Inception

Inception

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Das traumhafte Kopfkino des Christopher Nolan

Mit großer Spannung erwartet und einigen Vorschusslorbeeren bedacht, hat sich Christopher Nolans neuer Film Inception in den USA souverän an die Spitze der Kinocharts gesetzt und soll es auch hierzulande gegen die derzeit übermächtigen, aber wenig ambitionierten 3D-Filme richten. Um es kurz zu machen: Inception hat durchaus das Zeug, um es auch in Deutschland auf Platz 1 der Charts zu schaffen – und zwar vor allem deswegen, weil er Mainstream-Action mit einem anspruchsvollen Plot voller Twists, Wendungen und doppelten Böden kombiniert und darüber hinaus noch von einem Thema handelt, das beinahe jeden beschäftigt – es geht um die Macht der Träume und darum, wie es wohl innerhalb unseres Verstandes aussehen mag. Das klingt zwar nicht nach leicht konsumierbarer Kost, ist aber dank Nolans Imaginationsgabe und Kunstfertigkeit brilliant und aufregend zugleichz umgesetzt.
Dom Cobb (Leonardo DiCaprio) ist ein Dieb der besonderen Art. Dank seiner Begabungen versteht er sich darauf, in die Träume anderer Menschen einzudringen und dort deren im Unterbewusstsein verborgene tiefste Geheimnisse zu entwenden. Nun aber bekommt er von dem asiatischen Geschäftsmann Saito (Ken Watanabe) einen ganz besonderen Auftrag: Statt der Extraktion, also dem Diebstahl einer Idee oder eines Geheimnisses, soll er eine Inzeption vornehmen, also einen Gedanken in den Verstand eines anderen Menschen einpflanzen. Dieses Verfahren ist ungleich gefärhlicher als ein Diebstahl und so versammelt Cobb einige Spezialisten um sich, unter anderem den Koordiniator Arthur (Joseph Gordon-Lewitt), die „Architektin“ Ariadne (Ellen Page), damit die Einpflanzung des Gedankens gelingt. Doch der Plan, so minutiös er auch entworfen und durchgeführt wird, birgt enorme Risiken. Und die liegen vor allem in Cobb selbst begründet, dessen eigenes Unterbewusstsein Verdrängtes und Verschwiegenes enthält, das sich immer wieder einmischt.

Christopher Nolan schöpft in seinem neuen Film aus einem reichen Fundus, spielt mit Elementen aus verschiedensten anderen Werken (wie beispielsweise Martin Scorseses letztem Film Shutter Island, in dem Leonardo DiCaprio in einer ganz ähnlich angelegten Rolle zu sehen war, oder diversen Werken aus der James Bond-Reihe und etlichen Heist Movies) und versteht sich doch darauf, aus dieser Vielzahl an Einflüssen und liebevolle Spielereien etwas vollkommen Neues zu erschaffen, das über den gesamten Zeitraum von immerhin 148 Minuten spannend bleibt, fesselt und das vor allem über den Film hinaus für reichlich Hirnfutter sorgt. Und je länger man über Inception nachdenkt, umso mehr erschließt sich einem, wie intelligent hier komplexe Sachverhalte und hochphilosophische Fragestellungen auf einfache Weise verhandelt werden. Wobei man den Film durchaus auch ausschließlich auf der Action-Ebene und als reine Unterhaltung betrachten kann.

Dabei ist Inception durchaus nicht frei von Fehlern und kleinen Unstimmigkeiten, die aber letzten Endes zum einem vor allem Geschmacksfragen sind (zu nennen wäre hier vor allem Leonardo DiCaprio als Hauptdarsteller und Hans Zimmers zum Teil dominanter, aber recht wirkunsgvoller Score) und die in der Gesamtschau ebenso wenig ins Gewicht fallen wie diverse kleine Unstimmigkeiten des Drehbuchs, das sich manchmal dann doch in den vielen Fallen und Doppelbödigkeiten verstrickt.

Am ehesten lässt sich Inception noch mit dem ersten Teil der Matrix-Trilogie vergleichen – und zwar gleich in mehrerlei Hinsicht. Zum einen ist da die recht ähnliche Mischung aus grandios inszenierter Action und philosophischen Überbau, die sowohl Mainstream-Afficionados als auch Arthouse-Adepten gleichermaßen ansprechen dürfte. Zum anderen geht es in beiden Filmen um Welten jenseits der realen und um das Verhältnis von Welt und Vorstellung, um Illusion und Wirklichkeit und die Gefahren, sich darin zu verlieren.

Und zuletzt ist Inception auch ein Film über das Filmemachen selbst – zumindest am Rande. Denn geht es im Kino nicht vor allem darum, Träumen Gestalt zu verleihen und aus dem Phantasiegebilde eines Einzelnen einen kollektiven Traum, ein gemeinschaftliches Erlebnis zu machen, dessen Logik(en) und Wirkungsprinzipien allein dem Willen ihres Schöpfers/Regisseurs unterworfen sind? Beschreiben also die Traumwelten von Inception nicht letzten Endes die Utopie des Kinos als ein Ort, in dem Träume gemeinschaftlich erlebbar werden und an denen man sogar im Gegensatz zum Kino selbst aktiv werden kann? Zugegeben – solch eine neue Form des Kinos wäre verlockend. Doch zugleich macht der Film auch klar, welche großen Gefahren darin lägen. Denn wenn wir uns die Realität so erträumen, so gestalten könnten, wie es uns beliebt, welchen Anreiz gäbe es denn dann noch, in der wirklichen Welt zu leben?

Wenn in dem grandios ambivalenten Schlussbild des Filmes nichts Geringeres als das Happy End des Helden auf dem Spiel steht und wir darüber rätseln, ob das, was wir da sehen, nun Realität oder Traumgespinst ist, dürfte es aller Voraussicht nach so manchen Zuschauer geben, der sich wünscht, dieser Film sei ein Traum – und zwar einer, der noch möglichst lange andauert.

Vielleicht ist Inception doch nicht der ganz große Wurf geworden, auf den man befeuert durch die teilweise euphorischen Kritiken gehofft hatte — ein packender und raffinierter Film mit einer faszinierenden Prämisse ist Christopher Nolan dennoch ohne jeden Zweifel gelungen. Und das ist in Zeiten cineastischen Mittelmaßes schon ziemlich viel.

Inception

Mit großer Spannung erwartet und einigen Vorschusslorbeeren bedacht, hat sich Christopher Nolans neuer Film „Inception“ in den USA souverän an die Spitze der Kinocharts gesetzt und soll es auch hierzulande gegen die derzeit übermächtigen, aber wenig ambitionierten 3D-Filme richten. Um es kurz zu machen: „Inception“ hat durchaus das Zeug, um es auch in Deutschland auf Platz 1 der Charts zu schaffen.
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Meinungen
Max von Tilzer · 31.03.2012

Der Umstand, dass dieser Film derart positive Kritiken erhält, gibt ein erschütterndes Bild von der Anspruchslosigkeit des "Mainstream"-Publikums beiderseits des Atlantik. Die Traumsequenzen sind logisch nicht konsistent und psychologisch schwer nachzuvollziehen. Die Idee mehrere "Traumebenen" (ich träume dass ich träume, daß ich träume") ist an den Haaren herbeigezogen und die Vorstellung kollektiver Träume hat keinen wie mmer gearteten Bezug zur psychologischen Realität.
Die Darstellung innerer Konflikte durch manisch sich wiederholende Szenen von Gewalt, ergibt ein unvorstellbar düsteres Bild der menschlichen Psyche. Die kaleidoskopartige Verschachtelung von Szenen und die kurzen überwiegend harten Schnitte beweisen, wiesehr man sich "bemühen" muss, das durch Reizüberflutung abgestumpfte Publikum "bei der Stange zu halten". Das Schlimmste dabei ist aber, dass fast alle diese Gewalt für die Betroffenen ohne Folgen bleibt, denn in der nächsten Szene treten die gerade eben erst bestialisch ermordeten Figuren wieder frisch gekämmt und in makellosem Makeup auf. Je länger der Film dauert, desto monotoner und ermüdender werden die sich manisch wiederholenden aneinandergereihten Sequenzen ohne ersichtlichen Sinn.
Die Kombination von Gewalt mit Realitätsverlust muss notgedrungen dazu führen, dass seelisch gestörte Jugendliche ohne innere Werte zu Amokläufern werden.

Max von Tilzer

Patrick · 04.12.2010

Einfach nur ein geiler Film, klasse umgesetzt. Regt sehr zum Denken an. :) Hat mich wirklich gefreut.

henno@martin · 27.11.2010

...hast du mal selbst dein eigen ausgestelltes armutszeugnis gelesen? bin fassungslos über soviel müll.

Martin · 20.11.2010

Mein schwager hat mich eingeladen,dachte es wird ein spannender Film.
ABER NEIN ein Film wo man mitdenken muss,,,, ich hab mir mühe gegeben es zu verstehn ,,,gab nach ner stunde auf ,,,danach habe ich gedöst und gehofft das der Fim schnell zu ende ist.

Und auch wenn ich nicht viel davon verstanden habe,die haben zu viel gelabert zu wenig action und noch ein offendes ende,,,,na klasse nicht mal das ende wurde spannend,,,,danke nie wieder solche filme

schade um sein geld,,,,,

Anna · 12.10.2010

Endlich mal wieder ein Blockbuster, über dem man auch nachdenken kann! Hab mich gefreut.

Isabel · 23.09.2010

war sehr überrascht: DI Caprio hat doch endlich einen Film gefunden, der für ihn passt.
wirklich packend spannend bis zum schluss.

Anja · 20.08.2010

"Inception" hat mich genauso mitgerissen wie "Shutter Island" vor kurzer Zeit oder Nolans "Batman"-Verilmungen. Spannend bis zur letzten Sekunde, philosophisch und ein cineastische Augenschmaus wie ich finde. Dafür liebe ich das Kino.
Die Musik in ihrer imposanten Art hat mich an einigen Stelle zu stark an Shutter Island erinnert. An Matrix habe ich während des Schauens auch gedacht (nur musste ich bei Matrix fast in jeder Sequens lachen wegen den illustren im Film geltenden physikalischen Gesetzten etc.. andere Story =) ).
Beide Daumen HOCH für Inception!

Elif · 16.08.2010

...Bildgewaltig. Architekten, Häuser, Gebäude, Fahrstühle, die Höhe, das Wasser, das Fallen, der Verlust von Physikalischen Gesetzen, die Schuld, die Zeit usw... Wunderbar abbildbar in der Zeit von Digitaler Technologie. Der Traum und seine Archaischen Symbole sind das Gerüst für eine Story, in der Kamera, Technik, Animation, und Fantasie auf die Spitze getrieben werden. Tolle Idee! Unverständlich, teils oberflächlich und verwirrend die Figuren und Motive. Mit Sicherheit der Beginn eines neuen Sub-Genres und eine Inspiration. Es wird Nachfolger geben...

Olli · 14.08.2010

Jau, super Film, spannend, intelligent, visuell brilliant. Kann mich der Kritik von daniel in jedem Punkt anschließen. Ich staune, wie es Nolan schafft, scheinbar Unvereinbares so stilsicher zusammen zu mixen. Ich mag Filme, die mich nach dem Kinobesuch noch im positiven Sinne beschäftigen (und nicht ärgern). Inception ist eines dieser doch eher raren Werke.

daniel · 12.08.2010

ich fand es schön, dass im mainstreamkino derart verschachtelte handlungen mit so aufwendiger visueller gestaltung verquickt, platz greifen können und dürfen. das, was mich etwa an matrix so schwer enttäuschte, dass ein solch faszinierender ausgangspunkt, die frage um relevanz von realität, zwar angesponnen aber dann letztlich nicht weitergetrieben und vertieft wird, wurde hier gott sei dank gewagt und auch mit vielerlei referenzen aus allen möglichen disziplinen verziert und in actionkino verpackt. ich finde, dieser film ist, insbesondere im anbetracht der vielen fäden, die hier, denke ich, nicht aus der hand gegeben wurden, eine tolle leistung... für zuschauer gleichzeitig intellektuelle spielwiese und abendliche blockbuster-unterhaltung.

jasmin · 12.08.2010

also ich fand den film echt klasse. auch das "offene" ende ist super . ich würde mir den film sofort nochmal ansehen.
@justus: scheinbar bist du nur zu dumm um den film zu verstehn, weil schwer war das wirklich nicht und lukas hat recht dass durch das mehrschichtige dr film erst faszinierend ist

Lukas · 11.08.2010

@justus Selten eine so "krasse Kacke" als Comment gelesen. Dass Dich der Film überfordert hat, gebont. Aber so etwas als Comment zu verfassen .. na ja. Zugegeben .. der Film ist mehrschichtig und genau darin liegt das Faszinierende. Ich für meinen Teil träume seit dem Film irgendwie anders. :)

Zusammengefasst: Absolute Filmempfehlung.

Nachtrag: Knight and Day sollte was für Dich sein justus.

justus · 05.08.2010

Der Film ist absolut krasse Kacke. Selten so einen langatmig gequirlten Quatsch gesehen. Story ist am Anfang nicht verständlich. Nach 20 Minuten wird die Story klar - danach ist alles überdrehter Müll ohne richtige Spannung. Da lob ich mir Filme wie z.B. Bourne Identity. Na wer Matrix mag, der wird auch mit Inception klar kommen, oder ihn sogar unterhaltsam finden. Hoffentlich bleibt uns eine weitere Folge mit 5 schichtigem Eintauchen ins Unterbewußtsein / Traumwelten erspart. Mit dem Abend hätte man was besseres anfangen können.

Tobi · 04.08.2010

unterhaltsam, durchaus spannend und actionreich und ähnlich wie bei matrix (teil 1) die frage, was ist real(ität). für mich ein gelungener kinoabend.

Boris · 04.08.2010

war skeptisch, doch von minute zu minute wächst der film zu etwas großem und kulminiert in einem genialem finale und ein ende, was dem ganzen noch die krone aufsetzt: wir bleiben im limbus.

henno · 04.08.2010

hat man sich erst einmal auf inception eingelassen, dann fesselt der streifen ungemein. ein meisterwerk? vielleicht. auf jeden fall endlich mal wieder ein film, der noch nach kinoverlassen zu diskussionen anregt und nicht wie so viele andere sofort aus dem gehirn gelöscht ist (wie das unsägliche avatar).

Kunstdirektor · 03.08.2010

Doch eher spannungsarm und die Musiksoße nervt. Doch Popcornesserkintopp.

Sabrina · 03.08.2010

GENIALER FILM !!!! Absolut stimmig - vielschichtig, intelligent und super spannend. Danzu noch Bild- und Tongewaltig. Schauspielerisch super besetzt. Leonardo DiCaprio in Bestform - und ich meine nicht die "Schmuse-Schiene" - eher wie in Shutter Island. Prädikat: ABSOLUT SEHENSWERT! Einer der wenigen Filme bei denen sie das Eintrittsgeld wirklich lohnt.

Gast · 01.08.2010

Meiner Meinung nach ist der Film durchaus der ganz große Wurf. Er ist das Intelligenteste und mit auch Spannendste (nicht im Sinne von: Wie geht´s aus, sondern was kommt nun Unerwartetes?), was seit langem im Kino lief. Von Doppelbödigkeit und Unstimmigkeiten kann wirklich nicht die Rede sein. Es geht hier um das grandiose Wechselspiel von Realität und Traum, manchmal sogar im Wechsel der Szenen... um den Traum im Traum. Eine richtig gute Story. Klasse!

Man kann sich völlig auf den Film einlassen, es kommen einem verschiedene Muster aus eigenen Träumen nur zu bekannt vor. Wenn man sich einlässt, stellt sich immer wieder die Frage, in welchem der Traum-Ebenen man sich gerade befindet. Der Film ist spannend bis zum Schluss und lässt einen zurück mit der Frage: Alles nur geträumt?

Einfach genial.

Kommentare

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