Jimi: All Is by My Side

Jimi: All Is by My Side

Eine Filmkritik von Falk Straub

Purple Haze

An Biopics scheiden sich die Geister. Werden die Schauspieler den historischen Vorbildern gerecht? Stimmen die Fakten? Wie ist der Film erzählt? Fragen, die auch bei Jimi: All Is By My Side die Gemüter erhitzen könnten. Denn Regisseur John Ridley gibt außergewöhnliche Antworten.
Als The Jimi Hendrix Experience am 4. Juni 1967 im Londoner Saville Theatre auftreten, sitzen auch Paul McCartney und George Harrison im Publikum. Hendrix weiß das und beschließt, die Show mit dem Titelsong des aktuellen Beatles-Albums zu beginnen. Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band steht erst seit drei Tagen in den Läden. Hendrix‘ Bassist äußert seine Bedenken. Für ihn kommt das einer Beleidigung der bereits zu Lebzeiten legendären Pilzköpfe gleich. „Only if we fuck it up“, entgegnet Hendrix mit einem Grinsen im Gesicht. Was dann folgt, ist eine Demonstration seines musikalischen Genies. Als er die Gitarrensaiten schließlich mit den Zähnen und hinter seinem Rücken anschlägt, hält es auch McCartney und Harrison nicht mehr auf den Sitzen. Ein Triumph, um den John Ridleys sehr eigenwilliges Biopic angelegt ist.

Jimi: All Is By My Side beginnt wenige Minuten vor dem Auftritt im Saville Theatre, spult dann ein Jahr zurück, und endet schließlich zwei Wochen nach seinem Ausgangspunkt. Gemeinsam mit seiner Band ist Jimi Hendrix auf dem Weg zum Monterey Pop Festival – ein entscheidender Schritt für seinen Durchbruch in den USA. Doch kurz bevor der Musiker richtig durchstartet, verlässt der Film seinen Protagonisten. Die knapp zwei Stunden, die zuvor zu sehen waren, konzentrieren sich auf Hendrix‘ Anfänge in New Yorker Clubs über den Umweg England bis zur Rückkehr in die USA.

André Benjamin gibt Jimi Hendrix. Eine von vielen gelungenen Entscheidungen dieses Films. Benjamin, den meisten als Mitglied des Musikduos OutKast bekannt, kommt seiner Figur in Bewegungen, Sprachduktus und Bühnenpräsenz beängstigend nahe. Imogen Poots wiederum ist Linda Keith, die nicht nur den Rolling Stone Keith Richards zu Ruby Tuesday inspiriert, sondern auch Hendrix‘ Karriere in Schwung bringt. Keith vermittelt das Ausnahmetalent an den ehemaligen Animals-Bassisten Chas Chandler (Andrew Buckley), der Hendrix fortan managt.

Regisseur und Drehbuchautor John Ridley entwirft seine Hauptfigur als Hippie, der die Musik revolutioniert, die Revolution auf der Straße jedoch scheut. Ridleys Hendrix ist nur auf der Bühne ein Held, im wahren Leben spielt er keinen. Als er gemeinsam mit seiner Freundin Kathy Etchingham (Hayley Atwell) bei einem Spaziergang durch London von Polizisten rassistisch beleidigt wird, gibt er schnell klein bei. Gegen Kathy schlägt er an anderer Stelle hingegen brutal zu. Eine Szene, die bei der echten Kathy Etchingham Empörung auslöste. Sie sei schlicht erlogen.

Nicht das einzige, was Fans an Jimi: All Is By My Side stören könnte. Denn ein noch größeres Wagnis geht Ridley formal ein. Recht früh wirft Hendrix gemeinsam mit Keith einen Trip ein. Und ab da ist auch der Film immer ein kleines bisschen auf Droge. Unter die Handlung mischt sich echtes und nachgeahmtes Archivmaterial. Das Format variiert ebenso wie die Lautstärke. Erinnerungsfetzen blitzen auf, Jump-cuts lassen Ton und Bild asynchron geraten.
In die Gestaltung hat sich Ridley nicht groß hineinreden lassen. Hendrix‘ Erben verweigerten ihm daraufhin die Rechte an dessen Musik. Seine eigenen Stücke sind in Jimi: All Is By My Side daher auch nicht zu hören. Das mag viele ebenso irritieren wie die außergewöhnliche Form. Am Ende fällt es jedoch kaum auf. Denn dank all seiner Wagnisse ist der Film weitaus spannender als die meisten Biopics.

Jimi: All Is by My Side

An Biopics scheiden sich die Geister. Werden die Schauspieler den historischen Vorbildern gerecht? Stimmen die Fakten? Wie ist der Film erzählt? Fragen, die auch bei „Jimi: All Is By My Side“ die Gemüter erhitzen könnten. Denn Regisseur John Ridley gibt außergewöhnliche Antworten.
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