Jacques Tati Complete Collection (Blu-ray)

Jacques Tati Complete Collection (Blu-ray)

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Kleines Werk, große Filme

Annähernd sieben Millionen Zuschauer haben in Frankreich den ersten langen Spielfilm Tatis Schützenfest / Jour de fête des Pantomimen, Schauspielers und Filmemachers Jacques Tati (1907-1982) in den Kinos gesehen, der im Rahmen der sorgfältig gestalteten, mit zahlreichen interessanten Extras ausgestatteten Edition Jacques Tati Complete Collection von Arthaus gleich in drei unterschiedlichen Fassungen zu sehen ist: In den restaurierten Versionen von 1949 und 1964 sowie in der Farbvariante von 1994, die auch auf Deutsch synchronisiert wurde und eine kurze Einführung zu ihrer Entstehung voranschickt. Mit diesem immens erfolgreichen Film startete die Kinokarriere des großen französischen Komikers, der darüber hinaus noch mit Die Ferien des Monsieur Hulot / Les vacances de Monsieur Hulot (1953), Mein Onkel / Mon oncle (1958), Playtime – Tatis herrliche Zeiten / Playtime (1967) und Trafic – Tati im Stoßverkehr / Trafic (1971) vier weitere Spielfilme realisierte sowie zuletzt den Fernsehfilm Parade (1974).
Ein überschaubares Werk, das 2010 noch durch die britisch-französische Koproduktion Der Illusionist / L’Illusionniste von Sylvain Chomet ergänzt wurde, zu welcher Jacques Tati einst das Originaldrehbuch verfasst hatte. Neben allen sechs Filmen sind in der Edition auch noch einige Kurzfilme enthalten, in denen Jacques Tati als Schauspieler auftritt, so dass sich diese komplette Sammlung über ihren vorwiegend nostalgischen Unterhaltungswert hinaus auch zur ausführlichen, von umfangreichem Hintergrundmaterial gestützten Filmanalyse anbietet. Denn innerhalb des filmischen Universums dieses perfektionistischen Regisseurs gibt es einiges an ansprechender, damals geradezu avantgardistischer Filmkunst zu entdecken, die nicht nur die Entwicklung des französischen Kinos zur Zeit der so bezeichneten Trente Glorieuses nachhaltig und darüber hinaus geprägt hat.

War es zunächst der sympathische, schrullige, hilfsbereite, nicht selten verspottete und bei den Zuschauern äußerst populäre Briefträger François, mit dem sich Jacques Tati in seinem Spielfilmdebüt Tatis Schützenfest seinem Publikum präsentiert, schlüpft er anschließend beginnend mit Die Ferien des Monsieur Hulot in die Rolle des titelgebenden, absonderlichen Herren, die er künftig in seinen Filmen stets beibehalten sollte und die damit eine markante komische, altmodische und unvergessliche Figur im ständigen Kampf mit den Unwegsamkeiten der fortschreitenden Technologisierung und Beschleunigung der Lebensbedingungen darstellte. Einem frischen, irritierten und oftmals lästigen Wind gleich fegt der hoch aufragende, ungelenke Monsieur Hulot als merkwürdiger Einzelgänger über die geschätzten Gewohnheiten und kleinen Schwächen seiner Mitmenschen hinweg, die auf diese Weise eine wohlwollende Überzeichnung ihrer Außenwirkung erfahren. Dabei liegen die humorigen Aspekte dieser alltäglichen Beobachtungen des Verhaltens der menschlichen Spezies angesichts harmloser Abweichungen eher in kleinen Details als in Aufsehen erregenden Aktionen oder Ereignissen. Und es ist der liebevolle Blickwinkel Jacques Tatis, der hier für schmunzelndes Verständnis an Stelle von herablassender Verachtung sorgt.

Versetzt mit durchaus melancholischen Momenten zeugen seine Filme von dem Bemühen, bei aller inhärenten Gesellschaftskritik die schlichte, heitere, Freude und Vergnügen verbreitende Atmosphäre einer Lebenshaltung zu fokussieren, die jenseits der Unzulänglichkeiten sowie des Elends und Leids dieser Welt eine positive Perspektive präsentiert. Auch wenn oder gerade weil Jacques Tatis Laufbahn als Regisseur von einigen Kompromissen, Rückschlägen und Enttäuschungen geprägt war, hat er doch seine Filme selbst nach ihrem Erscheinen immer wieder neu betrachtet und bearbeitet, und es ist nicht zuletzt dieser Hang zur ständigen Optimierung, der die verschiedenen Versionen seiner Filme auszeichnet, die mit dieser Edition eine absolut würdige Erweckung erfahren.

Jacques Tati Complete Collection (Blu-ray)

Annähernd sieben Millionen Zuschauer haben in Frankreich den ersten langen Spielfilm „Tatis Schützenfest“ / „Jour de fête“ des Pantomimen, Schauspielers und Filmemachers Jacques Tati (1907-1982) in den Kinos gesehen, der im Rahmen der sorgfältig gestalteten, mit zahlreichen interessanten Extras ausgestatteten Edition „Jacques Tati Complete Collection“ von Arthaus gleich in drei unterschiedlichen Fassungen zu sehen ist.
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