Jagdhunde

Jagdhunde

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Tristesse deluxe

Gibt es etwas Tristeres als ein Weihnachtsfest irgendwo in der tiefsten Provinz zu verbringen, mit einem deprimierten Vater, der noch sichtlich mit den Folgen der Trennung von seiner Frau zu kämpfen hat? Erst seit kurzem lebt der 16-jährige Lars (Constantin von Jascheroff) gemeinsam mit seinem Vater Henrik (Josef Hader) auf einem Bauernhof in der Uckermark. Für den Jungen, der mitten in der Pubertät steckt, ist das Leben in der Provinz ganz schön hart, zumal die Neuankömmlinge nicht gerade mit offenen Armen aufgenommen wurden. Henrik, ein äußerlich eher zögerlicher Mensch, trägt sich mit der Idee, eine Scheune in ein Hochzeitshotel zu verwandeln, doch man ahnt, dass dieser Einfall im Projektstadium versanden wird; zu melancholisch und vom Leben gezeichnet wirkt dieser Mann, als dass man ihm zutrauen würde, anderen den schönsten Tag ihres Lebens schön auszugestalten. Außerdem machen die Dorfbewohner schnell klar, wie verloren dieser Landstrich ist, denn: „Hier wird nicht mehr geheiratet“ – das Glück wohnt anderswo. Sein Sohn Lars sieht für sich keine Perspektiven auf dem flachen Land, und so ist die Einladung seiner Mutter, die Weihnachtstage mit ihr in Berlin zu verbringen, herzlich willkommen. Doch daraus wird nichts. Am Bahnhof des kleinen Ortes begegnet Lars der sprachbehinderten Marie (Luise Berndt), die er vor den Nachstellungen zweier Männer bewahrt, wodurch er den letzten Zug nach Berlin verpasst. Als Lars nun auf den Bauernhof zurückkehrt, überrascht er seinen Vater und seine Tante Jana (Judith Enge) in ziemlich eindeutiger Situation. Als wäre die Situation nicht schon schlimm genug, taucht wenig später auch noch Lars’ Mutter Brigitte (Ulrike Krumbiegel) mit ihrem jüngeren Lover Robert (Marek Harloff) auf, so dass die Bescherung nun perfekt ist…
Es scheint ein ungeschriebenes Gesetz zu existieren, das die Rahmenbedingungen für deutsche Debütfilme festlegt: Beinahe immer geht es um Heranwachsende, um auseinanderbrechende Familien, die häufig genug in der Provinz angesiedelt werden, um Sprachlosigkeit und um erstarrte Beziehungen. Auch Ann-Kristin Reyels’ erster Langfilm Jagdhunde bildet hier keine Ausnahme, und wären da nicht eine ganze Reihe von Faktoren, die diesen Film dann doch zu einer außerordentlichen Talentprobe machen, dann müsste man sich ärgern über die stupide Phantasielosigkeit, mit der deutsche Nachwuchsfilme die immer gleichen Themen beackern. Dass Jagdhunde nicht in die "Tristesse deluxe" anderer Debütfilme verfällt, liegt vor allem an Reyels oftmals überraschender Erzählhaltung, die neben nachdenklichen Tönen immer wieder auch in eine leichtere, beinahe heitere Tonart verfällt. Und nebenbei sind es auch die Schauspieler, die diesen sehr eigenen und überraschenden Film ausmachen, allen voran Constantin von Jascheroff, Josef Hader und Ulrike Krumbiegel, die aus diesem kleinen Film ein sehenswertes Kleinod machen.

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Gibt es etwas Tristeres als ein Weihnachtsfest irgendwo in der tiefsten Provinz zu verbringen, mit einem deprimierten Vater, der noch sichtlich mit den Folgen der Trennung von seiner Frau zu kämpfen hat?
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