In Darkness - Eine wahre Geschichte

In Darkness - Eine wahre Geschichte

Eine Filmkritik von Lida Bach

Die im Dunklen sieht man nicht

Leopold Socha lächelt. Lächelt, als ihm Ignacy Chiger (Herbert Knaup) einen Handel unterbreitet, lächelt als sein alter Freund Bortnik sagt, die Deutschen seien das Beste, was den Ukrainern je passiert ist: "Und euch Pollacken auch." Der ukrainische Offizier ist ein militärischer Karrierist, und der stämmige Kanalarbeiter (Robert Wieckiewcz) will es ihm gleich tun. Mit lumpigen Diebstählen in den umliegenden Herrschaftshäusern hat er seine Frau Wanda (Kinga Preis) und die kleine Tochter bisher durchgebracht. Nun eröffnet sich ihm ein lukrativerer Verdienst. Das Jahr ist 1943, Polen ist besetzt und Lvov nur irgendein Ort. Dort findet Agnieszka Holland die wahre Geschichte, deren Unbekanntheit der vieldeutige Titel umschreibt: In Darkness.
Die SS-Soldaten suchen nach versteckten Juden in der Kanalisation. "Die Kanäle", sagt Socha, "kenne ich besser als meine eigene Frau." Das Band zwischen dem Ehepaar wird zum Zerreißen gespannt und dabei enger geknüpft durch Sochas Taten im Untergrund. "Hast du gehört? Vom Ghetto soll nichts mehr übrig sein", bemerkt Wanda. Socha hat es gehört, von Chiger, dessen Frau (Maria Schrader), Mundek (Benno Fürmann) und den anderen Juden, denen er in die Kanalisation entkommen hilft und die ohne ihn dort verrecken würden. Verrecken, das ist der Tod inmitten von Moder, Gestank und Ratten. In den Dreckwassern treiben Leichen und nur ein wenig Erde trennt die zusammengepferchten Menschen von dem gleichen Schicksal.

"Das Jahr 2009 hat wieder eine Reihe neuer Holocaust-Geschichten in Büchern und Filmen hervorgebracht", sagt die Regisseurin. Als Stoff für Adaptionen der Holocaust Trend, den Filme wie Sarahs Schlüssel und Die verlorene Zeit fortsetzen. Die wichtigsten Fragen seien dennoch nicht oder nur unzureichend beantwortet: "Wo war der Mensch in dieser Krise? Und wo war Gott?" Die Erwiderungen, die In Darkness in Worten und Bildern dem Zuschauer entgegenhält, spiegeln einander in rauer Direktheit. "Gott ist nicht da", ruft ein Ghettobewohner in den Abwasser-Katakomben. Der Menschen ist der Feind, der an der Oberfläche mordet und wütet.

In einer gespenstischen Szenen zu Beginn treiben SS-Soldaten durch ein Waldstück nackte Frauen, deren blasse Körper zwischen dunklen Bäumen geisterhaften Schrecken einflößen. Das spezifische historische Grauen eines Krieges ersetzt das universale Grauen schierer Bestialität. Seinem Titel wird In Darkness kongenial gerecht. Hollands tief beunruhigendes und berührendes Drama ist ein kalter Film. Nass, schmutzig und düster wie sein Schauplatz, unterirdisch und oberirdisch. Die Handlung zieht sich an keinen heimeligen Schutzort zurück, sondern kauert in der erstickenden Finsternis, die das Kameraauge niemals durchdringt. Der Abstieg in die Tiefe spiegelt den in der Stadt fortschreitenden humanen Abstieg, der an keinem der Protagonisten spurlos vorüber geht.

Kein Edelmut motiviert Socha. Seine Gründe sind simpler: Die Deutschen zahlen gut, die Juden zahlen besser. Die kleine Tochter hustet immerzu. Sie brauche frisches Obst, sagt Wanda. Obst ist teuer; noch höher aber ist der Preis, den seine Familie zahlen muss, wenn sein Handeln herauskommt. Er ist kein Depp, der was umsonst macht, erklärt er rüde. Er nimmt Chigers Geld, solange bis er es ihm aus eigener Tasche in die Hand drücken muss, damit Chiger ihn vor den anderen bezahlen kann. Rechtschaffenheit begreift das Kriegsdrama als unsicheres Konstrukt, das sich in Extremsituationen beinahe hämisch entzieht. Als Rache für Sochas Totschlag eines Soldaten werden zehn Unschuldige gehängt. Zehn, so viele, wie Chiger aus den der Deportation entkommenen Ghettobewohnern auswählt.

Stets wägt der schroffe Hauptcharakter sein Handeln aufs Neue ab, bei jeder Verdächtigung, die in ihrer ganzen schonungslosen Unerträglichkeit dargestellten Lage die Figuren beschleicht, bei jedem Zwischenfall. Er ist kein Held und kein Heiliger, sondern ein Mensch. In Zeiten, in denen die Unmenschlichkeit regiert, ist dies unendlich viel.

In Darkness - Eine wahre Geschichte

Leopold Socha lächelt. Lächelt, als ihm Ignacy Chiger (Herbert Knaup) einen Handel unterbreitet, lächelt als sein alter Freund Bortnik sagt, die Deutschen seien das Beste, was den Ukrainern je passiert ist: "Und euch Pollacken auch." Der ukrainische Offizier ist ein militärischer Karrierist, und der stämmige Kanalarbeiter (Robert Wieckiewcz) will es ihm gleich tun.
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Meinungen
Matthias · 09.02.2012

Ist es wahr? Dieser Film wird in einer deutschen Synchronfassung gezeigt??? Dabei ist das Original in polnisch, ukrainisch, jiddisch und deutsch gedreht worden! Wie kann man ein Kunstwerk so plattwalzen?!?!

Kommentare

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Titel
In Darkness - Eine wahre Geschichte
Die im Dunklen sieht man nicht
Startdatum
FSK
12
Genre

Daten und Fakten

Filmlänge
144 Min
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