John Carpenters Vampire

John Carpenters Vampire

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Western-Horror von einem Meister der schaurigen Stoffe

Die weitläufige, rurale Landschaft in New Mexico, auf welche die Kamera in der Anfangssequenz dieses Films hinunterschwebt, erscheint eher passend für einen Western als für einen Horrorfilm, und in der Tat kombiniert John Carpenters Vampire bewusst Elemente beider Genres miteinander, flankiert von rhythmisch markanter Rockmusik, vom Regisseur selbst komponiert. Bald darauf beginnt bereits die stark martialisch ausgeprägte, höchst spannende Unterhaltung in Sachen Vampirjagd aus dem Jahre 1998, die diesem ganz speziellen, umfangreichen Genre der (beinahe) unsterblichen Blutsauger und mit besonderen Fähigkeiten begabten Nachtwesen eine weitere moderne, reichlich stilisierte und stellenweise sogar sanft-satirische Komponente verleiht.
Im Auftrag der katholischen Kirche, die mit dem charismatischen Kardinal Alba (Maximilian Schell) einen Sonderbeauftragten für derartige Angelegenheiten eingesetzt hat, unternimmt der von persönlichem Hass angetriebene Jack Crow (James Woods) mit seinem Partner Montoya (Daniel Baldwin) und einer tapferen Truppe von kampferprobten Kriegern gezielte, gut vorbereitete und mit besonderem technischen Equipment ausgestattete Attacken auf so genannte Vampirnester, in welche sich die blutgierigen Untoten bei Tag zurückziehen, um dem für sie tödlichen Sonnenlicht zu entgehen. In einem unbewohnten, abgelegenen Landhaus scheuchen die Vampirjäger nun in New Mexico nach der obligatorischen Segnung durch einen Priester eine ganze Horde von schlummernden Blutsaugern auf, reißen sie mittels eines an einer stabilen Winde befestigten Seils ins Freie und lassen sie dort in der Helligkeit des Tages aufflammen und erbärmlich verbrennen. So erfolgreich sich die Aktion auch gestaltet hat, muss Crow doch besorgt feststellen, dass der Kopf, der Meister der Gruppe fehlt, den der Zuschauer beim Abrücken des Eliminierungskommandos so wütend wie eindrucksvoll aus dem Wüstensand emporschießen sieht.

Als Crows Mannen in einem Motel in der Nähe mit reichlich hübschen Huren trinkselig ihren Triumph feiern und sogar der Priester recht tief ins Glas blickt, schleicht sich der rachsüchtige Vampirführer Valek (Thomas Ian Griffith) in Crows Zimmer ein, verführt und beißt die dort wartende Edelnutte Katrina (Sheryl Lee) und sprengt anschließend die ausgelassene Gesellschaft, metzelt sie nieder und gibt Crow gegenüber zu erkennen, dass er weiß, mit wem er es zu tun hat. Katrina, Montoya und Crow entkommen als einzige Überlebende, und nun steht für die Vampirjäger fest, wem der künftige Kampf gilt, zumal Valeks Insider-Wissen auf einen Verräter in den eigenen Reihen hinweist. Während Crow Kontakt mit dem Kardinal aufnimmt, der ihm nun den noch recht unerfahrenen Priester Adam Guiteau (Tim Guinee) zur Seite stellt, zwingt Montoya Katrina, ihn in ein Hotel zu begleiten, um sie dort zu „reinigen“, denn als von Valek Infizierte droht ihr die Transformation zum Vampirismus. Andererseits stellt sie nun ein wichtiges Bindeglied zum Meister dar, von dem sie telepathische Impulse empfangen kann, und soll deshalb unter ständiger Beoabachtung bleiben – eine gefährliche Nähe, die sich so vielschichtig wie folgenschwer auf Montaya auswirkt…

Begleitet von seinem stimmungsvollen, mitreißenden Soundtrack hat John Carpenter (Nebel des Grauens / The Fog, 1980, Die Klapperschlange / Escape from New York, 1981, Die Fürsten der Dunkelheit / Prince of Darkness, 1987) als Meister der aktionsreichen, düsteren und schaurigen Stoffe frei nach dem Gruselroman Vampire$ von John Steakley seinen ganz eigenen Vampirfilm inszeniert, der dem Fokus auf blutig-brutale Bandenkämpfe mit leisem Sarkasmus in kirchliche Korruptionen eingebettete Topoi wie Reliquien und Rituale entgegenstellt. Kontrastiv zur dynamischen, fetzigen Darstellung drastischer Splatter-Szenen erscheinen zum einen starke, stilisierte Bilder der gegnerischen Gruppen im Sinne konspirativer Vereinigungen, und zum anderen die vor allem im letzten Drittel des Films platzierten, bisweilen geradezu rührend anmutenden Gespräche der Protagonisten untereinander, die sich im Spannungsfeld von Loyalität, Freundschaft und auch Liebe ansiedeln. Begegnungen, Beziehungen und Verbindungen von extremen, radikalen Männercharakteren von sengender Ambivalenz werden hier den Motiven der Gewalt, der Macht und den Allmachtsphantasien gegenübergestellt, und am Schluss erledigt sich ein teuflischer Pakt, um einem zutiefst menschlichen zu weichen – doch es wäre nicht John Carpenter mit seiner stringenten Strategie der Vagheit von Verbindlichkeiten, wenn diesem nicht eine nur begrenzte Haltbarkeit zugestanden würde, so dass die Protagonisten sich letztlich von einem offenen Ausgang mit ungewisser Zukunft verabschieden.

John Carpenters Vampire

Die weitläufige, rurale Landschaft in New Mexico, auf welche die Kamera in der Anfangssequenz dieses Films hinunterschwebt, erscheint eher passend für einen Western als für einen Horrorfilm, und in der Tat kombiniert „John Carpenters Vampire“ bewusst Elemente beider Genres miteinander, flankiert von rhythmisch markanter Rockmusik, vom Regisseur selbst komponiert.
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