Hentai Kamen 2 - The Abnormal Crisis (Blu-ray)

Hentai Kamen 2 - The Abnormal Crisis (Blu-ray)

Eine Filmkritik von Beatrice Behn

Ohne Hos’ nix los

„Hentai Kamen“ heißt auf Japanisch in etwa „perverser Maskierter“. Und damit macht sich der Film schon im Titel keine Mühe, irgendetwas zu verschleiern. Dass es sich bei diesem Film um Hentai Kamen 2 — The Abnormal Crisis handelt, zeigt, dass diese Offenheit sich ausgezahlt hat. Wer übrigens den ersten Teil nicht gesehen hat, muss sich nicht scheuen, diese DVD/Blu-ray einzulegen und sich durch das Schlüpfermenü zu klicken: der Film arbeitet noch einmal alle Ereignisse des ersten auf.
Und diese waren nicht gerade hochkomplex. Wir sprechen immer noch von einem Superheldenfilm. Auch wenn dieser Superheld Kyosuke (Ryōhei Suzuki) eben ein wenig anders funktioniert. Kyosuke alias Hentai Kamen ist der Sohn eines verstorbenen Polizisten, dem Recht und Ordnung das Wichtigste waren. Seine Mutter ist eine Domina und Kyosuke ist quasi die perfekte Mischung aus beiden. Einerseits devot und Fetischist, andererseits gerecht und kämpferisch. Im ersten Teil der Reihe fand er heraus, dass wenn er sich das getragene Höschen seiner großen Liebe Aiko (Fumika Shimizu) über das Gesicht zieht, er zu einer Art Spiderman mutiert. Dabei schießt er keine Spinnenfäden, sondern Bondage-Seile. Seine weiteren Superkräfte bestehen darin, dass er sich unfassbar vermöbeln lassen kann, ohne dass es ihn stört (ein Hoch auf den Masochismus) und dass sein Penis unglaublich stark ist. Und wessen Gesicht er in sein Gemächt drückt, der ist sofort ohnmächtig. Wenn all das nicht hilft, hat Hentai Kamen noch einen weiteren Move: Er bewegt sich in Posen, die man sonst nur von weiblichen Stripperinnen kennt, auf seine Gegner zu, die so genderverwirrt und gleichsam ein wenig angetörnt sind, dass sie vergessen, was sie eigentlich machen wollten.

Konnte Kyosuke im ersten Teil seine Aiko noch retten, so leidet ihre Beziehung im zweiten Teil unter den Folgen einer längeren Beziehung und auch dem Fakt, dass Aiko einfach nicht auf die Dinge steht, die Kyosuke anmachen. Mit jeder Verwandlung in den Superhelden, der weiterhin auf Menschenrettungstouren geht, nimmt sie mehr Abstand. Um die Beziehung zu retten, will sie ihren Schlüpfer, den Quell von Hentai Kamens Kräften, wieder. Kyosuke willigt ein. Doch dann wird Japan und bald die ganze Welt von einem neuen Übel heimgesucht. Ein starker Sog entledigt alle Frauen ihrer Höschen. Bald ist ganz Japan frei von Damenunterwäsche und neue und alte Superschurken tauchen auf, um sich das Land unter den Nagel zu reißen. Aber ohne Hos‘ nix los bei Hentai Kamen. Wie soll er nur die Welt und bald auch Aiko retten, ohne seinen Fetisch bedienen zu können? Da hilft nur eins: er muss ins Fetischisten-Trainingslager, hoch oben auf einem Berg bei einem Guru.

Das klingt nun alles ein bisschen gaga, aber man sollte die Hentai-Kamen-Reihe keinesfalls unterschätzen. Hier handelt es sich nicht um einen dümmlich-albernen Film, sondern eine wunderbare Satire, eine Persiflage auf die Flut der Superheldenfilme, wie sie wahrlich nur aus Japan stammen könnte. Die ganze Idee von Supermächten und Menschenrettern nimmt dieser Film hier auseinander. Sind in den amerikanischen Filmen dieser Art die Quellen der Macht auch meist in einer absurden Idee (ein Spinnen-Biss?) zu verorten und nähren sich später aus dem Machtgefühl und einer gewissen Idee von Hypermaskulinität, so dreht Hentai Kamen den Spieß um. Seine genderfluides Auftreten ist nicht in die übliche heteronormative Geschlechtermatrix einfügbar. Hentai Kamen bedient sich vieler Klischees, Bewegungen, Ideen, die aus beiden Geschlechtern stammen und die sonst übliche Hypermaskulinität ad absurdum führen; andererseits überhöht er diese per Dekret seines Superpenisses so sehr, dass man hier eigentlich erst bemerkt, wie absurd maskulin und phallisch Superman und Co. eigentlich sind. Dabei schafft der Film es sogar, sich nicht über Menschen mit Fetischen und anderen, als „abnormal“ gekennzeichneten Sexualitäten lustig zu machen. Im Gegenteil. Ganz nebenher erörtert er die Vor- und Nachteilen von sexuellen Fetischen und zeigt auf, dass Sadomasochismus noch lange nichts mit Lieblosigkeit oder „Perversion“ zu tun haben muss.

Zwei Dinge sind nach dem Sehen von Hentai Kamen 2 — The Abnormal Crisis klar: 1.) Japaner machen immer noch die besten und absurdesten Monsterfilme. Und 2.) Hentai Kamen ist bei weitem der interessantere Spiderman.

Hentai Kamen 2 - The Abnormal Crisis (Blu-ray)

„Hentai Kamen“ heißt auf Japanisch in etwa „perverser Maskierter“. Und damit macht sich der Film schon im Titel keine Mühe, irgendetwas zu verschleiern. Dass es sich bei diesem Film um „Hentai Kamen 2 — The Abnormal Crisis“ handelt, zeigt, dass diese Offenheit sich ausgezahlt hat. Wer übrigens den ersten Teil nicht gesehen hat, muss sich nicht scheuen, diese DVD/Blu-ray einzulegen und sich durch das Schlüpfermenü zu klicken: der Film arbeitet noch einmal alle Ereignisse des ersten auf.
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