Keith Haring im Städtchen Kutztown auf, wobei das Zeichnen bereits früh eine große Rolle in seinem Leben spielte, orientiert an den Ausprägungen der modernen Popkultur, deren Motive er imitierte. Nach Beendigung der Highschool besuchte er zunächst im Alter von 18 Jahren die Ivy School for Professional Art in Pittsburgh, doch der wache Freigeist fühlte sich auf dem Terrain der Werbegraphik rasch fehl am Platz und verfolgte ohne schulische Anbindung seine ganz eigenen Inspirationen und Ausrichtungen, bis er 1978 nach New York ging. Und in der kunstkochenden Atmosphäre der Metropole begegnete er als Student der School of Visual Arts jener freien Kulturszene der Permormance und des Graffitis, die er bald darauf so entscheidend mit prägen sollte. Der junge Künstler ließ sich vom Gedanken der Unabhängigkeit des kreativen Schaffens leiten und war an entsprechenden Events und Ausstellungen im Umfeld dieser revolutionären Haltung beteiligt, wobei ihn vor allem die Arbeiten von Christo und Andy Warhol nachhaltig beeindruckten.

1980 dann startete er seine legendäre, zeichnerische Invasion in den New Yorker U-Bahn-Schächten, die seine Kunst mit der Alltäglichkeit des urbanen Raums verband und damit einen wesentlichen Ausdruck seiner kulturellen Positionierung darstellte. Mit dieser langjährigen Aktion etablierte er sich als untergründige Berühmtheit, und es folgte eine Einzelausstellung in Soho sowie Beteiligungen an internationalen Projekten wie der Documenta 7 in Kassel und der São Paulo Biennial, und sein innovatives Schaffen erstreckte sich bald auf die Gestaltung von Wandgemälden, Theaterkulissen, Swatch-Uhren und Anzeigenkampagnen wie „Absolut Vodka“. Dabei engagierte sich der nunmehr weithin bekannte Zeichner und Designer vor allem für den künstlerischen Nachwuchs und organisierte international entsprechende Kurse, die er persönlich leitete, und große Protagonisten der Popkultur wie William Burroughs, Timothy Leary und Jenny Holzer arbeiteten mit ihm zusammen. Als 1988 AIDS bei ihm diagnostiziert wurde, ging Keith Haring auch mit diesem Thema so öffentlich um wie mit seiner Kunst, über die er innerhalb der Gesellschaft das Bewusstsein für diese tückische Krankheit zu verändern bemüht war.

Kurz vor seinem frühen Tod im Jahre 1990 führte der Journalist John Gruen auf Wunsch des Künstlers zahlreiche Interviews mit diesem, die später die Grundlage des Buchs Keith Haring: The Authorized Biography bildeten, und es sind jene ebenso spannenden wie bewegenden Tonaufnahmen, die der Dokumentation Keith Haring von Christina Clausen ihre in besonderem Maße authentisch erscheinende Stimmung verleihen. Neben seinen Eltern und Geschwistern sind es namhafte Wegbegleiter wie Kenny Scharf, Julia Gruen, Yoko Ono, Andy Warhol, Grace Jones und Madonna, die im Film von ihrer Verbindung zu dem großen Künstler der kleinen Dinge erzählen und ihm in diesem Rahmen noch einmal ihre Liebe, Bewunderung und den gewaltigen Respekt vor seinem Leben und Wirken aussprechen. Mit eindrucksvollen visuellen Impressionen seines Schaffens kombiniert entsteht auf diese Weise eine sehr persönliche Dokumentation von sensiblem Kunstverstand der entsprechend versierten Regisseurin, die in ihrer vielschichtigen Dimension nicht nur Fans zu begeistern vermag.

Keith Haring

Dass künstlerische Bilder sich überwiegend in meist speziell dafür errichteten Hallen aufhalten, hat sich bereits ganz mächtig revolutioniert, und der allzu früh verstorbene Künstler Keith Haring (1958-1990) war ein ganz besonderer Avantgardist der Ausrichtung, Kunst in den öffentlichen Raum zu transportieren. Seine für ihn typischen, mittlerweile weltberühmten Figuren eroberten in den frühen 1980er Jahren den urbanen Raum New Yorks und katapultierten sich von dort mit ihren schlichten, markanten Symbolen in die populäre Alltäglichkeit von Gebrauchsgegenständen.
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