Ho! Die Nr. 1 bin ich

Ho! Die Nr. 1 bin ich

Eine Filmkritik von Martin Beck

Einigen wir uns auf Nummer 3

Es gibt zwei Gründe, warum Ho! Die Nummer 1 bin ich nicht den Bekanntheitsgrad zahlreicher anderer Jean-Paul-Belmondo-Klassiker hat. Zum einen ist der Film in Deutschland nie auf DVD erschienen und das irgendwann mal erhältliche Videotape war um ca. 10 Minuten geschnitten, und zum anderen zählt das Werk nicht unbedingt zu Bébéls Sternstunden. Zu unentschlossen wirkt die Geschichte, zu schlaff bis langweilig mäandriert die Inszenierung.
Symptomatisch dafür gleich der Anfang des Films: Belmondo, der titelgebende Ho, fährt ein halsbrecherisches Autorennen, bei dem es irgendwann zu einem folgenschweren Unfall kommt. Hos bester Freund stirbt nach einer Kollission, wir sehen viel Feuer und dann wieder Ho, wie er ein Meerschweinchen streichelt. Schnitt auf die Titel, unterlegt mit melancholischer Pianomusik. Schnitt auf „einige Zeit später“ und Ho markiert den harten Gangsterburschen, ganz in klassischer Bébél-Manier.

Ho! Die Nummer 1 bin ich ist eine seltsame Mischung aus dem Godard-Belmondo und dem Superstar-Belmondo – der er 1968 bereits war. Die Vermutung liegt nahe, dass das Drehbuch zunächst als reiner Film Noir angelegt war und dann, bedingt durch den Mainstream-Erfolg des Hauptdarstellers, nachträglich noch Action-Momente und plötzliche Charakterumschwünge Richtung Haudegen eingebaut wurden. Eigentlich muss sich Ho nämlich im Folgenden als kleiner Gangster durchschlagen und landet sogar im Knast, doch dann möchte er auf einmal aufsteigen – was aber nur in sehr bescheidenem Umfang klappt. Und immer wieder ganz komische Ausschläge verkraften muss, wie zum Beispiel die Entführung eines Reporters oder der großkotzige Umgang mit seiner Freundin (Joanna Shimkus).

Ho ist nicht wirklich ein Sympathieträger, auch bedingt durch seine eitle Anbiederung an die Medien, und trotzdem möchte der ganze Gestus ihn da offensichtlich hinbugsieren. Belmondo tritt auf mit steilen Klamotten, breitem Grinsen und dicker Zigarre… und versemmelt dann einen Autodiebstahl oder würgt seiner Freundin mal wieder eine rein. Eine wirklich seltsame Figur, die er da spielt, und dabei leider so irritierend, dass sie eine Involvierung ins Geschehen sehr schwer macht. Die Stimmungsbrüche des Films lassen ihn beliebig erscheinen, die Handlung verfolgt einen nur dünnen Faden, der zu keinem Zeitpunkt Spannung erzeugen kann.

Regisseur Robert Enrico war für einige großartige Klassiker verantwortlich, unter anderem Die Abenteurer und Abschied in der Nacht, doch hier erscheint er wie nicht ganz bei der Sache. Die Inszenierung bleibt nüchtern, die Action dümpelt dahin und den Rest erledigt dann halt das Drehbuch beziehungsweise die verkorkste Schauspielführung. Für Belmondo-Fans mag der Film trotzdem von Interesse sein, weil einfach unbekannt, doch alle anderen dürften sich verwundert die Augen reiben, was nur seit Die tollen Abenteuer des Monsieur L. passiert ist.

Veröffentlicht wird Ho! Die Nummer 1 bin ich vom Label Filmjuwelen, das bereits ein paar Belmondo-Klassiker in famoser Qualität auf Blu-Ray herausgebracht hat. Der Dank dafür gebührt den französischen Rechteinhabern, die ihrem Nationalhelden großartige neue Master spendiert haben und somit auch hier mit exzellenter Bild- und Tonqualität auftrumpfen können. Besonders interessant ist noch, dass zwei deutsche Synchros anwesend sind, einmal mit Klaus Kindler als Belmondo und einmal Rainer Brandt. Als Extras sind ein Booklet und ein kurzes Interview enthalten.

Ho! Die Nr. 1 bin ich

Es gibt zwei Gründe, warum „Ho! Die Nummer 1 bin ich“ nicht den Bekanntheitsgrad zahlreicher anderer Jean-Paul-Belmondo-Klassiker hat. Zum einen ist der Film in Deutschland nie auf DVD erschienen und das irgendwann mal erhältliche Videotape war um ca. 10 Minuten geschnitten, und zum anderen zählt das Werk nicht unbedingt zu Bébéls Sternstunden.
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