Hitler und Jesus - Eine Liebesgeschichte

Hitler und Jesus - Eine Liebesgeschichte

Eine Filmkritik von Harald Mühlbeyer

Das absolut Gute und das absolut Böse

Der Nationalsozialismus: Das war der Glaube von Rosa von Praunheims Eltern. Der Katholizismus: Das war seine eigene Erziehung in seiner Frankfurter Kindheit. Nun führt er beide zusammen, das absolut Gute und das absolut Böse – oder vielleicht nur zwei weltgeschichtlich wirkmächtige Individuen? Oder vielleicht zwei umsatzstarke Marken, an denen sich Macht und Geld kumuliert?
Die großen Themen geht Praunheim locker an: Zwei Schauspieler – die den Jesus- und Adolf-Bildern des kulturellen Gedächtnisses eher weitläufig entsprechen – suchen sich Kostüme und Requisiten aus dem Theaterfundus. Und stellen auf der Probenbühne Szenen aus dem Leben des religiösen und des politischen Führers nach. Mit dabei, teilweise als Statisten, teilweise als Anspielpartner, sind Mitglieder eines Jugendtheaters aus Brandenburg; mit ihnen wird zum Beispiel da Vincis Abendmahl-Gemälde nachgestellt, oder die soldatische Anhimmelung Hitlers. Diese Ebene des Films, ein essayistisch-fiktionalisiertes Spiel mit dem Sujet, wird immer wieder gebrochen durch Making-of-Szenen, Besprechungen, Inszenierungsanweisungen; dazu tatsächliche Experten, Theologen und Historiker, die den Blick weiten, die die Bilder, die wir von Jesus und von Hitler im Kopf haben, in Kontext setzen.

Übrigens ist dieser ganze filmische Diskurs sehr witzig. Praunheim, der sich lange schon mit diesen Thematiken beschäftigt, weiß ganz genau, was er will, wo er hin will – und er lässt den Schauspielern genau deshalb die Freiheit, lustvoll zu agieren, zu improvisieren, mit den Klischees zu spielen. Die spielerische Kombination der Filmgattungen – Gespieltes neben dokumentarischen Interviews, die jeweils in sich wiederum gebrochen sind, geöffnet über den filmischen Raum hinaus – ergibt einerseits den Eindruck eines "Work in Progress", hat etwas Unfertiges, Raues. Und zugleich etwas Offenes, mit dem der Blick in die Tiefe möglich wird.

Bei aller Leichtigkeit der Inszenierung nimmt Praunheim seine Themen sehr ernst, diskutiert mit seinem Film sehr plausibel die Prinzipien, für die Hitler und Jesus stehen, die Ideologien, die Macht, die aus ihnen erwachsen ist. Die Lösung – allumfassende Liebe – die Jesus’ Botschaft enthält (und die, das legt der Film in mancherlei Hinsicht dar, von der Kirche immer wieder verfälscht wird): Ist sie auch eine Lösung, wenn es um Hitler geht, eine Loslösung von diesem Dämon, ein Ablösen dieses Problemfalls der Historie? Die Macht, für die Hitler in Reinform steht: Was kann sie bewirken, welche Kraft hat sie noch nach dem Untergang der Naziherrschaft, welchen Stand hat sie gegenüber anderen, auch gegenteiligen Ideologien?

Rosa von Praunheim liefert einen unterhaltsamen Film voller kleiner und größerer Gags; und eine kluge Auseinandersetzung mit dem Guten und dem Bösen, mit Jesus und mit Hitler. Beiden kann man im Leben nicht entkommen. Und im Himmel, so der Film in seinem Schlussbild, vielleicht auch nicht.

Hitler und Jesus - Eine Liebesgeschichte

Der Nationalsozialismus: Das war der Glaube von Rosa von Praunheims Eltern. Der Katholizismus: Das war seine eigene Erziehung in seiner Frankfurter Kindheit. Nun führt er beide zusammen, das absolut Gute und das absolut Böse – oder vielleicht nur zwei weltgeschichtlich wirkmächtige Individuen? Oder vielleicht zwei umsatzstarke Marken, an denen sich Macht und Geld kumuliert?
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