In Fear

In Fear

Eine Filmkritik von Janosch Leuffen

Blutiger Ausflug in den (Schilder-)Wald

Wenn ein Regisseur für sein Kinodebüt das Horrorgenre wählt und sich zudem einer Thematik annimmt, die in unzähligen Produktionen dieser Art bereits abgegrast wurde, kommen Fragen auf. Sind die letzten Jahrzehnte spurlos an dem Filmemacher vorübergegangen und hat er nicht mitbekommen, dass der Bereich „Allein im Wald und gejagt“ schon mehr als ausgelutscht ist? Oder wieso sucht er sich ausgerechnet genau dieses Gebiet für seinen cineastischen Erstling aus? Fragen, die Jeremy Lovering mit einem kleinen, fiesen Werk beantwortet.
Die Geschichte handelt von Lucy (Alice Englert) und Tom (Iain De Caestecker), die zusammen auf ein Festival fahren wollen. Obwohl sich beide erst seit wenigen Tagen kennen, überrascht Tom Lucy mit der Buchung eines Hotels für eine Nacht. Zunächst skeptisch willigt Lucy ein, in die abgelegene Herberge mitzukommen. Doch die Ausschilderung im Wald lässt zu wünschen übrig und das frischverliebte Pärchen passiert immer wieder dieselben Stellen. Und dann taucht plötzlich der blutende Max (Allen Leech) auf, der die gleichen Probleme zu haben scheint.

Ein Paar allein im Wald. Nachts. Kein Ausweg in Sicht. Nach dem Lesen der Inhaltsangabe dürfte für viele der Drops bereits gelutscht sein. Doch wer genauer hinsieht und Loverings Beitrag eine Chance gibt, wird vielleicht sogar positiv überrascht. Denn der Debütant scheint die gängigen Klischees des Genres zu kennen und nutzt sie in einer unheilvollen Atmosphäre weitgehend, um mit ihnen zu spielen.

Zunächst, und hier verbucht der Film bereits die ersten Sympathien, folgen wir keiner Partymeute von pubertierenden Teenies, die sich für ein paar Tage in ein entlegenes Domizil fernab jeglicher Zivilisation verabschieden. Sondern einem Pärchen, das sich vor zwei Wochen erst kennengelernt hat. Dementsprechend unsicher sind beide im Umgang mit dem jeweils anderen. Und desto angespannter wird die Situation im weiteren Handlungsverlauf. Viel haben sich Lucy und Tom zumindest nicht zu sagen und wenn doch, suchen sie nach einem Ausweg aus der Misere.

Die beiden Hauptdarsteller nutzen das Szenario, um die zunehmende Verzweiflung und Dramatik voll auszuspielen und verzichten noch dazu auf wildes Rumgekeife oder Geschrei. Dabei hilft ihnen das Drehbuch, das auf typische Standard-Zutaten wie einen (direkt) leeren Tank und Signalschwäche am Handy verzichtet. Spätestens, wenn unsere Frischverliebten zum dritten Mal an der gleichen Stelle vorbeifahren und die Wegbeschilderung sich selbst widerspricht, hat Lovering seine Aufgabe erfüllt und einem vermeintlichen Backwood-Slasher eine glaubwürdige Note verpasst, angereichert mit durchaus unerwarteten Finten und einem kraftvollen Score.

Schade, dass er dieses Prozedere nicht bis zum Schlussakt durchhält. Denn irgendwann taucht eine dritte, blutende Person auf, die um Hilfe bittet und dem geschulten Zuschauer wird sofort klar, dass der nette Kerl besser nicht auf der Rückbank Platz genommen hätte. Wenngleich Lovering bemüht ist, eine plausible Erklärung für das plötzliche Erscheinen des jungen Mannes abzuliefern und schließlich sogar die Moral der Opfer in Frage stellt, lässt einen das Ende unbefriedigt zurück. Es mag sich nicht zur stimmungsvollen Hatz im (Schilder-)Wald fügen.

In Fear ist ein gelungenes Debüt, das einem totgedrehten Subgenre tatsächlich noch einmal etwas frischen Wind einhaucht. Dank zwei toller Protagonisten und einem ansprechenden Skript baut der Kinoerstling von Fernsehregisseur Jeremy Lovering Spannung auf, der das Finale leider nicht gerecht wird.

In Fear

Wenn ein Regisseur für sein Kinodebüt das Horrorgenre wählt und sich zudem einer Thematik annimmt, die in unzähligen Produktionen dieser Art bereits abgegrast wurde, kommen Fragen auf. Sind die letzten Jahrzehnte spurlos an dem Filmemacher vorübergegangen und hat er nicht mitbekommen, dass der Bereich „Allein im Wald und gejagt“ schon mehr als ausgelutscht ist? Oder wieso sucht er sich ausgerechnet genau dieses Gebiet für seinen cineastischen Erstling aus?
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