Idlewild

Idlewild

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

A HipHop Opera

Die vielfältigen Verbindungen von Jazz und HipHop sind wohlbekannt und werden seit langem schon immer wieder aufs Neue musikalisch verarbeitet und zelebriert. Relativ neu ist diese Verbindung allerdings im Kino, und so betritt Idlewild von Bryan Barber mit den beiden Rappern der Südstaaten-Crew von Outkast durchaus Neuland, wenngleich angesichts des mangelnden schauspielerischen Talents so mancher Singstars Skepsis angebracht ist. Um es gleich vorwegzunehmen: André 3000 und Big Boi machen ihre Sache gut und sind nicht das Problem in diesem Film, dessen Detail- und Ideenreichtum sowie ungebremste Musikalität weitaus mehr fasziniert als die überaus dünne und vorhersehbare Story, die leider allzu ausgetretene Pfade beschreitet.
Zur Geschichte: Idlewild ist ein Südstaaten-Kaff in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, es ist die Zeit des Prohibition und des Alkoholschmuggels. Percival (André Benjamin aka André 3000) und Rooster (Big Boi) sind bereits seit Kindesbeinen Freunde, und das obwohl sie vollkommen unterschiedlich aufwachsen. Rooster ist bereits im zarten Knabenalter ein Gangster im Miniformat, er unterstützt seinen Vater beim ebenso lukrativen wie gefährlichen Alkoholschmuggel und erleichtert seine Spielkameraden beim Glücksspiel um ihr Taschengeld – ein echtes Früchten also. Percival hingegen hat einen äußerst strengen und gottesfürchtigen Vater, der seine Brötchen als Bestattungsunternehmer verdient. Was die beiden Jungs verbindet, ist ihre Liebe zur Musik, die alle Unterschiede mühelos überwindet.

Jahre später hat es der großmäulige Weiberheld Rooster zum Manager im Nachtclub von Shunshine Ace (Faizon Love) gebracht, während Percival immer noch im Unternehmen seines Vaters arbeitet und nur nachts heimlich auf dem Dachboden komponiert. Dank Roosters Intervention darf Perci wenigstens ab und zu in die Tasten des Pianos hauen, doch dann eskaliert ein Bandenkrieg um die Vorherrschaft über die Vergnügungsstätten von Idlewild: Ace und dessen Geschäftspartner Spats (Ving Rhames) werden vom skrupellosen Trumpy (Terrence Howard) erschossen und Rooster übernimmt den Nachtclub. Bald schon beginnt Trumpy, die Preise für Alkohol und „Schutzdienstleistungen“ gewaltig hochzuschrauben. Außerdem ist da noch die umjubelte Chanteuse Angel Davenport (Paula Patton), die vor allem Percivals Leben gehörig durcheinander wirbelt und ihn dazu bringt, seine Träume von einer Karriere als Musiker endlich in die Tat umzusetzen…

Keine Frage: Die Musik zum Film, die stilsichere Inszenierung und hübsche Regieeinfälle wie animierte, übers Papier springende und tanzende Noten geben Idlewild manche gelungenen Szenen und einen angenehmen Look, die mitreißt und manchmal richtig Spaß macht. Bleibt ein großes Manko, das leider viele gute Ansätze überlagert: Die Story von Idlewild ist eher eine der schwache und vorhersehbaren Sorte, zumal die beiden miteinander verwobenen Handlungsstränge – Roosters Auseinandersetzung mit den Gangstern einerseits und Percivals Entwicklung vom Vollblutmusiker andererseits – selten so prächtig harmonieren wie André 3000 und Big Boi auf der Bühne oder im Studio. So sind es vor allem die sorgsam inszenierten Musicalnummern, die punktgenau und mit großer Lust am Zitat stimmungsvoll die Atmosphäre der zwanziger und dreißiger Jahre auferstehen lassen, inklusive diverser Anleihen bei Stil prägenden Größen wie Busby Berkeley oder bei Filmen wie Cotton Club. Ein gigantischer Videoclip mit jeder Menge spektakulärer Schauwerte, der als Film mit einer stringenten Geschichte aber nicht überzeugen kann.

Idlewild

Die vielfältigen Verbindungen von Jazz und HipHop sind wohlbekannt und werden seit langem schon immer wieder aufs Neue musikalisch verarbeitet und zelebriert.
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Meinungen
Gören ,,DÖDI" Srednicki · 29.03.2007

ein wahnsinns film voller witz und charme als auch rücksichtslosen umgang der gangster

Kommentare

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