Hierro – Insel der Angst

Hierro – Insel der Angst

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Dienstag, 5. Mai 2015, ZDFkultur, 22:00 Uhr

Mit ihrem kleinen Sohn Diego (Kaiet Rodríguez) ist die alleinerziehende Spanierin María (Elena Anaya) in Erholungsabsicht zur Kanareninsel El Hierro unterwegs. Dass gerade keineswegs Hochsaison dort herrscht, lässt bereits die nur karg frequentierte Fähre über den Atlantik erkennen, und bereits hier endet auch schon der Urlaub von Mutter und Sohn in einer entsetzlichen, unauslotbaren Katastrophe: Unvermittelt ist Diego verschwunden, und das bleibt auch so, trotz der zunächst besorgten, wachsend panischen Suche Marías und trotz der so umfangreichen wie vergeblichen Bemühungen der Polizei, den Jungen aufzuspüren. Der in Verzweiflung erstarrten Mutter bleibt nur die Heimkehr aufs Festland ohne ihren Sohn in ein nunmehr leeres Leben, bis sie Monate später nach Aufforderung der Polizei erneut nach El Hierro reist: Dort wurde jetzt der Leichnam eines Knaben aus dem Meer geborgen, den María zwecks Identifizierung sichten soll ...
Der spanische Regisseur Gabe Ibáñez, der im vergangenen Jahr seinen zweiten Spielfilm Autómata mit Antonio Banderas und Melanie Griffith in den Hauptrollen inszenierte, hat 2009 mit Hierro – Insel der Angst ein Debüt vorgelegt, das sich intensiv mit dem Schmerz des Verlustes eines Kindes beschäftigt, um sich dann zunehmend zu einem mysteriösen Thriller vor dem Hintergrund verwirrter Wahrnehmungen während eines traumatisierenden Trauerprozesses auszuwachsen. Wie der Zuschauer gleich in der Eingangssequenz erfährt, ereignet sich auf der hier atmosphärisch dicht und ansteigend bedrohlich dargestellten Insel ein folgenschwerer Autounfall, der ebenfalls eine Frau und ein Kind betrifft, und es braucht einige zunächst schleierhafte Impressionen und dramaturgische Wendungen auf dem schmalen Grat von sogenannter Realität und wirren Träumen, bis sich der Zusammenhang zwischen diesen beiden Frauen- und Kinderschicksalen erschließt.

Für ihre Rolle als attraktive, aufgewühlte und letztlich aggressive Mutter im Ausnahmezustand des Abgrunds von Hoffnung, Trauer und Wut wurde Elena Anaya beim Fantasport sowie beim Sitges Filmfestival als Beste Schauspielerin ausgezeichnet, und in der Tat lebt das stark naturalistisch geprägte Drama mit seiner Verdichtung der Landschaft und Tierwelt als signifikante Faktoren einer anwachsenden Katastrophe zuvorderst vom eindringlichen Spiel der Hauptdarstellerin, deren Identität sich aufgrund des Verlustes zu zersetzen beginnt. Am Ende, wenn der Auftakt von Hierro – Insel der Angst erneut aufgegriffen, ausgeführt und schließlich aufgelöst wird, entfaltet das schwermütige Drama noch überraschende aktionsreiche Qualitäten, die den Zuschauer im Zuge der Entwicklung zu einer differenten Sichtweise der Geschichte herausfordern, so dass seine zuvor geköderten Emotionen sich neu orientieren müssen. Dieser filmische Kunstgriff, der hier durchaus funktioniert und für einen finanziell sparsam ausgestatteten, wenn auch oftmals ein wenig symbolisch überladenen Erstling eine respektable Leistung darstellt, bildet die Basis der sorgfältig konstruierten, insgesamt bewegenden Dramaturgie, der es immer wieder gelingt, die Aufmerksamkeit ihres Publikums nach kleinen Talstrecken hügelwärts zurückzuerobern.

Hierro – Insel der Angst

Mit ihrem kleinen Sohn Diego (Kaiet Rodríguez) ist die alleinerziehende Spanierin María (Elena Anaya) in Erholungsabsicht zur Kanareninsel El Hierro unterwegs. Dass gerade keineswegs Hochsaison dort herrscht, lässt bereits die nur karg frequentierte Fähre über den Atlantik erkennen, und bereits hier endet auch schon der Urlaub von Mutter und Sohn in einer entsetzlichen, unauslotbaren Katastrophe.
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