In die Wildnis

In die Wildnis

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Rousseau, Thoreau, Penn

Ein junger Mann auf der Suche nach sich selbst: Christopher McCandless (Emile Hirsch) ist gerade mal Anfang Zwanzig, ein intelligenter Typ aus bestem Elternhaus, der gerade seinen College-Abschluss mit Auszeichnung gemacht hat und dem nun die Welt offen steht. Seine Eltern (William Hurt, Marica Gay Harden) und seine jüngere Schwester Carine (Jena Malone) sind überglücklich. Doch statt nun weiter auf dem scheinbar vorgezeichneten Karrierepfad voranzuschreiten und in Harvard Jura zu studieren, bricht Christopher unvermittelt aus, verschenkt seine gesamten Ersparnisse, vernichtet seine Kreditkarten und seinen Sozialversicherungsausweis und macht sich auf eine Reise, ohne irgendjemandem über sein Vorhaben Bescheid zu sagen. Er verliert seinen Wagen, ändert seinen Namen in Alexander Supertramp und zieht fortan per Autostopp durch die Vereinigten Staaten.
Scheinbar ziellos streift Alexander nun umher, trifft Menschen –zumeist Aussteiger wie er selbst – doch lange bleiben mag er an keinem Ort mehr. Der Ruf der Wildnis und des Abenteuers treiben ihn immer weiter. Bis der Aussteiger schließlich seine letzte Nachricht an seinen neu gewonnenen Freund, den Farmer Wayne (Vince Vaughn) schreibt und anschließend in die Wildnis Alaskas eintaucht – eine Reise, von der es kein Zurück mehr gibt…

Die Referenzpunkte von Sean Penns Film nach dem Bestseller-Roman von Jon Krakauer, der wiederum auf einer wahren Geschichte basiert, sind vielfältig – sie reichen von Jean-Jacques Rousseau, Henry David Thoreau und Jack London über Jack Kerouacs Beatnik-Bibel On the Road bis hin zu Filmen wie Easy Rider, die allesamt den Mythos der Freiheit, der Wildnis und des Abenteuers feiern. Auch Jahrzehnte nach dem Ende der Hippie-Bewegung übt der Drang nach einem freien und selbstbestimmten Leben in Einklang mit der Natur und ohne die Bande der Zivilisation eine große Faszination auf Menschen aus. Sean Penn, dessen Filme sich von Beginn seiner Regiekarriere an nie um die Themen, Genres und Erzählmuster Hollywoods scherten, rekapituliert in In die Wildnis / Into the Wild einen uramerikanischen Traum und er zeigt – ähnlich wie Easy Rider – auch die Zwangsläufigkeit des Scheiterns. Wobei allerdings Alexander weniger an der Verrohung seiner Mitmenschen als vielmehr an sich selbst scheitert - das macht Penn deutlich. Vielleicht ist es aber auch die Freiheit selbst, die in unserem reglementierten Leben zwangsläufig nur in den Tod münden kann - weil der Gegensatz anders nicht auszuhalten wäre. Bemerkenswert – nein, wunderschön – ist vor allem die Art und Weise, wie Penn das zeigt – mit elegischen Landschaftsbildern von erhabener Größe, der wundervoll traurigen Musik von Eddie Vedder (Pearl Jam) und einem begleitenden Off-Kommentar, der im Zusammenspiel mit der Natur unweigerlich an Terence Malick, den Naturphilosophen unter den Regisseuren denken lässt. All dies und die phänomenale Präsenz von Emile Hirsch machen aus diesem Aussteigermärchen einen beinahe schon transzendentalen Trip, der lange haften bleibt und der mehr zum Nachdenken über das Leben anregt als mancher pädagogisch wohlmeinende, aber entsetzlich konventionelle Schinken.

In die Wildnis

Ein junger Mann auf der Suche nach sich selbst: Christopher McCandless (Emile Hirsch) ist gerade mal Anfang Zwanzig, ein intelligenter Typ aus bestem Elternhaus, der gerade seinen College-Abschluss mit Auszeichnung gemacht hat und dem nun die Welt offen steht.
  • Trailer
  • Bilder
Meinungen
annika · 18.05.2008

ein toller film!

car · 25.04.2008

Stimme Tobias voll und ganz zu. Einerseits zieht der Film auf eine unglaubliche Weise in seinen Bann, bringt den Zuschauer aber gleichzeitig auf direktestem Wege in die Tiefen seines Bewusstseins und zu der Frage:"Was ist mein Leben in diesem Zeitpunkt wert? Ist es das, was ich möchte?" Eine erstaunliche Abhandlung über die Freiheit, trotz traumhafter Bilder mit trauriger Ernüchterung und tiefstschmerzender Erkenntnis.
Der Film hinterlässt ein gewisses Schuldgefühl, das einem die Sprache raubt und für das man dem Film dennoch auf Ewig dankbar ist.

Bodhi · 28.03.2008

Ich bin noch etwas zwiegespalten über den Film. Ich denke einfach dass man bestimmte Bücher nicht zu verfilmen versuchen sollte. Ja, und dieses wunderbare Buch von Jon Krakauer gehört dazu. Das ist meine Meinung.

gret · 10.03.2008

einerder wenigen filme, die einen nicht dort lassen, wo man vor dem kinobesuch war.
Super interpretation von Krakauers bericht (ist sicher nicht einfach, die auktoriale sicht in eine ichperspektive zu wandeln), der schon vor zwei jahren meine "urlaubspläne" durcheinanderbrachte.

Olaf Schröder · 07.03.2008

Es gab so viele interesante Filme in die wir auch hätten gehen können. Leider war es dieser. Nicht nur lang (Überlänge) sondern zudem noch langweilig.
Ein Aussteiger der amerikanischen Mittelschicht entflieht den Konventionen in die Wildnis. Als er zurück will, kommt er nicht wieder über den Fluss, isst aus Versehen giftige Beeren und stirt dann langsam zu Tode.
Eine wahre Geschichte, gedehnt erzählt.

Tobias · 15.02.2008

Was für ein Film!
Ein Diamant, dessen Wert die Masse als Glas klassifizieren wird. Grandios erzählt mit einer Tiefe und Weisheit, die mir lange zu denken gab und die Frage in mir aufkommen ließ "Wo stehe ich denn Momentan und bin ich damit im Frieden?".
Für alle die nicht selbstzufrieden und satt dem Konsum frönen.

Julia · 15.02.2008

Der Film hat mich zu tiefst bewegt. Und das passiert nicht oft, mehr brauch ich nicht sagen. TOP

Nemesis · 05.02.2008

Toskana-Fraktionär ist ein Begriff aus der Kulturpolitik - guck mal auf wikipedia ......dort wird es denk ich sicherlich tiefer erklärt - hier sprengt es den Rahmen

· 03.02.2008

Berührend und nachhaltig beeindruckend

jojo · 01.02.2008

was sind toskana-fraktionäre^^

Evan M. · 01.02.2008

Wer die Filme von Sean Penn (als Regisseur) gesehen hat, der wird wissen, das keines seiner Werke einem anderen gelicht. Was sich aus meiner Sicht sagen lässt ist sicher: "Into the Wild" ist sein bester Film. Für Emile Hirsch als Hauptdarsteller kann ich dasselbe sagen. Eine ehrliche, ausdrucksstarke und nachvollziehbare Erzählung und Darstellung. Schöne Bilder, grandioser Soundtrack von Eddie Vedder(Golden Globe-Gewinner). Auch wenn Preise der kleinste Teil der Anerkennung sind, ist es schade, dass die Academy-Awards diesen Film in der Rubrik "Beste Regie" sowie "Bester Hauptdarsteller" übergangen haben. Ich halte die Daumen für Hal Holbrook und den Cutter.

Nemesis · 30.01.2008

Bewegend - Wunderschön - Anregegend................aber vor allem EHRLICH und PUR .........zwei Tugenden die uns Toskana-Fraktionäre ;-) im Alltag einfach nicht mehr zu begegnen scheinen........

Kommentare

Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.

Weitere Filme von

Sean Penn