Jane Fonda in Five Acts (2018)

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Sexsymbol, Anti-Vietnam-Aktivistin oder Aerobic-Vorturnerin – die mittlerweile 80-jährige Schauspielerin Jane Fonda hat so manchen Imagewechsel vollzogen und scheinbar unvereinbare Frauenbilder, Werte und Strömungen bewegter Dekaden verkörpert. Reichlich Stoff für einen Blick zurück.

Jane Fonda in Five Acts (2018)

Eine Filmkritik von Bianka Piringer

Eine Symbolfigur mit vielen Gesichtern

Die zweifache Oscar-Preisträgerin Jane Fonda hat mit ihrer Wandlungsfähigkeit die verschiedensten Gesichter ihrer Epoche repräsentiert. Sie war 1968 das blonde Sexsymbol in "Barbarella", 1972 die dunkelhaarige Anti-Vietnam-Aktivistin, die sich den Hass vieler Amerikaner zuzog, weil sie auf einer Flugabwehrkanone in Nordvietnam posierte. Im Jahr 1982 brachte sie das Fitness-Video Jane Fonda‘s Workout heraus, das sich zum bestverkauften Heimvideo aller Zeiten entwickelte.

Dazwischen spielte sie in Filmen wie Klute, Coming Home, Das China-Syndrom, Am goldenen See. Als mittlerweile 80-Jährige gibt sie die Grace in der TV-Serie Grace & Frankie. Im Herbst 2018 kommt ihr neuer Film Book Club in die deutschen Kinos.

Susan Lacy hat für ihren Dokumentarfilm, der vom US-Fernsehsender HBO produziert wurde, Jane Fonda 21 Stunden lang interviewt. Die Erzählungen der Porträtierten, die sich sehr offen mit den Konfliktstellen in ihrem Leben auseinandersetzt, werden flankiert von reichem Archivmaterial. Auch andere Personen kommen zu Wort, wie der inzwischen verstorbene Ex-Ehemann Tom Hayden, der Sohn Troy Garity, Schauspielerkollege Robert Redford. Aber nie entsteht der ermüdende Eindruck eines Reigens von Talking Heads, denn die Bildebene gehört zu weiten Teilen den Privatfotos, Nachrichten- und Interviewschnipseln der 1960er und späterer Jahrzehnte sowie Filmausschnitten, die mit Fondas Erzählungen in eine Art Dialog treten. 

Die 133 Filmminuten lassen fast ein ganzes Jahrhundert aus persönlicher Sicht Revue passieren und entwickeln dabei eine fesselnde Spannung. Gleichwohl wirkt vieles in der Gesamtschau dann doch auch sehr gerafft, in Albummanier aufgeblättert. Thematische Vertiefungen stoßen an ihre Grenzen und Jane Fonda kann auch jäh selbst humorvoll signalisieren, dass sie mit diesem oder jenem Aspekt ihren Frieden geschlossen hat.  

Die 5 Kapitel, in die der Film unterteilt ist, sind einerseits chronologisch, andererseits als Interpretation von Jane Fondas persönlicher Entwicklung zu verstehen. Lacy verknüpft Fondas Werdegang als Schauspielerin und Aktivistin sehr eng mit ihrem Privatleben, im Bestreben, sie als Mensch mit Brüchen, Verletzungen und großer Kraft sichtbar werden zu lassen. Das erste Kapitel trägt den Namen ihres Vaters Henry Fonda, das zweite, dritte und vierte die Namen ihrer Ex-Ehemänner Roger Vadim, Tom Hayden, Ted Turner. Das fünfte Kapitel erzählt vom Altwerden und vom Alleinsein aus der Warte einer Frau, die sich selbst gefunden hat und all das tut, wozu sie Lust hat. Immer wieder ist im Film die Rede davon, dass sie Männern gefallen wollte, bei Männern Halt suchte – auch in dieser Hinsicht ist die gleichwohl feministisch engagierte Jane Fonda jahrzehntelang eine Frau ihrer Zeit gewesen. Ihre Persönlichkeit erweist sich als so vielfältig und widersprüchlich wie das Leben selbst, das sich nie auf nur ein einziges Image, ein einziges Ziel beschränkt. 

Fondas Kindheit war überschattet von der psychischen Krankheit und dem Selbstmord der Mutter. Jane hing an ihrem Vater, der Schauspielikone Henry Fonda, aber dieser betrog die Mutter mit einer jüngeren Frau und konnte der Tochter seine Zuneigung schlecht zeigen. Jane Fonda lernte bei Lee Strasberg, ihren Schutzpanzer zu lockern und sich der eigenen Verletzlichkeit zu stellen. Eine der bewegendsten Stellen im Film entsteht, wenn Jane Fonda von den Dreharbeiten zu Am goldenen See erzählt, der ihrem Vater Henry 1982, kurz vor seinem Tod, den Oscar einbrachte. Sie hatte den Film initiiert, weil ihr die Rollen eines Vaters und seiner entfremdeten Tochter als die beste Chance erschienen, sich privat mit Henry Fonda zu versöhnen. Dass es schauspielernd und nur so gelang, ist ein frappierendes Beispiel dafür, wie sehr dieser Beruf den ganzen Menschen prägen kann. 

Eine weitere zentrale Erkenntnis dieses Films aber ist, dass Jane Fonda das politische Engagement lange wichtiger war als das Filmemachen und es parallel zu diesem bis heute fortbesteht. Für das Unrecht des Vietnamkriegs wurde sie während ihrer Zeit in Paris durch Simone Signoret sensibilisiert. Sie verschrieb sich dann in den USA lange, ernsthaft und intensiv dem Protest gegen diesen Krieg. Aber dann beging sie aus Unachtsamkeit 1972 den verhängnisvollen Fehler und posierte vor einer Waffe des Feindes, was ihr den Schimpfnamen Hanoi Jane eintrug. Jane Fonda hat sich für diesen Fehler oft entschuldigt, ohne deshalb die Richtigkeit ihres Engagements anzuzweifeln. 

Ihre Leistung, ihr Mut und ihre Kraft als Kämpfernatur scheinen Jane Fonda selbst oft nicht so bewusst gewesen zu sein, wie ihrer Umgebung oder den Fernsehzuschauern. Sie litt an Bulimie, suchte männliche Bestätigung – und brach aus den Beziehungen aus, die sie irgendwann als einschränkend erlebte. So hat sie es geschafft, sich in ständiger Verwandlung selbst treu zu bleiben und innerlich zu wachsen. Dass das Kino keine ähnliche Entwicklung machte, sondern im Vergleich zu den 1970er Jahren viel von seiner Ausdruckskraft und Relevanz verloren hat, ist eine Erkenntnis, die sich bei der Rezeption dieser beeindruckenden Rückschau nebenbei unausgesprochen aufdrängt.

Jane Fonda in Five Acts (2018)

Jane Fonda war, unter anderem, eine Sexbombe aus dem All, eine Schlüsseldarstellerin des New Hollywood, eine Aktivistin gegen den Vietnam-Krieg und die erste (und vielleicht einzige) Königin der Aerobic. Wenige Stars haben so viele Imagewechsel hinter sich wie sie. Oft bedeutete dies, aus dem langen Schatten eines Mannes zu treten: ihres Vaters Henry zum Beispiel. Einen ganz und gar unklassischen Fünfakter, ein Leben im Spiegel der Jahrzehnte hat Regisseurin Susan Lacy mit viel Archivmaterial und zahlreichen Interviews rekonstruiert.

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