Kaboom

Kaboom

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Der große Knall

Wenn ein Film mit dem Ende der Welt kokettiert und von obskuren Sekten berichtet, die sich nichts sehnlicher wünschen als einen finalen großen Knall, mit dem die verlotterte Erde endlich untergehe, ist normalerweise höchste Vorsicht geboten. Nicht so jedoch bei Gregg Arakis furioser Trash-Sex-Emocore-SciFi-Komödie Kaboom, bei der in Wirklichkeit von Anfang an ein Knalleffekt den nächsten jagt und das Ganze beinahe wie eine Persiflage auf das eigene Frühwerk des Regisseurs, vor allem auf seine Teenage Apocalypse Trilogie (Totally Fucked Up, 1993, The Doom Generation, 1995, Nowhere, 1997) wirkt.
Der 18 Jahre alte Collegeboy Smith (Thomas Dekker) genießt das Leben in vollen Zügen. Er ist jung, sieht gut aus und mag sich in seinem Alter einfach noch nicht festlegen – das gilt im Bezug auf seine Sexualpartner (er ist gegenüber beiden Geschlechtern offen) ebenso wie hinsichtlich seiner Zukunft. Der so genannte Ernst des Lebens kann noch warten. Zusammen mit seiner lesbischen Freundin Stella (Haley Bennett) genießt er das Leben als endlose Dauerparty. Nur ab und zu trüben seltsame Träume und komische Erlebnisse am College den Hedonismus der beiden. Da sind beispielsweise merkwürdige Visionen einer rothaarigen Frau, die von Männern mit Tiermasken bedroht und ermordet wird. Und Stellas neueste Eroberung Lorelei (Roxane Mesquida) entpuppt sich als ein klein wenig zu anhänglich, als dies der Beziehung zuträglich wäre. Zudem sind da noch Smiths Eroberung London (Juno Temple) und sein Zimmergenosse, der etwas schlichte, aber hinreißend aussehende Surferboy Thor (Chris Zylka) – und eine unheimliche Atmosphäre, die mit der Zeit immer bedrohlicher erscheint. Ganz schön viel für einen Kerl, der außer Partys, Drogen und Sex nicht viel vom Leben erwartet. Aber klar, dass es im Verlauf der immer wüsteren Story ausgerechnet Smith ziemlich dicke treffen wird. Denn das Geheimnis, das all die seltsamen Vorkommnisse miteinander verbindet, führt direkt zurück in seine Kindheit und in ein Familiengeheimnis...

Weitestgehend sinnfrei, quitschbunt, mit etlichen pop- und subkulturellen Querverweisen und voller rotzfrecher Dialoge und hanebüchener Plottwists ist Kaboom wohl einer der unterhaltsamsten, frechsten und freizügigsten Filme des Jahres und sorgte beim Fantasy Film Fest, in Sitges und auf einigen anderen Festivals für Heiterkeit und fast einhelliges Lob. Dass freilich noch ein Verleiher in Deutschland es wagt, den Film mit dem nicht gerade massenkompatiblen Maß an Durchgedrehtheit in die Kinos zu bringen, ist eher unwahrscheinlich. Aber man soll ja bekanntlich die Hoffnung niemals aufgeben. Gerade deshalb umso eindringlicher der Ratschlag – wer irgendwo noch die Chance bekommen sollte, Kaboom zu Gesicht zu bekommen, sollte nicht lange zögern. Und zuletzt bleibt ja immer noch die Hoffnung auf eine DVD-Auswertung.

Das wäre aber nur ein fader Kompromiss, denn diesen Film sollte man definitiv im Kino sehen, möglichst spät und mit vielen ausgelassenen Menschen. Denn selten war ein Blick auf das Ende der Welt unterhaltsamer – und nebenbei die Schauspieler beiderlei Geschlechts attraktiver. Denn dass eine waschechte Apokalypse immer nur in düsteren Farben gemalt werden muss, sollte spätestens mit diesem Film auf charmanteste Weise widerlegt sein.

Kaboom

Wenn ein Film mit dem Ende der Welt kokettiert und von obskuren Sekten berichtet, die sich nichts sehnlicher wünschen als einen finalen großen Knall, mit dem die verlotterte Erde endlich untergehe, ist normalerweise höchste Vorsicht geboten.
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Meinungen
yana · 15.12.2011

wieso wählte der Autor Tiermasken als feinde der "normalen" Menschen?

Kino-fan · 02.06.2011

Kaboom führt gekonnt weiter, was Araki in Filmen wie Nowhere begonnen hat. Eine schräge Story, mit paranormalen Elementen, sexuellen Irrungen und sarkastischem Wortwitz, eingehüllt in knallige Bilder.

Kommentare

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