It's My Party (1996)

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Randal Kleisers „It’s My Party“ aus dem Jahre 1996 verarbeitet den Umgang mit Aids und erzählt hingebungs- sowie humorvoll von Freundschaft und vom Abschiednehmen geliebter Menschen. X

It's My Party (1996)

Eine Filmkritik von Andreas Köhnemann

Cry (if you have to)

Das Indie-Drama „Buddies“ von Arthur J. Bressan Jr. aus dem Jahre 1985 gilt als erster Spielfilm, der das Thema Aids behandelte. Als erste Mainstream-Produktion, die sich dem Sujet widmete, kann „Philadelphia“ (1993) von Jonathan Demme bezeichnet werden. Doch trotz zwei Oscar-Siegen und drei weiteren Nominierungen sorgte Demmes Werk nur bedingt dafür, dass sich das Kino fortan häufiger und intensiver mit der Thematik befasste.

Das 1996 auf dem Sundance Film Festival uraufgeführte und kurz danach auf der Berlinale gezeigte Ensemblestück It’s My Party bewegt sich auf interessante Weise zwischen der Anmutung einer Independent-Perle und dem Glanz Hollywoods. Geschrieben und in Szene gesetzt wurde es von Randal Kleiser, zu dessen bekanntesten Arbeiten das Musical Grease (1978) und die Teenagerromanze Die blaue Lagune (1980) zählen. Jeweils einen Star aus diesen beiden Filmen – Olivia Newton-John und Christopher Atkins – konnte er für It’s My Party gewinnen; und auch die weitere Cast-Liste hält zahlreiche prominente Namen bereit. Von den Oscar-Preisträgerinnen Lee Grant und Marlee Matlin über die Leinwand-Veteranen Roddy McDowall und George Segal bis hin zu damaligen Shootingstars wie der Komikerin Margaret Cho tummelt sich eine äußerst illustre Gästeschar auf der titelgebenden Party.

Im Zentrum der Geschichte steht das Paar Nick (Eric Roberts) und Brandon (Gregory Harrison). Die beiden führen ein glückliches Leben miteinander; Nick ist als Architekt und Künstler tätig, Brandon als Regisseur. Doch als Nick die Diagnose erhält, dass er HIV-positiv ist, zerbricht die Beziehung. Einige Zeit später erkrankt Nick schwer und erfährt, dass er bald sterben wird. Er will sein Leben selbstbestimmt beenden – vorher aber noch eine große (Abschieds-)Party mit seinen Verwandten und seiner Clique feiern. Uneingeladen taucht dort auch Brandon auf.

Das Skript setzt auf schwarzhumorige one-liner, die eine trotzige Einstellung gegenüber der Krankheit und dem Tod verdeutlichen. Kleiser erzählt hier eine ganz persönliche Geschichte; sein eigener Ex-Freund beendete 1992 auf die im Film gezeigte Weise sein Leben. Seine Schauspielführung mutet sehr locker an; viele Momente wirken improvisiert. Zuweilen ist It’s My Party sowohl dramaturgisch als auch inszenatorisch etwas holprig geraten; dennoch ist das Werk nicht zuletzt als Zeitdokument überaus bemerkenswert: Das Drama zeichnet sich weniger durch die Radikalität aus, die das New Queer Cinema Anfang der 1990er Jahre anstrebte, sondern lässt – ähnlich wie die queeren RomComs Drei von ganzem Herzen (1993) und Einsam, zweisam, dreisam (1994) – den Versuch erkennen, im Rahmen des Hollywood-Kinos offener mit Sexualität umzugehen. Kleiser wagt es, durchaus kitschige Bilder zu erzeugen, konfrontiert diese aber auch immer wieder mit Sarkasmus und der harten Lebensrealität seiner Figuren. Themen wie aktive Sterbehilfe wird mit dem nötigen Ernst begegnet.

Schauspielerisch stechen zwei Leistungen hervor. Eric Roberts, dessen wechselvolle Karriere sowohl eine Oscar-Nominierung (für Runaway Train, 1985) als auch die Mitwirkung in etlichen C-Movies erlebte, verkörpert den Hauptpart wunderbar schillernd: Er legt Nick nicht als reinen Sympathieträger an, sondern als mitunter ziemlich anstrengende, extrem herausfordernde Person, die nicht als tragisches Opfer angesehen werden möchte. Beeindruckend ist überdies Devon Gummersall – bekannt als nerdiger Nachbar aus der Coming-of-Age-Serie Willkommen im Leben (1994-1995) – als empathischer Teenager, der die junge queere Generation der 1990er Jahre repräsentiert und noch damit kämpft, wer er ist und was es heißt, sich in seiner Zeit als schwuler Mann zu behaupten.

It's My Party (1996)

Randal Kleisers „It’s My Party“ aus dem Jahre 1996 verarbeitet den Umgang mit Aids und erzählt hingebungs- sowie humorvoll von Freundschaft und vom Abschiednehmen geliebter Menschen.

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