Heißes Pflaster Köln (Special Edition)

Heißes Pflaster Köln (Special Edition)

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Zeitreise in das "Chicago des Westens"

Köln in den 1960er Jahren, das muss ein wahrhaft heißes Pflaster gewesen sein. Davon kündet nicht nur der Titel des Films, der 1967 unter der Regie von Ernst Hofbauer entstand. Der aus Österreich stammende Regisseur sollte später mit dem Hausfrauen- und dem Schulmädchen-Report und Filmen wie Erotik im Beruf – Was jeder Personalchef gern verschweigt und Wenn die prallen Möpse hüpfen deutsche Bahnhofskino-Geschichte schreiben. Wenn man sich die filmische Vita Hofbauers so anschaut, ahnt man schnell, dass auch Heißes Pflaster Köln recht wenig mit der heilen Welt des Nachkriegskinos zu tun hat und sehr viel mehr mit der heute leider in Vergessenheit geratenen Gattung des "Sittenreißer", für den in Deutschland neben Jürgen Roland (Polizeirevier Davidswache, 1964) vor allem Rolf Olsen stilbildend war. Dessen Filme In Frankfurt sind die Nächte heiß und Wenn es Nacht wird auf der Reeperbahn bildeten die Blaupause für Heißes Pflaster Köln, wenngleich es Hofbauer überaus geschickt versteht, den Stoff mit genügend Lokalkolorit anzureichern, so dass man den reklamierten Wahrheitsgehalt der Story gerne glaubt.
Im heutigen, von Filmförderinstitutionen und Fernsehredaktionen bestimmten deutschen Film hätte ein Werk wie Heißes Pflaster Köln heute nur noch wenig Chancen, realisiert zu werden. Trotz aller behaupteten Nähe zum rheinischen Ludenkrieg der frühen 1960er Jahre überwiegt hier die Lust an Sex und Crime, die Freude an der Demaskierung des gemeinen Spießbürgers und das genüssliche Ausschlachten pikanter Details aus dem Rotlicht- und Gaunermilieu. So ungefähr muss es wohl aussehen, wenn man die einschlägigen Artikel der Boulevardpresse mit Eurosleaze-Filmen der B- bis Z-Kategorie auf schwarzweißes Zelluloid gießt.

Im Mittelpunkt der Handlung steht neben einer guten alten Rachegeschichte vor allem der historisch belegte Kampf der einheimischen Rotlichtgrößen gegen die expandierende österreichische Konkurrent – damals im Straßenjargon gerne als "Wiener Ratten" tituliert. Auch die Rachegeschichte fusst zumindest lose auf realen Ereignissen. Entsetzt von den immer brutaleren Bandenkriegen hatte damals ausgerechnet ein Düsseldorfer Staatsanwalt versucht, im Milieu aufzuräumen und war dabei selbst zwischen die Fronten der rivalisierenden Gangs geraten.

Ähnliches widerfährt in Heißes Pflaster Köln dem Anklagevertreter Dr. Stauffer (Richard Münch), der für einen bereits aktenkundigen Totschläger 15 Jahre Haft fordert. Dessen Bruder Paul (Arthur Brauss) versucht daraufhin, gemeinsam mit seinem Kumpanen Helmut (Rainer Basedow) und Willi (Klaus Löwitsch), den Staatsanwalt unter Druck zu setzen. Um ihre Forderungen durchzusetzen, entführen sie schließlich Stauffers Sohn Ernst (Claus Ringer), doch dann mischen sich die beiden Wiener Gauner Poldi (Walter Kohut) und Stefan (Herbert Fux) ein, die mit dem Angeklagten ebenfalls noch ein Hühnchen zu rupfen haben.

Was heute vor allem für Amüsement sorgen dürfte, war damals, als der Film in die Kinos kam, ein echtes Politikum: Die Tourismusbehörde der Stadt zeigte sich ob des vermittelten Bildes rheinischer Sinnenfreuden, krimineller Machenschaften und der Bigotterie gutbürgerlicher Kreise wenig erfreut. Gerade darin zeigt sich das gesellschaftskritische Potential des damals wie heute übel beleumundeten Genrekinos: Bei aller Lust am Kitzel und an expliziten Sensationen wirkt Heißes Pflaster Köln wie ein Kondensat jener moralischen und gesellschaftlichen Kurse, die die Stadt damals beherrschten und die auch heute noch immer wieder zutage treten.

Doch der Film ist nicht nur deshalb eine echte Entdeckung: Zugleich macht er auch unglaublich viel Spaß, strotzt nur so vor Spannung und schließt eine weitere Lücke in der noch zu schreibenden Geschichte des deutschen Genrekinos. Vielleicht sorgt ja die Wiederentdeckung solcher Filme abseits des deutschen Kino-Mainstream und in den eher dunkel-feuchten Nischen des Filmerbes für eine kleine Renaissance des zeitgenössischen Genrekinos, die längst überfällig wäre. Nicht nur für Gemütskölner eine echte Empfehlung.

Heißes Pflaster Köln (Special Edition)

Köln in den 1960er Jahren, das muss ein wahrhaft heißes Pflaster gewesen sein. Davon kündet nicht nur der Titel des Films, der 1967 unter der Regie von Ernst Hofbauer entstand. Der aus Österreich stammende Regisseur sollte später mit dem "Hausfrauen-" und dem "Schulmädchenreport", mit Softpornos wie "Erotik im Beruf – Was jeder Personalchef gern verschweigt" und "Wenn die prallen Möpse hüpfen" deutsche Bahnhofskino-Geschichte schreiben.
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Heißes Pflaster Köln von Ernst Hofbauer
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Titel
Heißes Pflaster Köln (Special Edition)
Zeitreise in das "Chicago des Westens"
FSK
18

Daten und Fakten

Produktionsland
DVD
Veröffentlichung
Spielzeit DVD
90 Min
Bildformat
1,66:1 (16:9)
Sprache(n) & Ton
Deutsch (Dolby Digital 2.0)
Extras
Kinotrailer von 1967, Fotogalerie mit Standfotos, Filmplakate, Artwork, Porträts der Schauspieler, Pressemappe von 1967
DVD-Vertrieb
Blu-Ray
VoD & Streaming
TV

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