Jungle

Jungle

Eine Filmkritik von Christopher Diekhaus

Der Natur ausgeliefert

Fehlende Experimentierfreude kann man Daniel Radcliffe in den letzten Jahren nun wirklich nicht vorwerfen. Bestand einst die Sorge, dass sich der britische Schauspieler nicht von seinen Harry-Potter-Auftritten würde lösen können, hat der inzwischen 28-jährige Mime alle Zweifler widerlegt. In seiner jüngeren Filmografie finden sich so unterschiedliche Werke wie der Gruselstreifen Die Frau in Schwarz, die romantische Komödie The F-Word – Von wegen nur gute Freunde!, das erfrischend originelle Buddy-Movie Swiss Army Man und der Undercover-Thriller Imperium. Arbeiten, mit denen Radcliffe sein Talent nachhaltig unter Beweis stellen und das Image des niedlichen Zauberlehrlings mehr und mehr abstreifen konnte. Sein Engagement im auf realen Ereignissen basierenden Survival-Abenteuer Jungle fügt sich bestens in diese Reihe ein, auch wenn der von Horrorspezialist Greg McLean (Das Belko Experiment, Wolf Creek) inszenierte Film nicht die ganz große Offenbarung darstellt.
Nach drei Jahren in Diensten der israelischen Armee träumt der abenteuerlustige Yossi Ghinsberg (Radcliffe) davon, unerforschte Gebiete zu betreten und alte Kulturen in Augenschein zu nehmen. 1981 verschlägt es ihn schließlich über Umwege nach Südamerika, wo er den aus der Schweiz stammenden Backpacker Marcus (Joel Jackson) und den US-Fotografen Kevin (Alex Russell) kennenlernt. Als Yossi auf der Straße vom angeblichen Geologen Karl (Thomas Kretschmann) angesprochen wird, der eine Expedition in unwegsame Gegenden des bolivianischen Dschungels plant, ist der junge Mann sofort Feuer und Flamme. Seine neuen Freunde lassen sich nach anfänglichen Zweifeln zu der Tour überreden. Und so machen sich die drei gemeinsam mit Karl schon bald auf den Weg in das endlose Dickicht. Ein Trip mit allerlei Tücken und Gefahren, der die Reisegruppe irgendwann getrennte Wege gehen lässt.

Mehrere Wochen überlebte der echte Yossi Ghinsberg Anfang der 1980er Jahre im Regenwald und schrieb seine unglaubliche Geschichte einige Zeit später in einem viel beachteten Erlebnisbericht nieder. Der perfekte Stoff für ein packendes, staunenswertes Kinoabenteuer, das McLean – wie zu erwarten war – mit zahlreichen imposanten Naturaufnahmen garniert. Bevor Yossi und Co allerdings in die Wildnis aufbrechen, beschwört Jungle, begleitet von den Voice-over-Kommentaren des Protagonisten, ein klassisches Backpacker-Freiheitsgefühl. Der Geruch von Abenteuer liegt in der Luft. Und irgendwie macht der etwas naive Drang der jungen Männer nach neuen Erfahrungen Lust, den eigenen Rucksack zu packen und in die Fremde aufzubrechen.

Mit Betreten des Urwaldes schleichen sich gemäß den Genre-Vorgaben innerhalb der Reisetruppe langsam Verunsicherung und Ernüchterung ein. Marcus kann nach kurzer Zeit mit den anderen nicht mehr Schritt halten, da sich seine Füße entzündet haben. Und auch das Vertrauen in den vermeintlich so ortskundigen Karl lässt spürbar nach. Thomas Kretschmann gelingt es, den Expeditionsführer als schwer einzuschätzenden, kernigen Naturbuschen anzulegen, der des Öfteren über die Zerstörungswut des Menschen philosophiert und mit Blick auf seine eigenen Kenntnisse offenbar nicht ganz ehrlich war. Interessant ist, dass McLean und Drehbuchautor Justin Monjo den als Identifikationsfigur etablierten Ghinsberg nicht in übertriebenem Maße verherrlichen. Vielmehr erweist sich ausgerechnet er als manipulativer Zeitgenosse, der, getrieben von seinem Abenteuereifer, dafür sorgt, dass der entkräftete Marcus mit Karl den Rückweg antritt.

Packend gerät der gefährliche Dschungeltrip vor allem dann, wenn die Kamera mit den Protagonisten auf einem selbstgebauten Floß in reißende Fluten eintaucht. Während immer wieder Wasser auf die Linse klatscht und die ruckartigen Stöße hautnah eingefangen werden, überträgt sich die Panik der Expeditionsteilnehmer direkt auf den Betrachter. Auch im weiteren Verlauf bemüht sich der australische Regisseur, den Urwaldkoller greifbar zu machen, der den plötzlich auf sich allein gestellten Ghinsberg befällt. Surreale Traumsequenzen und Halluzinationen vermischen sich mit etwas beliebig eingestreuten Erinnerungen an Yossis Zeit in Israel kurz vor dem Antritt seiner Reise. Auf der Tonspur erinnert der horrorerprobte McLean ständig daran, dass der einsame Überlebenskampf eine echte Schreckenserfahrung ist. Trotz einer engagierten, aufopferungsvollen Performance von Daniel Radcliffe, der am Ende erschreckend abgemagert aussieht, raubt Jungle dem Zuschauer nicht durchgängig den Atem. Yossis Leiden vermitteln sich zwar recht anschaulich. Melodramatische Anflüge rauben seiner Tortur aber ein Stück Intensität und schwächen den Gesamteindruck dann doch ein wenig ab.

Jungle

Fehlende Experimentierfreude kann man Daniel Radcliffe in den letzten Jahren nun wirklich nicht vorwerfen. Bestand einst die Sorge, dass sich der britische Schauspieler nicht von seinen Harry-Potter-Auftritten würde lösen können, hat der inzwischen 28-jährige Mime alle Zweifler widerlegt. In seiner jüngeren Filmografie finden sich so unterschiedliche Werke wie der Gruselstreifen "Die Frau in Schwarz", die romantische Komödie "The F-Word – Von wegen nur gute Freunde!", das erfrischend originelle Buddy-Movie "Swiss Army Man" und der Undercover-Thriller "Imperium".
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