Hedy Lamarr – Secrets of a Hollywood Star

Hedy Lamarr – Secrets of a Hollywood Star

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Die Diva und das Handy

Vielen Filmfans galt Hedy Lamarr als die schönste Frau des Jahrhunderts. Eine klassische Hollywood Diva, die alle Höhen und Tiefen des knallharten Filmgeschäfts am eigenen Leib erfuhr. Eine Frau voller Widersprüche, die für die damalige Zeit wahnsinnig hohe Gagen erhielt und immer wieder bei Ladendiebstählen ertappt wurde. Eine vergötterte Leinwand-Heroine, die am Ende ihres Lebens einsam und verbittert starb. Und eine Frau, die der Welt noch viel mehr geschenkt hat als unsterbliche Filme.
Die Karriere der Hedy Lamarr beginnt Anfang der dreißiger Jahre in Wien, wo die Schauspielerin mit dem biederen Namen Hedwig Kiesler als angeblich erste Nackte der Filmgeschichte in der österreichisch-tschechischen Produktion Ekstase in die Annalen eingeht. 1937, also ein Jahr vor dem Anschluss Österreichs an das Großdeutsche Reich, flieht die jüdischstämmige Schauspielerin in die USA, wo sie schnell Karriere macht und in mehr als 25 Filmen mitspielt. Schnell zeichnet sich ab, dass Hedy Lamarr, wie sich die Diva nunmehr nennt, dem Glanz und dem Glamour des Starsystems vollkommen erliegt, mehr als andere Kolleginnen lebt Lamarr in einem Gespinst aus Realität, Glanz und Fiktion. Wer nun allerdings glaubt, dass Lamarr auf diese Weise mit der realen Welt abgeschlossen hat, sieht sich getäuscht, denn 1942, mitten im Krieg, macht sie plötzlich wieder von sich reden, und zwar durch die Erfindung eines Torpedoabwehrsystem, dessen Innovation – das so genannte „frequency hopping“ – den Weg bereitete für Mobilfunk, GPS-Navigation und moderne Satellitenkommunikation. Auch anschließend macht sie noch von sich reden, allerdings ab dem Ende der vierziger Jahre zunehmend mehr durch Skandale, Ehescheidungen (insgesamt waren es sechs Ehemänner, die Hedy Lamarr überstand) und energischen Widerstand gegen die sexistischen und ausbeuterischen Wünsche der Studiobosse, denen ein Star mit allzu viel Grips ein Dorn im Auge ist.

Zugegeben, es ist nicht leicht, die verschiedenen Seiten der Hedwig Eva Maria Kiesler alias Hedy Lamarr unter einen Hut zu bringen, doch den Regisseuren dieser äußerst spannenden Dokumentation gelingt dies durch einen ganz einfachen Kunstgriff: Sie begreifen Hedy Lamarrs Karriere und ihren Erfindungsgeist nicht als Gegensätze, sondern als zweite Facetten einer Persönlichkeit, deren größte Stärke in einem geradezu virtuosen Umgang mit verschiedenen Formen der Kommunikation liegt. Und insofern ist das technische Verfahren des „frequency hopping“ nur eine Umsetzung dessen, was Hedy Lamarr im eigenen Leben bereits längst praktizierte. Doch Hedy Lamarr — Secrets of a Hollywood Star ist nicht nur die (zugegeben fragmentarische) Biographie einer ungewöhnlichen Frau und Erfinderin, die vielleicht mehr als andere Stars ihren eigenen Weg gegangen ist. Der Film bietet auch erhellende und erschreckende Einblicke in das Wesen Hollywoods und in die teilweise rigiden Maßnahmen des Starsystems aus Hollywoods Goldener Zeit. Und genau diese Vielschichtigkeit – in gewisser Weise ist auch das ein „freqeuncy hopping“ – macht diese außergewöhnliche Dokumentation zu einem geistreichen Genuss, nicht nur für Filmfreaks.

Hedy Lamarr – Secrets of a Hollywood Star

Vielen Filmfans galt Hedy Lamarr als die schönste Frau des Jahrhunderts. Eine klassische Hollywood Diva, die alle Höhen und Tiefen des knallharten Filmgeschäfts am eigenen Leib erfuhr.
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Meinungen
· 11.07.2007

Spitzen Dokumentation, glaubwürdig und einfühlsam, alles was man vom dem anderen Film über die gleiche Geschichte (Calling Hedi Lamarr) nicht sagen kann

Kommentare

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