Hard Boiled Sweets

Hard Boiled Sweets

Eine Filmkritik von Peter Osteried

Süßes oder Saures

Der britische Gangsterfilm ist alles andere als süß, aber Autor und Regisseur David L.G. Hughes setzt auf den Zuckerschock. Seinen Gaunern gibt er die Namen von Süßigkeiten. Einen speziellen Grund gibt es dafür nicht, es soll wohl cool sein — und ist Rechtfertigung für den Titel.
Der gerissene Eddie herrscht über das Küstenstädtchen Southend. Er hat eine Million Bares zuhause herumliegen – Geld, das von der Unterwelt heiß begehrt ist. Ex-Knacki Johnny will es unbedingt und hat auch einen perfekten Plan, um Eddie um die Kohle zu erleichtern. Aber Johnny ist nicht der einzige, der hinter dem Geld her ist. Sieben andere zwielichtige Gestalten sind auch hinter der Million her.

Grundlage für Hard Boiled Sweets war ein Kurzfilm, der für den Regisseur so erfolgreich lief, dass er eine lange Version produzieren wollte. Ein Skript wurde geschrieben, dessen Umsetzung viel zu teuer gewesen wäre. Also verwarf Hughes das Drehbuch und schrieb ein neues. Das Ergebnis ist Hard Boiled Sweets, der etwas darunter leidet, was Hughes als seine Stärke ansieht: Er zerfasert etwas. Grund hierfür war, dass Hughes das Skript so anlegte, möglichst viele Rollen zu haben, um so Schauspieler anzulocken, die nur ein paar Tage oder eine Woche am Set sein mussten. So konnte er auch Leute wie Paul Freeman (Belloq in Jäger des verlorenen Schatzes) für das Projekt überzeugen.

In der Theorie ist der Ansatz auch durchaus gut, es bedarf aber schon einer meisterlichen Hand, so viele verschiedene Figuren und Handlungsstränge zu jonglieren und am Ende auf eine Art zusammenzuführen, die für den Zuschauer ein befriedigendes Aha-Erlebnis bereithält. Das geht hier nicht auf. Umso bedauerlicher, da der mit einer kostengünstigen Canon 5 D MK II gedrehte Film sehr gut aussieht. Er ist elegant gefilmt und offenbart Hughes‘ Talent für Komposition. In einzelnen Szenen erhebt sich der Film auch über sich selbst, vor allem in Momenten mit Freeman, aber den Ideenreichtum und die Qualität der Dialoge einer Sequenz wie jener, in der das Ermorden eines Polizisten kräftig schief geht, bietet Hard Boiled Sweets nur sporadisch auf. Alles in allem ist dies kein schlechter Film. Er hält das Interesse des Zuschauers bis zum überraschend guten Ende, aber im überstrapazierten Genre des britischen Gangsterfilms kann er keine neuen Impulse setzen.

Hard Boiled Sweets

Der britische Gangsterfilm ist alles andere als süß, aber Autor und Regisseur David L.G. Hughes setzt auf den Zuckerschock. Seinen Gaunern gibt er die Namen von Süßigkeiten. Einen speziellen Grund gibt es dafür nicht, es soll wohl cool sein — und ist Rechtfertigung für den Titel.
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