Isn't It Romantic (2019)

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In der Netflix-Produktion „Isn’t It Romantic“ spielt Rebel Wilson eine RomCom-Hasserin, die plötzlich in einer RomCom-Version ihres Lebens erwacht. Ob das zu einem Happy End führen kann?

Isn't It Romantic (2019)

Eine Filmkritik von Andreas Köhnemann

Ein Albtraum in Rosarot

Die RomCom war einst ein Subgenre, das die Kinokassen klingeln ließ: Werke wie „Pretty Woman“ (1990) oder „Schlaflos in Seattle“ (1993) wurden seinerzeit zu riesigen Publikumserfolgen – und die darin gezeigten Klischees über Geschlechterrollen, das Großstadtleben und die konfliktreiche Entstehung einer Liebesbeziehung haben sich bis heute ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. Während es anderen (Sub-)Genres gelungen ist, sich immer wieder neu zu erfinden, ist dies im Bereich der romantischen Komödie nur in Ausnahmefällen geglückt; die RomCom gilt inzwischen als extrem antiquiert und kaum noch leinwandtauglich.

Die Autorinnen Erin Cardillo, Dana Fox und Katie Silberman greifen in ihrem Skript zu Isn’t It Romantic all die Konventionen dieser Boy-meets-Girl-Erzählungen auf – und parodieren sie in einem Fantasy-Plot. Während etliche Parodien, von Scary Movie (2000) über Date Movie (2006) bis hin zu Beilight – Biss zum Abendbrot (2010), daran kranken, dass sie für ihre Vorlagen nur Spott und Häme übrighaben, zählt das Drehbuch des Trios zu den Arbeiten, die eine genaue Kenntnis über das Parodierte und auch eine gewisse (Hass-)Liebe dafür erkennen lassen. Mit Todd Strauss-Schulson wurde zudem ein Regisseur engagiert, der schon mit seiner Horror-Persiflage The Final Girls (2015) bewies, dass er über das nötige inszenatorische Geschick verfügt, um clever mit Darstellungsformeln zu spielen.

Isn’t It Romantic beginnt damit, dass die adoleszente Natalie (Alex Kis) sich voller Verzückung Pretty Woman im Fernsehen ansieht – und von ihrer Mutter (wunderbar: Jennifer Saunders) gleich mal wieder auf den Boden der Realität zurückgeholt wird: Liebe und Romantik? Alles Unsinn! Das Leben sei kein Märchen – und ein Happy End gebe es nicht. Als Erwachsene (nun verkörpert von Rebel Wilson) steckt Natalie in einem Alltag, der tatsächlich nicht allzu märchenhaft anmutet: Ihre Wohnung ist klein und unpraktisch, ihr Hund und ihr kiffender Nachbar Donny (Brandon Scott Jones), der viel Frauenbesuch zu haben scheint, ignorieren sie – und die Straßen von New York sind schmutzig, vermüllt und laut. In ihrem Job in einem Architekturbüro wird Natalie von ihren Kolleg_innen ausgenutzt – und der reiche, attraktive Kunde Blake (Liam Hemsworth) ist ein Snob.

Während sich ihre Assistentin und Freundin Whitney (Betty Gilpin) in den Konsum von RomComs flüchtet, um dem Bürostress zu entfliehen, hat Natalie die Ansichten ihrer Mutter inzwischen übernommen. Nach einem Raubversuch in der U-Bahn-Station wird Natalie jedoch bewusstlos ins Krankenhaus eingeliefert – und erwacht, perfekt geschminkt und frisiert, in einem Parallelkosmos, der alle Klischees einer Liebeskomödie erfüllt: Natalie wohnt in einem absurd luxuriösen Apartment, sie hat mehr Schuhe als Carrie Bradshaw, New York City duftet nach Blumen, Natalies Arbeitsplatz ist ein Paradies (mit Whitney als Schlange – da Frauen am Arbeitsplatz selbstverständlich immer Rivalinnen sein müssen) und Blake himmelt Natalie an, weil es ja so bezaubernd ist, wie sie (ganz plötzlich und absolut grundlos) ständig über ihre eigenen Füße stolpert. Die einzige Person, die unverändert scheint, ist ihr Kollege und bester Freund Josh (Adam Devine), der bereits in der wirklichen Welt in sie verliebt war – was natürlich ebenfalls ein Klischee ist.

Im Grunde wäre Isn’t It Romantic auch ein unterhaltsamer Film, wenn es die Reise in das plüschige RomCom-Universum gar nicht gäbe: Wie sich Rebel Wilson durch ein betont unglamouröses Dasein kämpft und dabei etwas zurückhaltender agiert als etwa in Brautalarm (2011) oder Pitch Perfect (2012), ist sehenswert. Wenn Natalies Kitschwelt-Albtraum einsetzt, droht der Film gelegentlich in eine Nummernrevue abzudriften. Verhindert wird dies allerdings dadurch, dass die Ideen, die das Skript und dessen Umsetzung bieten, doch immer wieder äußerst treffend sind. Dass RomComs sexy sein wollen, aber es nicht zulassen, dass Sex auf der Leinwand dann auch stattfindet, wird ebenso amüsant eingefangen wie die zahllosen visuellen und narrativen Albernheiten des Subgenres – vom plötzlichen Regenfall kurz vor dem Kuss über die schicke Garderobe aller Beteiligten bis hin zur Figur des schwulen besten Freundes, der nur dazu dient, Fashion-Tipps und Ratschläge zu geben.

Cardillo, Fox, Silberman und Strauss-Schulson schaffen es, weder zynisch zu sein, noch ihren ironischen Ansatz im Laufe der Handlung an die Sentimentalität zu verraten. Letztlich erzählt Isn’t It Romantic von der Liebe zu sich selbst, da kein anderer Mensch erforderlich ist, um sich „komplett“ zu fühlen – und dies geschieht ziemlich überzeugend. Gewiss ist dieser Film ein crowd-pleaser (der sogar mit zwei Musical-Nummern aufwartet) – aber er ist kein verlogenes Märchen mit total überholten Mustern. Liebe und Romantik? Vielleicht ein bisschen unsinnig …

Isn't It Romantic (2019)

Die New Yorker Architektin Natalie bemüht sich um Anerkennung in ihrem Beruf, doch nach wie vor muss sie eher Kaffee holen statt den Entwurf für den nächsten Wolkenkratzer zu liefern. Und als wäre all das noch nicht schlimm genug, verwandelt sich ihr Leben plötzlich in eine romantische Komödie, in der sie selbst die weibliche Hauptrolle spielt.

 

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