John und Mary

John und Mary

Eine Filmkritik von Peter Osteried

Beginn einer wunderbaren Liebe?

Peter Yates‘ Film ist ein kleines Meisterwerk, das fast vergessen war – und das trotz namhafter Mimen, die damals am Anfang ihrer Karriere standen. Zuvor hatte Dustin Hoffman mit Die Reifeprüfung und Mia Farrow mit Rosemarys Baby Erfolg. In John und Mary sind sie ein ungewöhnliches Paar. Der Film selbst? Er führt zurück in eine Zeit, als One-Night-Stands alles andere als selbstverständlich waren.
Im New York der 60er Jahre lernen sich John (Dustin Hoffman) und Mary (Mia Farrow) in einer Kneipe kennen. Noch am gleichen Abend landen sie im Bett, aber am nächsten Morgen stellt sich die Frage, was nun kommen soll. War die leidenschaftliche Nacht nur ein einmaliges Vergnügen? Oder könnte sich Liebe zwischen ihnen entwickeln? Und wollen sie sich überhaupt binden?

John und Mary ist ein Film der sexuellen Revolution, der den Zuschauer in eine Zeit entführt, die aus der Retrospektive heraus einfacher erscheinen mag, aber mit eigenen Problemen daherkam. In den Mittelpunkt wird hier eine Beziehung gerückt, die eigentlich keine ist. Nur wenige Jahre zuvor wäre das in Hollywood noch undenkbar gewesen - Peter Yates untersucht in seinem Film, was für Mann und Frau noch bleibt, wenn der Sex bereits hinter ihnen liegt.

Hoffman und Farrow spielen Figuren, die starke Bindungsängste haben. Rückblicke zeigen, wie John und Mary zu den Menschen wurden, die sie heute sind. Dabei wird dem Zuschauer nicht alles haarklein serviert, eigene Beobachtungsgabe und Interpretationsfähigkeit sind vonnöten. Es ist eine Romanze, die vielleicht nie Blüten tragen kann – weil er ziemlich zynisch und sie vage und unhöflich ist. Beide scheuen vor Bindungen zurück, auch wenn sie tief in ihrem Inneren wissen, dass die Alternative die emotionale Leere des Alleinseins wäre.

John und Mary lebt von der zurückgenommenen Darstellung seiner beiden Stars. Hoffman und Farrow wirken authentisch in ihrer Verwirrung, aber auch dem Bemühen, ihrem nächtlichen Beisammensein eine Art von Sinn und Bedeutung abzuringen. Der bewegendste Moment ist dementsprechend auch, als sich beide namentlich vorstellen – was nicht am Anfang des Films passiert. Nur eines könnte man diesem anspruchsvollen Drama vorwerfen: Dass am Schluss ein Hollywood-Happy-End herauskommt.

John und Mary

Peter Yates‘ Film ist ein kleines Meisterwerk, das fast vergessen war – und das trotz namhafter Mimen, die damals am Anfang ihrer Karriere standen. Zuvor hatte Dustin Hoffman mit "Die Reifeprüfung" und Mia Farrow mit "Rosemarys Baby" Erfolg. In "John und Mary" sind sie ein ungewöhnliches Paar. Der Film selbst? Er führt zurück in eine Zeit, als One-Night-Stands alles andere als selbstverständlich waren.
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