Heidi und ihre Freunde

Heidi und ihre Freunde

Eine Filmkritik von Verena Schmöller

Unaufgeregt schön

Die kleine Heidi kennt auch noch heute fast jedes Kind: Das Mädchen, das aus der Stadt in die Alpen kam und dort die Berge lieben lernte. Eine abgewandelte Geschichte erzählt auch der Familienfilm Heidi und ihre Freunde von Hans Albin, den Koch Films pünktlich zur angehenden Weihnachtszeit in den Handel bringt. Der Heimatfilm aus dem Jahr 1954 tut gut, erzählt er doch für Kinder eine leicht nachvollziehbare Geschichte auf bedächtige Art und Weise und setzt einen Kontrapunkt zum hektischen Zeichentrickfilm der Gegenwart.
Im Mittelpunkt steht der sechsjährige Wolfgang (Oliver Grimm), der zum kleinen Klavierkünstler erzogen wurde. Nach dem Tod seiner Eltern wächst er bei seinem Onkel (René Deltgen), ebenfalls ein Musiker, auf und wird von diesem zu musikalischen Höchstleistungen getrieben. Da ist das sechsstündige Üben pro Tag nicht genug: Wolfgang gibt häufig Konzerte und reist dafür zusammen mit seinem Vormund durch ganz Europa. Jede Ablenkung nutzt Wolfgang zum Spielen, was sein Onkel gar nicht gerne sieht — soll er sich doch auf seine eigentliche Berufung, sein Talent und die Musik konzentrieren.

Zwei Ärzte erleben den jungen Künstler und mischen sich sodann ein. Dr. Andermatt (Albert Lieven) schlägt eine Erholungskur in den Bergen vor und schickt den Jungen zu Elisabeth Lauber (Anne-Marie Blanc), die sich vom ersten Augenblick an liebevoll um den kleinen Kerl kümmert. Sie beschäftigt außerdem die herzliche Rösli, die Wolfgang — im Gegensatz zu seinem Kindermädchen in der Stadt, Frau Reuter — gleich ins Herz schließt: Denn Rösli lacht mit dem Jungen und schlägt sich mit ihm die Kissen um die Ohren, anstatt ihn nur zuzudecken.

Wolfgang geht es vom ersten Tag an gut in dem kleinen Bergdorf, er strahlt, genießt das Umherspazieren, das Spielen mit Tieren und lernt auch neue Freunde kennen: Heidi (Elsbeth Sigmund) und den auf einer Almhütte lebenden Jöggi. Zunächst zeigt sich Heidi verhalten gegenüber dem Neuankömmling aus der Stadt in Kinderanzug und feinen Schuhen. Doch das Freundschaftschließen geht dann doch recht schnell; Jöggi braucht länger, um den Bann zwischen sich und Wolfgang zu brechen. Letztendlich ist er es aber, der große Freundschaftsdienste vollbringt.

Das Leben in den Bergen plätschert so dahin, bis Wolfgang eines Tages in den nahegelegenen Bach fällt, und die Ärzte feststellen, wie zartbesaitet der Junge doch tatsächlich ist. Und gerade dann kommt Onkel Fabrizius und will Wolfgang zurück in die Stadt und in die Konzertsäle holen. Doch ein Heimatfilm wäre nicht ein Heimatfilm, wenn er nicht gut ausgehen würde, die Bösen belehrt, die Guten zum Glück gebracht würden. In (wirklich) allerletzter (Spiel-)Minute wendet sich alles zum Guten.

Man merkt dem Film Heidi und ihre Freunde, der 1954 unter dem Titel Frühlingslied in die Kinos kam, sein Genre und sein Alter an: Der Vorspann dauert gefühlte Stunden, die Einstellungen sind lang, die Szenen werden ausgespielt, immer wieder zeigt die Kamera ausgedehnte Bilder von den Bergen, der Natur, der Idylle auf dem Land. Und das tut einmal gut, bringt zur Ruhe, besinnt auch darauf, was Film eigentlich ist: ein erzählerisches Medium und nicht nur eine Ansammlung ausgeklügelter Schauwerte. Den einen mag das langweilen, für den anderen ist so eine Art von Film genau das Richtige, weil so unaufgeregt schön.

Und man darf sich nicht stören an der deutlichen Schwarz-Weiß-Malerei der Geschichte, aber es ist auch einmal (wieder) ganz spannend zu sehen, wie Film und Erzählen in den 1950er Jahren funktioniert haben. Das Sprechen im Schweizer Dialekt — zumal die Tonqualität nicht die beste ist — mag den kindlichen Zuschauern das Verstehen erschweren. Aber letztendlich spricht der Film auch ohne Worte und lässt genug Zeit, nicht Verstandenes zu erklären. Auf jeden Fall ein Versuch wert in der umtriebigen Vorweihnachtszeit.

Heidi und ihre Freunde

Die kleine Heidi kennt auch noch heute fast jedes Kind: Das Mädchen, das aus der Stadt in die Alpen kam und dort die Berge lieben lernte. Eine abgewandelte Geschichte erzählt auch der Familienfilm „Heidi und ihre Freunde“ von Hans Albin, den Koch Films pünktlich zur angehenden Weihnachtszeit in den Handel bringt.
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