Jagoda im Supermarkt

Jagoda im Supermarkt

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Satirisches aus Serbien

Der Gedanke, die kleinen Ärgerlichkeiten und ungerechten Behandlungen, die einem im Alltag so widerfahren, fürchterlich zu rächen, gehört sicherlich zu den häufigsten Tagtraumphantasien, die allerdings meistens rasch wieder verpuffen. In der Satire Jagoda im Supermarkt / Jagoda u Supermarketu hingegen nimmt der zornige Held das äußerst unhöfliche Verhalten seiner Großmutter gegenüber im neuen Supermarkt zum Anlass, den Laden einmal gewaltig aufzumischen. Der serbische Regisseur Dušan Milić, der bereits mehrfach als Drehbuchautor für Emir Kusturica fungierte, der Jagoda im Supermarkt produzierte, legte damit seinen ersten Spielfilm vor, der 2003 als Eröffnungsfilm im Panorama der Berlinale lief und mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde.
Die schüchterne Jagoda (Branka Katić), die sich heftig nach der großen Liebe sehnt, und ihre energische Kollegin Ljubica (Dubravka Mijatović) haben nur ein Thema: Die Suche nach dem richtigen Mann und Strategien, ihn möglichst rasch für sich zu gewinnen. Auch an ihrem Arbeitsplatz an der Kasse im neuen Supermarkt, der geradezu eine Karrikatur des amerikanischen Stils darstellt, halten sie die Augen nach geeigneten Männlichkeiten offen und plaudern ungezwungen über ihre Betrachtungen. Als Ljubica eifersüchtig bemerkt, dass ihr Nachbar Nebosja (Goran Radakovic) in der Schlange an der Kasse offensichtlich Gefallen an Jagoda findet, geht sie in die Offensive und flirtet so heftig mit ihm, dass er die empörte Jagoda darüber vergisst, die daraufhin an diesem Tag ganz entgegen ihrer Gewohnheit in übelster Stimmung ist. Und diese bekommt ausgerechnet eine liebe alte Frau zu spüren, die bei Ladenschluss noch schnell eine Schale Erdbeeren für den Geburtstagskuchen ihres einzigen Enkels kaufen will. Jagoda – der Name bedeutet Erdbeere – bleibt allerdings unerbittlich und wirft die Kundin kurzerhand heraus.

Am nächsten Tag erscheint jener Enkel Marko (Srđan Todorović) scharf bewaffnet im Supermarkt und nimmt das gesamte Personal als Geiseln, um denjenigen zu bestrafen, der seiner geliebten Großmutter diesen Kummer zugefügt hat. Vor dem Geschäft postiert sich inzwischen die Polizei in Gestalt des umschwärmten Nebosja, und es bildet sich eine Menschenmenge in Volksfeststimmung, die das weitere Geschehen lautstark kommentiert. Jagoda begreift sofort, dass sie für diese Aktion verantwortlich ist, und der heldenhafte Marko gefällt ihr zudem auf Anhieb, so dass sie sich zunächst insgeheim auf seine Seite schlägt. Derweil rücken draußen die Spezialeinheiten an, und es herrscht keineswegs eine einheitliche Meinung über das weitere Vorgehen, zumal noch nicht alle Polizeikräfte tatsächlich in den modernen Zeiten der Demokratie angekommen sind. Als Marko beinahe alle Geiseln gehen lässt und mit Jagoda allein ist, kommen sich die beiden in dem Chaos schließlich näher und ganz nah, doch mittlerweile ist es einem Polizisten gelungen, in den Supermarkt einzudringen …

Rasant, überzogen und mitunter auch recht albern gestaltet sich diese serbische Satire, die so manchen Zustand von Politik und Gesellschaft der Lächerlichkeit preisgibt. Der Humor ist durchwachsen und oszilliert zwischen filigranen Anspielungen und derber Holzhammer-Komik, wobei das Ensemble stimmig und engagiert aufspielt. Und am Schluss dringt versöhnlich ein zynisch-sanfter Humanismus durch, der die Botschaft transpotiert, dass eben alle einfach Menschen sind, Geiselnehmer wie Polizisten, die sich ebenso nach Liebe sehnen wie Jagoda.

Jagoda im Supermarkt

Der Gedanke, die kleinen Ärgerlichkeiten und ungerechten Behandlungen, die einem im Alltag so widerfahren, fürchterlich zu rächen, gehört sicherlich zu den häufigsten Tagtraumphantasien, die allerdings meistens rasch wieder verpuffen.
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