Juliet, Naked (2018)

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Die frustrierte Annie kommt durch einen Zufall mit dem früheren Indie-Idol Tucker Crowe in Kontakt, der von ihrem Freund Duncan geradezu kultisch verehrt wird. Das bleibt in dieser Verfilmung eines Romans von Nick Hornby natürlich nicht ohne Folgen.

Juliet, Naked (2018)

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Das Leben und Tucker Crowe

Zu behaupten, dass Duncan (Chris O’Dowd) einfach nur ein Fan des Alternative-Rock-Sängers Tucker Crowe (Ethan Hawke) ist, käme wohl gelinde gesagt einer Untertreibung gleich. Nein, Duncan ist besessen von Tucker Crowe – ebenso wie 500 andere Gleichgesinnte, die sich auf Duncans Website tummeln und dort fleißig die abstrusesten Theorien und Mikroanalysen von Songzeilen von sich geben und nicht nur darin spinnerten Verschwörungstheoretikern ziemlich ähneln.

Das Objekt ihrer Anbetung macht es ihnen aber auch ziemlich leicht, denn Tucker Crowe verschwand vor langer Zeit in der Pause eines Konzerts spurlos und ward seitdem nicht mehr gesehen. Über seinen Verbleib und die Gründe für den Abgang kursieren (natürlich) die seltsamsten Hypothesen, ein unscharfes Bild soll ihn als Schafzüchter zeigen und das einzige, was er der Nachwelt wirklich hinterlassen hat, ist sein Album Juliet, auf dem er einst eine zerbrochene Beziehung besang.

Annie (Rose Byrne), Duncans Freundin, kann diese ganzen Geschichten längst nicht mehr hören. Sie lebt mit ihrem Freund in einem kleinen britischen Seebad, leitet dort eher un(frei)willig das Heimatmuseum, wo gerade eine Ausstellung über das Jahr 1964 vorbereitet wird und hat eigentlich längst aufgegeben zu hoffen, dass ihr Leben noch einmal einen anderen Verlauf nehmen könnte. Bis ihr eines Tages ein Umschlag in die Hände fällt, der eigentlich an Duncan adressiert ist und den sie vor allem deswegen öffnet, weil Duncan seine Post häufig übersieht. Die Post enthält die Originalversionen der Songs des legendären Albums von Tucker Crowe unter dem Titel Juliet, Naked – und natürlich sorgt das für eine Riesenwelle im Forum von Duncans Website, der eine hymnische Besprechung schreibt. Einzig Annie, genervt von der Tatsache, dass ihr Freund eigentlich eher mit Tucker Crowe als mit ihr zusammenlebt, wagt Widerspruch und veröffentlicht auf Duncans Website einen Verriss. Dieser sorgt dafür, dass sie eines Tages eine Mail erhält, in der sie in ihrer Meinung bestätigt wird. Diese E-Mail stammt von Tucker Crowe höchstpersönlich. Annie und der Musiker kommen sich zunächst über eine virtuelle Brieffreundschaft näher und dann steht ein erstes Treffen an, denn Tucker hat eine Tochter in London, die ein Kind erwartet. Doch natürlich gestaltet sich all das ein wenig schwieriger …

Im Prinzip erzählt Juliet, Naked die Emanzipationsgeschichte einer Frau, die seit vielen Jahren sowohl beruflich wie auch privat unter ihren Möglichkeiten, Begabungen und Neigungen lebt und die durch eine Zufallsbekanntschaft endlich den Push bekommt, etwas aus ihrem Leben zu machen. Dabei ist jener mythische Tucker Crowe keinesfalls der strahlende Retter, sondern vielmehr ein gebrochener Mann, der nach diesem einen Album nichts mehr auf die Reihe bekommen hat und der von Alkohol- und Drogenexzessen schwer gezeichnet in der Garage seiner letzten Ex-Frau lebt, um sich dort – immerhin das – um seinen Sohn Jackson (Azhy Robertson) zu kümmern. 

Dies alles erzählt Jesse Peretz, der bisher vor allem als Regisseur von Serien wie Girls, Nurse Jackie und Glow sowie von Musikvideos in Erscheinung trat, nach einem Roman von Nick Hornby als zwar konventionelle, aber gut ausbalancierte Mischung aus skurrilem Witz, treffsicheren Dialogen, schrägen Charakteren und einer guten Prise Romantik. Eine Mixtur, die dem Film sehr häufig die Anmutung eines Arthouse-Werkes aus den späten 1990ern und frühen 2000er Jahren gibt, die den vielfach gespiegelten Aspekt des Nostalgischen und der Sehnsucht weiter verstärkt. 

Und schließlich: Ist dieser Film nicht selbst eine Sehnsucht nach den goldenen Tagen des Arthouse-Kinos? Am Ende wird alles gut – irgendwie: Das ist die Botschaft, die Juliet, Naked auf warmherzige Weise transportiert. Und es mag sein, dass diese Message etwas antiquiert und angestaubt wirkt. Aber womöglich ist sie ja gerade deshalb eine, die man in verrückten Zeiten wie diesen gerne hört.

Juliet, Naked (2018)

Annie steckt in einer langjährigen Beziehung mit Duncan - und der ist ein Hardcore-Fan des geheimnisvollen Rockstars Tucker Crowe. Und man könnte sogar sagen, dass Duncan Tucker Crowe mehr liebt als seine Freundin. Als per Zufall ein lange verschollenes Demo-Tape des Musikers auftaucht, führt dies zu einer Begegnung zwischen Annie und Tucker Crowe, die alles verändern wird. 

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