Kalif Storch 3D

Kalif Storch 3D

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

3D für die Kleinsten

Neigt sich der Boom des 3D-Kinos langsam dem Ende zu? Immer wieder finden sich Stimmen, die ausgemacht haben wollen, dass der Stereoskopie keine allzu große Zukunft mehr auf den Leinwänden beschieden sein dürfte. Und es gilt längst als gesichert, dass gerade die allerjüngste Zielgruppe oftmals von den Effekten überfordert ist, was wiederum Eltern davon abhält, mit ihrem Nachwuchs in 3D-Filme zu gehen. Erstaunlich genug, dass nun speziell für die kleinsten Zuschauer mit Kalif Storch 3D ein Werk in ausgewählte Kinos kommt, das damit wirbt, in „kindgerechtem 3D“ realisiert worden zu sein. Und noch erstaunlicher, dass diese vermeintliche oder tatsächliche Innovation auf den ersten Blick seltsam vertraut und beinahe schon nostalgisch wirkt. Denn gäbe es die 3D-Brille nicht, würde man sich wohl in einer aus dem Fernsehen bekannten Sendung der Augsburger Puppenkiste wähnen, mit denen zumindest die älteren Kinobesucher großgeworden sind. Zwar zeichnet in diesem Fall das Marionettentheater Bad Tölz verantwortlich für die Puppen, dennoch fühlt man sich durch die sympathischen und herrlich bayrisch grantelnden Figuren direkt in die eigene Kindheit zurückversetzt.
Die Nostalgie, die diesen Film durch seinen Look und sein gemächliches Tempo ausmacht, wird unterstützt durch die Geschichte, die zurückgeht auf ein Märchen von Wilhelm Hauff. In der Version des Marionettentheaters Bad Tölz ist die Ursprungsgeschichte eingebettet in eine Rahmenhandlung, die ein wenig an die Geschichten des jüngst verstorbenen Kinderbuchautors Ottfried Preussler erinnert. Weil Pepperl eine Klassenarbeit in den Sand gesetzt hat, muss er nun den Speicher aufräumen. Dabei stößt er gemeinsam mit seinem Freund Kasperl auf ein altes Buch mit Zaubersprüchen. Weil die beiden Knaben es natürlich nicht lassen können, gleich eine der magischen Formeln auszuprobieren, landen sie unversehens und dank eines fliegenden Teppichs mitten in einem Abenteuer, das sie zunächst nach Afrika führt. Dort lernen sie den Zauberer Mirza und dessen Helfershelfer Achmet und Abdul kennen und werden in einen Frosch und einen Storch verwandelt – ein Schicksal, das auch dem Kalifen von Bagdad und dessen Großwesir droht. Schnell eilen Pepperl und Kasperl in den Orient, um die beiden mächtigen Männer zu warnen. Doch es ist bereits zu spät – wenn da nicht die kleine Nachteule Lusa wäre, die in Wirklichkeit eine verwunschene Prinzessin ist…

Es gibt wohl kaum einen größeren Kontrast in der Handhabung der 3D-Technik als den zwischen mit Effekten überladenen Hollywood-Produktionen und dem sympathisch-altmodischen Puppenspaß aus Bayern. Langsam bewegt sich die Kamera hier und lässt so den Kinderaugen eine ganze Menge Zeit, die Tiefe des theatralen Bildraums behutsam zu erfahren. Auf diese Weise gerät der Film nicht nur zu einer Schule des dreidimensionalen Sehens, die durchaus auch für die pädagogische Arbeit benutzt werden kann. Zugleich verfolgt der Film aber noch eine ganz andere, nur auf den ersten Blick paradoxe Zielrichtung. Weil Puppen- und Figurentheater überall mit knapper werdenden Budgets und schwindenden Zuschauerzahlen durch die Konkurrenz von Kino, Fernsehen und Computerspielen zu kämpfen haben, sorgt der Film, der den Auftakt zu einer ganzen Reihe bildet, die unter dem Namen „Puppenschau“ zu sehen sein wird, für etwas mehr Aufmerksamkeit für diese gefährdete Gattung. Ob es etwas nützt, steht aber in den Sternen. Dennoch: Wer seine Kinder behutsam an die Geheimnisse dreidimensionalen Sehens heranführen will, sollte mit einem Film wie diesem damit beginnen. Auch wenn dafür wohl einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten sein wird. Denn erheblich unterhaltsamer sind die Werke von Pixar & Co. schon.

Kalif Storch 3D

Neigt sich der Boom des 3D-Kinos langsam dem Ende zu? Immer wieder finden sich Stimmen, die ausgemacht haben wollen, dass der Stereoskopie keine allzu große Zukunft mehr auf den Leinwänden beschieden sein dürfte. Und es gilt längst als gesichert, dass gerade die allerjüngste Zielgruppe oftmals von den Effekten überfordert ist, was wiederum Eltern davon abhält, mit ihrem Nachwuchs in 3D-Filme zu gehen. Erstaunlich genug, dass nun speziell für die kleinsten Zuschauer mit „Kalif Storch 3D“ ein Werk in ausgewählte Kinos kommt, das damit wirbt, in „kindgerechtem 3D“ realisiert worden zu sein.
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