Ich habe den englischen König bedient

Ich habe den englischen König bedient

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Kleiner Mann, ganz groß!

Es beginnt mit einer Aufblende in bester Stummfilmmanier und endet mit einer Abblende: Zwischen diesen beiden Punkten hat der tschechische Regisseur Jiří Menzel ein Leben gepackt, wie es mitreißender, augenzwinkernder und unterhaltsamer nicht sein könnte. Seine Adaption Ich habe den englischen König bedient / Obsluhoval jsem angelického krále des gleichnamigen Schelmenromans von Bohumil Hrabal (1914-1997) ist nicht nur der teuerste tschechische Film aller Zeiten, sondern auch ein rasanter Spurt durch die wechselhafte Geschichte des Landes voller Ironie und Hintersinnigkeit.
Der Film erzählt die Geschichte des buchstäblich kleinen Kellners Jan Dite (Ivan Barnev), der mit viel Witz, einer gehörigen Portion Raffinesse seinen Weg vom Würstchenverkäufer zum Hotelier und Millionär schafft. Unterwegs verdient sich Jan, ein Nachfolger des braven Soldaten Schwejk und viel mehr noch des Hochstaplers Felix Krull, per Zufall und nur dank seiner geringen Körpergröße den Orden des äthiopischen Kaisers, verliebt sich ausgerechnet in eine sudetendeutsche Frau (Julia Jentsch), die sich als waschechte Hitler-Verehrerin herausstellt und darf in einem Lebensborn-Heim als einziger den arischen Frauen beim Nacktbaden zusehen – er ist eben ein echter Hans im Glück. Am Schluss wähnt er sich am Ziel seines Lebenstraumes angekommen, doch das Glück ist ein launisches Geschöpf, so dass Jan feststellen muss: „Wie gewonnen, so zerronnen“.

Ich habe den englischen König bedient / Obsluhoval jsem angelického krále ist ein ganz wundervoller, auf charmante Weise altmodischer Film, voller verrückter Einfälle und Spielereien, heiter und besinnlich, traurig und albern, philosophisch und dann beinahe wieder banal. Geradezu meisterhaft versteht es Jiří Menzel, mit viel Freude am ausgelassenen Spiel das Schicksal seines Landes und seines kindlich-naiven Protagonisten (Jan Díte ist nicht nur klein von Gestalt, zudem bedeutet sein Name im Tschechischen auch noch "Kind") Revue passieren zu lassen – und zwar aus der Perspektive des alten Jan (Oldřich Kaiser), dessen Leben aller Leichtigkeit zum Trotz dann doch in sanfter, aber niemals resignierender Melancholie endet. Denn wir wissen mit Jan Dite am Ende des Films, dass sein Leben gut war.

Zugleich – und hierin zeigt sich die wahre Größe dieses Films – schildert dieser nicht nur mit viel Verve das Schicksal seines Helden, sondern lässt hinter und in dieser Figur auch noch die Weltgeschichte durchscheinen und beschreibt diese auf unglaublich originelle Weise. Mit großer Leichtigkeit, die meilenweit von der erdenschwere oder verkrampft-lustigen Bemühtheit entfernt ist, einen anderen Erzählton in die Aufarbeitung der eigenen Geschichte zu bringen, spart Menzel die dunklen Epochen des tschechischen Geschichte nicht aus und zeigt, wie einfach manchmal die Darstellung der Schrecken der Vergangenheit sein kann: Als die Nazis den behinderten Besitzer des Hotels mitsamt seinem Sessel auf einen LKW verladen, ist dies eine Beschreibung der Euthanasie-Politik der Nationalsozialisten, wie sie verblüffender und einfacher nicht sein könnte. Und Szenen wie diese, in denen die ganze Tragik und die Komik der Zeit in einem einzigen Bild zusammenfließen, sie finden sich zuhauf in diesem Film. Sie machen Ich habe den englischen König bedient / Obsluhoval jsem angelického krále zu einer konsequenten Weiterführung und Verfeinerung der Verfahren, der sich Roberto Benigni in seinem Film Das Leben ist schön / La vita è bella bedient – und das alles ohne die Überdrehtheiten Benignis.

Jiří Menzels 26. Film als Regisseur ist ein wahres Kleinod des an Schätzen und Entdeckungen nicht gerade armen tschechischen Kinos und ein Musterbeispiel dafür, dass sich intelligente Unterhaltung, vergnügliche Geschichtsstunde und die gelungene Verfilmung eines Klassikers der Literatur nicht zwangsläufig ausschließen müssen.

Ich habe den englischen König bedient

Es beginnt mit einer Aufblende in bester Stummfilmmanier und endet mit einer Abblende: Zwischen diesen beiden Punkten hat der tschechische Regisseur Jiří Menzel ein Leben gepackt, wie es mitreißender, augenzwinkernder und unterhaltsamer nicht sein könnte.
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Meinungen
· 14.10.2008

Ein kleines Meisterwerk!!!

· 05.10.2008

Klasse Film! Die Geschichte ist witzig erzählt, ohne dass der sehr ernste Hintergrund abgemindert oder lächerlich gemacht wird. Es ist ein sehr bewegend Film, der mich noch lange gefangen genommen hat.

Martens Martin Georg · 14.09.2008

Der Film ist ausgezeichnet

Jörg Sembritzki · 02.09.2008

Wunderbarer Film,den ich in einer Sneak Preview(Im UCI Multiplex) ,also eher zufällig entdeckt habe.

Bin aber auch vorbelastet:Meine Mutter wurde 1939 in der Slowakei als Deutsche geboren und wurde 1948 vertrieben.

Meiner Mutter wird dieser Film sicherlich auch gefallen,denn der Film übt auch Kritik an der Vertreibung.
An beiden Seiten(D-CZ) wird Kritik geübt,mutig für einen tschechischen Regisseur.

Ein kleiner Teil der Aufarbeitung der Geschichte.

Jeder der sich für diesen Teil der Geschichte unserer beiden Länder interessiert sollte diesen Film sehen .

Carla Feurer · 28.08.2008

Ich bin ganz begeistert. Soviel Ideenreichtum! Ein Kleinod, dass man nur wirklich ans Herz legen kann. Ein wunderbarer europäischer Film, der auf unterhaltsame, beschwingte, nachdenkliche Weise einen Bilderbogen der Geschichte liefert.

· 26.08.2008

Großartig! Ein opulentes Meisterwerk mit Witz und Charme!

· 24.08.2008

wie gut dieser film tut. er macht satt und hat selbst meiner 87 jährigen mutter großartig gefallen !!
danke für einen film, der schwere thematik mit der überlebenswichtigen leichtigkeit angeht !

Nickbert · 20.08.2008

ich habe den film gestern abend in der sneak preview gesehen und kann nur eines sagen : großartig ^^ !!!

Klara M. · 18.08.2008

Ein wirkliches Meisterwerk!!!

Kommentare

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