Im Auge des Sturms

Im Auge des Sturms

Eine Filmkritik von Peter Osteried

Eine Literaturverfilmung, wie sie sein sollte

Basierend auf dem Roman von Patrick White, ist Fred Schepisis Im Auge des Sturms eine australische Produktion, wie man sie so wahrlich nicht häufig zu Gesicht bekommt. Ein exzellent gestalteter, intelligenter, mit sprachlichem Witz versehener Film, der es versteht, eine eigene kulturelle Identität aufzubauen. Schade nur, dass man solche Filme nur selten im Kino bewundern darf.
Die alte Elizabeth Hunter (Charlotte Rampling) kontrolliert ihr Umfeld, ihre Bediensteten, sogar ihre Kinder. Nun möchte sie auch ihr Sterben kontrollieren. Ein fester Zeitpunkt wird festgelegt. Ihre Kinder, der berühmte, aber mehr oder minder mittellose Schauspieler Sir Basil (Geoffrey Rush) und die nicht minder mittellose Adelige Dorothy (Judy Davis) machen sich auf nach Australien, um am Sterbebett der Mutter sein zu können. Interessiert sind sie aber ohnehin nur am Erbe der Frau, das es ihnen ermöglicht, Australien ein für allemal den Rücken kehren zu können. Aber das Erbe einzustreichen, erweist sich als schwieriger als gedacht. Denn die resolute, alte Dame versteht es immer noch, ihren Nachkommen das Gefühl zu geben, in der Pubertät stecken geblieben zu sein.

Die Arbeiten des mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichneten White wurden ein paarmal verfilmt, die dabei entstandenen Werke sind jedoch nur ein fahles Abbild. Selbst der erste, nach eigenem Drehbuch entstandene Film lässt White-Puristen erschauern. Umso herausfordernder war es für Schepisi, sich an dieser Roman-Adaption zu versuchen. Aber er hatte Glück: Der theatralische Stil des Autors wurde von Judy Morris mit viel Esprit und Flair in ein anderes Medium transportiert.

Im Auge des Sturms ist großes Schauspielkino, so elegant gestrickt, dass auch die Rückblicke nicht wie ein störender Fremdkörper erscheinen, sondern zum essenziellen Bestandteil der Geschichte werden. Sie zum Teil des Erzählflusses zu machen, war auch die Herausforderung für Judy Morris, die Whites vielschichtigem Roman gerecht geworden ist. Die klare, an klassisches Kino der 40er Jahre erinnernde Inszenierung von Schepisi ist makellos. Er treibt seine Mimen zu Höchstleistungen an und präsentiert einen Film, dessen Geschichte alles andere als leicht ist. En passant lässt sich Im Auge des Sturms nicht sehen. Er fordert schon die Aufmerksamkeit und Konzentration des Rezipienten, belohnt ihn dafür jedoch mit einer bleibenden, filmischen Erfahrung.

Im Auge des Sturms

Basierend auf dem Roman von Patrick White, ist Fred Schepisis „Im Auge des Sturms“ eine australische Produktion, wie man sie so wahrlich nicht häufig zu Gesicht bekommt. Ein exzellent gestalteter, intelligenter, mit sprachlichem Witz versehener Film, der es versteht, eine eigene kulturelle Identität aufzubauen. Schade nur, dass man solche Filme nur selten im Kino bewundern darf.
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