Jerry Cotton - Um Null Uhr schnappt die Falle zu

Jerry Cotton - Um Null Uhr schnappt die Falle zu

Eine Filmkritik von Jean Lüdeke

The G-Man

Jerry Cotton ist eigentlich die im deutschsprachigen Raum kommerziell höchst erfolgreiche Serie von Kriminalromanen mit einer Auflage von sage und schreibe 850 Millionen Exemplaren. Gleichzeitig dient Jerry Cotton auch als Bastei-Lübbe-Verlagspseudonym, unter dessen angeblicher Autorenschaft die Serie erscheint.
Erfinder der Serie ist Delfried Kaufmann, um dessen Person die Verlagsanstalt aus Bergisch Gladbach über Jahrzehnte ein großes Geheimnis machte und nur vage von einem „Herrn K.“ sprach. Erst Journalist Jörg Weigand enttarnte Kaufmann 1998 in einem Artikel für die Welt als Erfinder der Cotton-Serie. Jerry-Cotton-Romane werden der Trivialliteratur bzw. den sogenannten Heft- und Groschenromanen zugezählt. Zwar wird diese Gattung von der Kulturkritik traditionell gering geschätzt, dennoch hat die Serie (wie auch die unvergessliche Science-Fiction-Serie Perry Rhodan) eine konstante Kult-Trash-Gemeinde.

G-Man Jerry Cotton ist New Yorker FBI-Agent und löst Straftaten im Umfeld des organisierten Verbrechens auf. In den 60er Jahren wurde zudem eine Serie von B-Filmen auf der Basis der Cotton-Romane abgedreht, anfangs noch in schwarzweiß. Die Rolle des smarten Cops mit seinen Lucky Strike-Kippen übernahm der amerikanische Schauspieler George Nader, die des Phil Decker der deutsche Schauspieler Heinz Weiss und Regisseur war kein geringerer als der Münchener Harald Reinl.

Die Leipziger Kinowelt nimmt sich dieser mysteriösen Figur auf einer sehr schön sortierten DVD-Reihe an. In Um Null schnappt die Falle zu wird nachts ein gestohlener Sprengstofftransporter mit 20 Kanistern Nitroglyzerin gemopst, um anschließend damit in die Schaufenster-Auslage des berühmten New Yorker Juweliers Cartier zu rasen. Ein recht ungewöhnlicher Bruch, mit einer Juwelenbeute im Wert von einer Million Dollar. Auch der Rest des nicht üblichen Handelsstoff, das Nitro, bleibt verschwunden. Jerry und Phil müssen natürlich das gefährliche Frachtgut flugs aufspüren, zumal der US-Skyline-Metropole eine (natürlich dramaturgisch aufkochende) Hitzewelle bevorsteht. Und ohne artgerechte Kühlung steht ein ungewolltes pyromanisches Feuerwerk der Extraklasse bevor. Der berühmte Wettlauf mit der Zeit beginnt…

George Nader(19.10.1912 — 04.02.2002) ist untrennbar mit Jerry Cotton verbunden. Seine erste Hauptrolle spielte Nader in dem 3D-Film Robot Monster, dessen Namensgeber den Golden Turkey Award als schlechtestes Filmmonster aller Zeiten erhielt. Nach einer Augenverletzung im Jahre 1974 zog er sich aus der Filmbranche zurück und widmete sich der Schreiberei. Seine 1978 erschienenes Buch Chrome sorgte für erhebliches Aufsehen, da es sich um den ersten Sci-Fi-Roman mit homosexuellem Thema handelte. Noch viel schlimmer traf es allerdings die weibliche Fangemeinde. Die sich mit dem altbewährten Motto „Die schönsten Männer sind entweder schwul oder blöde“ wieder einmal anfreunden mussten: Nader pflegte eine lange Homo-Liaison zur ebenso gestürzten Frauen-Legende Rock Hudson und blieb Zeit seines Lebens dessen Freund und Vertrauter.

Jerry Cotton - Um Null Uhr schnappt die Falle zu

Jerry Cotton ist eigentlich die im deutschsprachigen Raum kommerziell höchst erfolgreiche Serie von Kriminalromanen mit einer Auflage von sage und schreibe 850 Millionen Exemplaren.
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