His & Hers

His & Hers

Eine Filmkritik von Katrin Doerksen

Siebzig zu Null

Frauen und Männer. Oh weh, was für ein Thema. Ein Thema, das, wenn nicht direkt, so doch implizit in jedem zweiten Film auftaucht; in jedem zweiten Roman, Gedicht und Songtext. Trotz all dieser künstlerischen Forschungsarbeit sind wir aber noch nicht wesentlich vorangekommen, haben den Durchbruch leider noch nicht geschafft: zwischenmenschliche Beziehung betreffen uns alle und bleiben uns doch ein Rätsel.
Wieso also noch ein Film über Männer und Frauen, könnte man fragen. Und dann noch ein Dokumentarfilm? Was will der schon Neues zeigen? Ganz einfach: er zeigt Menschen, die über Menschen reden, die denkbar einfachste Variante der Untersuchung zwischenmenschlicher Relationen. Genau genommen sind es siebzig Frauen im Alter von fünf bis neunzig Jahren, die hier über die Männer in ihrem Leben sprechen: Väter und Großväter, Ehemänner, Onkel, Söhne, Enkel. Sie sind permanent präsent, obwohl kein einziges Mal während der 80 Minuten Laufzeit ein Mann auf der Leinwand erscheint. Gewissermaßen behandelt Regisseur Ken Wardrop die Thematik mit dieser Herangehensweise in His & Hers explizit und implizit gleichermaßen. Denn die siebzig Protagonistinnen analysieren ihre Beziehungen nicht etwa, sondern bleiben bei kurzen Anekdoten aus ihrem Alltagsleben. Und doch ergibt die schiere Anzahl dieser unterschiedlichen Frauen ein Bild, das über die für sich stehenden Geschichten einer Einzelnen hinausgeht.

Da erzählen kleine Mädchen davon, wie ihre Väter sie zum Aufräumen antreiben, Teenager berichten von gemeinsamen Fahrstunden und ersten Annäherungsversuchen ans andere Geschlecht. Junge Frauen reflektieren ihre Heiratspläne und Schwangerschaften, es ist die Rede von pubertierenden Söhnen, und ältliche Damen erinnern sich an ihre verstorbenen Ehemänner. Die heimelige Atmosphäre erscheint dabei umso perfekter, als die Frauen in His & Hers einen derart verknautschten irischen Dialekt sprechen, dass es selbst Zuschauer an die Untertitel bindet, die sich des Englischen sonst ohne Frage mächtig wähnen. Die Anekdoten sind kurzweilig und charmant vorgetragen, oftmals anrührend und nicht selten würde man einzelnen Damen gern noch ein wenig lauschen. Aber genau in dieser heimeligen Atmosphäre liegt auch das Problem des Dokumentarfilms.

„Ein Mann liebt seine Freundin, erträgt seine Frau und verehrt seine Mutter,“ unter dem Motto dieses irischen Sprichwortes steht His & Hers, und leider fühlt sich Ken Wardrop dem Umfang dieser Binsenweisheit ein wenig zu sehr verpflichtet. Denn trotz seiner unglaublichen siebzig Interviewpartnerinnen bleibt der Regisseur ausschließlich bei Müttern, Ehefrauen oder Freundinnen mit entsprechenden Plänen hängen. Statt sich auch nur ein einziges Mal einer Frau zuzuwenden, die vom klassischen Familienmodell abweicht und ein unkonventionelleres Leben führt. Vielleicht ist das zu einem nicht unwesentlichen Teil dem Großteil der Bevölkerung im ländlichen, katholischen Irland geschuldet, doch trotzdem bleibt His & Hers auf diese Weise einseitig und beliebig. Ein Blick über den golberandeten Porzellantellerrand hätte ein wenig das Biedermeierliche genommen und dem Film sicher gut getan. Explizit bleibt Ken Wardrop vielleicht in einer wertungsfreien Beobachterposition, implizit setzt er aber mit der Auswahl der Frauen in seinem Werk ein Statement, das in die moderne Welt nicht mehr so recht zu passen scheint. Die Beziehungen zwischen Frauen und Männern werden uns wohl auch weiterhin als Rätsel erhalten bleiben.

His & Hers

Frauen und Männer. Oh weh, was für ein Thema. Ein Thema, das, wenn nicht direkt, so doch implizit in jedem zweiten Film auftaucht; in jedem zweiten Roman, Gedicht und Songtext. Trotz all dieser künstlerischen Forschungsarbeit sind wir aber noch nicht wesentlich vorangekommen, haben den Durchbruch leider noch nicht geschafft: zwischenmenschliche Beziehung betreffen uns alle und bleiben uns doch ein Rätsel.
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