Home Invasion - Der Feind in meinem Haus

Home Invasion - Der Feind in meinem Haus

Eine Filmkritik von Lida Bach

Schlafes Bruder

Der Schlaf ist der Bruder des Todes und beide kommen Hand in Hand in Home Invasion — Der Feind in meinem Haus. Seit erster Sarah verlassen hat, weicht ihr zweiter nicht mehr von der Seite. Der Platz, den er dort unbarmherzig wahrt, gehörte bis vor einem Jahr Sarahs Sohn. Er liegt zu Beginn auf der Wiese vor dem neu bezogenen Haus, wo sich die Krankenschwester (Anne Parillaud) und ihr Ehemann den Traum vom abgeschiedenen Landleben erfüllen wollen. Am Ende der Eingangssequenz ist die Sarah Gefangene dieses Traums, der radikal sein Gesicht geändert hat. Aus dem Wunschbild ist ein Alpdruck geworden und wie es oft in Träumen ist in schleichend heimlicher Art. In dieser Manier versucht Sarahs Sohn (Jean-Hugues Anglade) sich dem elterlichen Verbot zum Trotz davonmachen, als er aus dem Schlafzimmerfenster stürzt. Der Körper, um den in der ersten Einstellung Ameisen kriechen, ist sein Leichnam. Noch vor der Anfangsidyll etablieren Caroline und Eric du Pote dessen Zerstörung. Dem Prolog seines Spielfilmdebüts stellt das Geschwisterpaar mit dem Streifblick auf die Leiche einen weiteren voran, ohne dass der Zuschauer sich dessen klar bewusst werden soll. Das scheinbar spekulative Element einer scheinbar typischen Vorgeschichte ist tatsächlich das I-Tüpfelchen in dem Reglement, dem der psychopathologische Thriller gehorcht. All die zentralen Motive, um die sich die sich der gewissenhaft und rasch geflochtene Handlungsfaden zu einer Schlinge spannt, sind in der morbiden Vignette etabliert.
Die Verwandtschaft von Wunsch- und Wahnbild sowie die Ambiguität der eigenen Wahrnehmung sind Dreh- und Angelpunkte eines Invasionsthrillers, der auf den Grundfesten des Subgenres eine verschachtelte Studie des allerorts schlummernden Psychopathischen konstruiert. Der von einem Selbstmord nicht eindeutig abgrenzbare Unfall von Sarahs Sohn ist der erste Hinweis darauf, der zweite ihre neurotische Überfürsorglichkeit. Nachdem letzte indirekt den Tod des Sohnes verursacht hat, gefährdet sie das Leben der Patienten Sarahs und schließlich ihr eigenes. Vor der anhaltenden Schlaflosigkeit, welche sie buchstäblich daran hindert, vor der Leere der eigenen Existenz die Augen zu verschließen, flüchtet Sarah in ihre Arbeit. Dass sie gerade aufgrund der psychischen und physischen Übermüdung dafür ungeeignet ist, dämmert ihr erst, als die Oberschwester Sarah nach nach Hause schickt: um sich auszuschlafen.

Die unfreiwillig zynische Mahnung, der sie auslösende Behandlungsfehler Sarahs und ihre mentale Instabilität sind Vorboten des Schreckens, den sie in ihr Leben lässt. Sein Name ist Arthur (Arthur Dupont), sein Alter etwa das von Sarahs Sohn und die Notlage, die der blutüberströmte junge Mann schildert, die ideale Projektionsfläche für ihre frustrierten Muttergefühle. Den Einbrecher (Thierry Frémont), vor dessen Umtrieben in den verwaisten Nachbarhäusern die Polizei gewarnt hat, hat Arthur bei sich zu Hause auf frischer Tat ertappt. Nun verfolgt der Unbekannte ihn und und seine Helferin bis in deren Anwesen, um sein mörderisches Vorhaben zu beenden – eines, das tieferliegende Ursachen hat, als Sarah ahnt.

Die in Dialogen, Musik und Szenerie gleichermaßen sparsame Inszenierung schwankt in einer Gratwanderung zwischen den einander ablösender Bewusstseinsebenen von Schlaf und Ohnmacht, Traum und Tod. Die unterschwellige Begierde führt die elterlichen Regungen der überreizten Protagonistin in die perversen Gefilde von Arthurs Manipulation. Die aufgestaute Anspannung manifestiert sich in dosierten Gewaltakten, die weniger irritieren als die psychische und perspektivische Unzuverlässigkeit. Sie macht den französischen Psychothriller zu gepflegterer Unterhaltung als der eher krude deutsche Verleihtitel Home Invasion nahelegt.

Home Invasion - Der Feind in meinem Haus

Der Schlaf ist der Bruder des Todes und beide kommen Hand in Hand in „Home Invasion — Der Feind in meinem Haus“. Seit erster Sarah verlassen hat, weicht ihr zweiter nicht mehr von der Seite. Der Platz, den er dort unbarmherzig wahrt, gehörte bis vor einem Jahr Sarahs Sohn. Er liegt zu Beginn auf der Wiese vor dem neu bezogenen Haus, wo sich die Krankenschwester (Anne Parillaud) und ihr Ehemann den Traum vom abgeschiedenen Landleben erfüllen wollen.
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