I Spit on Your Grave 2

I Spit on Your Grave 2

Elektroschocks im bulgarischen Untergrund

Ich werde auf dein Grab spucken: Mit diesem Ausruf der Verachtung hatte nicht nur einst Boris Vian eine seiner fulminant bizarren Kriminalgeschichten betitelt, das war vor allem der Titel eines der berühmt-berüchtigtsten Rachefilme der 1970er Jahre. Meir Zarchi schuf 1978 einen der dreckigen, brutalen und direkten Klassiker des Rape-Revenge-Kinos: Die vergewaltigte, geschundene Frau schlägt zurück.
Wie so viele Produktionen dieser Zeit und Art bekam auch I Spit on Your Grave (auch als Day of the Woman bekannt) vor wenigen Jahren ein Remake verpasst, welches das Grundthema kaum variierte, aber doch inhaltlich wie ästhetisch gründlich modernisierte – und damit ziemlich genau ins Schwarze traf. Der relative wirtschaftliche Erfolg des Nischenfilms führte nun zu einer „Fortsetzung“, die eigentlich ein weiteres Remake ist: mehr des Gleichen, in anderem Setting, mit anderen Figuren.

Katie (Jemma Dallender) arbeitet als Kellnerin in New York, aber sie will es als Model schaffen – die Figur hat sie, nur mit den Fotos, die in ihrem Portfolio stecken, ist die Agentin, bei der sie sich bemüht, nicht zufrieden. Und weil das Geld natürlich knapp ist, nimmt sie ein etwas seltsames Angebot für kostenlose Profi-Fotografien an – bei einem aus Osteuropa stammenden Fotografen, der mit seinen zwei vage unheimlich wirkenden Brüdern zusammenarbeitet. Als der Mann Nacktfotos von ihr machen will, geht Katie unbelästigt heim.

In einer der Nächte kurz darauf steht aber der jüngere der Brüder plötzlich fotografierend in ihrem Schlafzimmer – die Situation eskaliert rasch, er vergewaltigt Katie und tötet einen zu Hilfe eilenden Nachbarn. Und seine zwei Brüder haben dann eine sehr radikale Idee, wie die missliche Lage aufzulösen sei.

Das Rape-Revenge-Kino geht nie zimperlich mit seinen Protagonistinnen und Antagonisten um – das gehört zu den Grundregeln des Genres. I Spit on Your Grave 2 schneidet sich aber auch ein gehöriges Stück vom Folterkino à la Hostel ab, nicht nur im Setting, das von einem New Yorker Appartement zu bulgarischem Untergrund wechselt. Katies Rache, eine zwingende Erfordernis nach weiteren, zahlreichen Leidensmomenten und einer Nahtoderfahrung, ist fürchterlich, brutal und ohne Pardon.

Steven R. Monroes Film leidet aber unter zwei Schwächen: Zum einen ist seine Hauptfigur, auch wenn sie durchaus schon früh Widerstandskräfte entwickelt, letztlich ein recht wenig ausgearbeiteter Charakter — Katie bleibt zu blass, um wirklich unser Mitgefühl zu erregen. Zum anderen ist ihre gewaltsame Genugtuung zwar notwendig und folgerichtig, sie wirkt aber, sieht man von der Wahl der Opfer ab, weitgehend beliebig. Das Remake von 2010 – auch dabei führte Monroe Regie – gewann nicht zuletzt dadurch, dass die vergewaltigte Frau ihre elaborierten Mordpläne als sehr präzise Spiegelbilder der von ihr selbst erlittenen Gewalt inszenierte: Was du mir tust, füg ich dir zu.

In I Spit on Your Grave 2 fehlt diese mörderische Symmetrie; und so dem Film jenes letzte kleine Gewicht, dass aus ihm mehr machen würde als einen weiteren, formelhaften Vertreter seiner Zunft; stattdessen trägt er das Gewicht, seine Heldin dem Zuschauer nackt und bloß lange auszustellen, bevor er ihr das Heft der Handlung und den Schalter des Elektroschockers in die Hand legt.

(Rochus Wolff)

(Anmerkung der Redaktion: Bislang steht nicht fest, ob es dieser Film, der beim Cinestrange-Festival in Dresden gezeigt wurde, in Deutschland veröffentlicht wird. Ursprünglich sollte der Titel am 17. Oktober als DVD bei Sunfilm Entertainment erscheinen, doch die FSK erteilte keine Freigabe, so dass nun eine neue Schnittfassung erarbeitet werden soll. Als neuer VÖ-Termin ist der März 2014 avisiert)

I Spit on Your Grave 2

Ich werde auf dein Grab spucken: Mit diesem Ausruf der Verachtung hatte nicht nur einst Boris Vian eine seiner fulminant bizarren Kriminalgeschichten betitelt, das war vor allem der Titel eines der berühmt-berüchtigtsten Rachefilme der 1970er Jahre. Meir Zarchi schuf 1978 einen der dreckigen, brutalen und direkten Klassiker des Rape-Revenge-Kinos: Die vergewaltigte, geschundene Frau schlägt zurück.
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