Ich hab Dir nie einen Rosengarten versprochen

Ich hab Dir nie einen Rosengarten versprochen

Eine Filmkritik von Falk Straub

Geisel der eigenen Fantasie

Der Mann ist Legende. Beinahe 60 Jahre ist Roger Corman mittlerweile im Geschäft, 56-mal führte er Regie, über 400 Filme hat er produziert. Neben jeder Menge miserabler Exploitationstreifen hat Corman aber auch entscheidend zum Aufstieg des New Hollywood beigetragen und europäisches Autorenkino in die USA gebracht. Zu seinen Schützlingen zählten etwa Francis Ford Coppola, Martin Scorsese, Peter Bogdanovich, Jack Nicholson und Robert De Niro. Mit seiner Produktionsfirma New World Pictures vertrieb er Bergman, Kurosawa, Fellini und Truffaut zwischen New York und Los Angeles. Und so verwundert es kaum, dass sich in Cormans unübersichtlichem Gesamtwerk ab und an eine kleine filmische Perle findet. Anthony Pages Ich hab Dir nie einen Rosengarten versprochen ist eine davon.
Pages Romanverfilmung um die schizophrene Deborah Blake (Kathleen Quinlan) und deren Heilung durch Dr. Fried (Bibi Andersson) ist eine interessante Mischung aus Exploitation und anspruchsvollem Drama. Mit sichtlich geringem Budget schwimmt Ich hab Dir nie einen Rosengarten versprochen auf einer Erfolgswelle von Filmen aus den 1970ern, die sich mit Geisteskrankheit und psychischen Störungen befasst, wie beispielsweise Eine Frau unter Einfluss (1974) oder Einer flog über das Kuckucksnest (1975). Mit etwas nackter Haut und ein wenig Blut sind zudem die nötigen Schauwerte vorhanden. Was Pages Film jedoch von anderen abhebt, sind sein Einfallsreichtum und die hervorragenden Schauspieler.

Die Fantasiewelt um ein archaisches Volk, in die sich der Teenager Deborah auch nach der Einweisung in die Psychiatrie flüchtet, wird mit einfachen, aber effektvollen Mitteln dargestellt. Hinter jeder Tür und auf jedem Klinikflur können die Stammeskrieger mit ihren grausamen Riten lauern. Kathleen Quinlan spielt Deborah leise und zurückgenommen bis zur Nichtexistenz. Eine Leistung, die Quinlan nach eigener Aussage einiges abverlangt hat. Da sie damals noch nicht über die nötige Technik verfügte, habe sie Deborahs Gefühle nicht gespielt, sondern versucht sie tatsächlich zu fühlen, sagt Quinlan während eines Interviews im Bonusmaterial der DVD. Wie anstrengend, aber auch wie überzeugend das ist, sieht der Zuschauer Quinlan an. Für ihre Rolle erhielt sie eine Golden-Globe-Nominierung – ein Erfolg, der sich in Quinlans Karriere erst 1996 mit der Oscar-Nominierung für Apollo 13 wiederholen sollte.

Neben Kathleen Quinlan ist Ich hab Dir nie einen Rosengarten versprochen bis in die Nebenrollen gut besetzt. Als Deborahs Gegenpart, Reibungsfläche und Rettungsanker dient ihre Psychiaterin Dr. Fried, die Bibi Andersson wie bereits zuvor in zahlreichen Filmen Ingmar Bergmans routiniert gibt. Ein kleines Highlight ist Sylvia Sydney, die sich mit sichtlicher Spielfreude auf die psychische Erkrankung ihres Charakters stürzt – irgendwo zwischen charmanter Grand Dame, schnaubendem Ekelpaket und blankem Wahnsinn.

Ich hab Dir nie einen Rosengarten versprochen

Der Mann ist Legende. Beinahe 60 Jahre ist Roger Corman mittlerweile im Geschäft, 56-mal führte er Regie, über 400 Filme hat er produziert. Neben jeder Menge miserabler Exploitationstreifen hat Corman aber auch entscheidend zum Aufstieg des New Hollywood beigetragen und europäisches Autorenkino in die USA gebracht.
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