Happy Feet 2

Happy Feet 2

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Hüftsteifes Animationsmusical

Manchmal kann ein cineastischer Erfolg auch eine schwere Hypothek sein. Wobei der Coup des amerikanisch-australischen Animationsabenteuers Happy Feet im Jahre 2006, der im folgenden Jahr gar als bester animierter Spielfilm zu Oscar-Ehren kam, wiederum nach dem dann doch vollkommen unerwarteten Kassenschlager Die Reise der Pinguine gar nicht so verwunderlich war. Wie dem auch sei: Nun schickt sich mit Happy Feet 2 eine Fortsetzung der Geschichte um Mumble und Gloria an, in der Vorweihnachtszeit um die Zuschauergunst an den Kinokassen zu buhlen. Obwohl der Film breit genug aufgestellt ist, um die ganze Familie vom Kleinkind bis zu den Großeltern filmisch glücklich zu machen, ist der Erfolg der Fortsetzung jedoch eher ungewiss. Und das liegt weniger an den Zuschauern als viel mehr an dem, was den Machern eingefallen ist –nämlich herzlich wenig.
Dass die Fortsetzung von Happy Feet dramaturgisch auf schwachen Beinen steht, ahnt man bereits von Beginn an. Eine ellenlange Exposition im einengenden Musicalstil gibt die Tonart vor und führt in die Geschichte ein, die beinahe so etwas wie ein Déjà Vu des ersten Teils bildet: Mumble und Gloria sind mittlerweile Eltern geworden und Erik, der kleinste ihrer Sprösslinge scheint ganz nach seinem Vater geraten zu sein: Auch er wird mangels Begabung (Klein-Erik mag einfach nicht tanzen) zu einem Außenseiter, der sich dann aber bewähren muss und schließlich zu einem kleinen Helden wird, als sein Volk sich in aussichtsloser Lage befindet.

Was sich in der Zusammenfassung recht einfach und schlüssig liest, ist in Wahrheit aber entsetzlich kompliziert, von etlichen Subplots durchzogen und voller logischer Brüche und Löcher, die zudem etliche Themen und Motive wie Klimawandel und Umweltzerstörung, Individualität und Solidarität, Freundschaft und den erbarmungslosen Kreislauf der Natur immer wieder anreißen, um dann kurz darauf mittels einer Tanz- und/oder Gesangseinlage jeglichen Konflikt (und damit auch jede Spannung) binnen kürzester Zeit in Wohlgefallen aufzulösen.

Wirklich interessant und spannend sind von den zahlreich auftretenden Figuren vor allem diejenigen geraten, die sonst gerade mal zum Sidekick taugen – Bill und Will, the Kryll beispielsweise, die zumindest für kurze Zeit die Freuden des Lebens außerhalb des Planktonschwarms entdecken dürfen und die in den wenigen Ruhephasen, die der hektisch agierende Film seinem Publikum schenkt, über den Sinn des Lebens philosophieren. Oder Sven, der Pinguin-Superstar, der in Wahrheit nur ein getarnter Papageientaucher ist und dessen gar nicht so absonderliche Flugkünste die Watschelbeiner in Verzücken versetzen. Wären die Macher von Happy Feet 2 wirklich mutig gewesen, hätten sie die Pinguine ihrem tanzenden Dasein überlassen und aus diesen fein gezeichneten Charakteren mehr gemacht – so wie etwa derzeit in dem temporeichen und augenzwinkernden Shrek-Spin-off Der gestiefelte Kater.

Wenig aussetzen kann man hingegen an der visuellen Umsetzung, die für atemberaubende Bilder und exzellent choreographierte Massenszenen mit Tausenden groovender Pinguine sorgt. Unterm Strich aber fehlt dieser Fortsetzung beinahe alles, was den Vorgängerfilm auszeichnete – Witz, Charme, einen mitreißenden Score und eine nachvollziehbare Geschichte. Für die Wiederholung des Erfolgs von damals ist das eindeutig zu wenig – zumal die Konkurrenz im umkämpften Vorweihnachtsgeschäft an den Kinokassen nicht von schlechten Eltern ist. Das wirklich Ärgerliche (und Erstaunliche) an diesem Film ist die Deutlichkeit, mit dem die Macher nach der Wiederholung des großen Erfolgs schielen, sich dabei auf die Niedlichkeit und Flauschigkeit ihres kleinen Helden verlassen – und ansonsten beinahe alles falsch machen.

Nach allen Seiten offen und dementsprechend anbiedernd wirkt dabei auch der musikalische Bogen, den die atemlos von einer Gesangseinlage zur nächsten preschenden Dramaturgie über dem Zuschauer ausschüttet wie ein Füllhorn: von der Opernarie (für Oma und Opa) über Queen (für die Eltern) bis zum HipHop (für die lieben Kleinen) reicht der Reigen und scheut nicht davor zurück, Klassiker der Popmusik wie "Under Pressure" oder die tot genudelte Power-Hymne "We are the Champions" derart zu verhunzen, dass Freddy Mercury wohl im Grab rotiert.

Den Pinguinen (den animierten und möglicherweise ja auch den echten) wird dies vielleicht gar nicht so unrecht sein. So können sie getrost in den wohlverdienten Ruhestand gehen und müssen nicht mehr ohne Unter- und Anlass pausenlos singen, tanzen und zwischendrin so ganz nebenbei ihre eigene eisige Welt retten.

Happy Feet 2

Manchmal kann ein cineastischer Erfolg auch eine schwere Hypothek sein. Wobei der Coup des amerikanisch-australischen Animationsabenteuers "Happy Feet" im Jahre 2006, der im folgenden Jahr gar als bester animierter Spielfilm zu Oscar-Ehren kam, wiederum nach dem dann doch vollkommen unerwarteten Kassenschlager "Die Reise der Pinguine" gar nicht so verwunderlich war.
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Meinungen
marcel · 14.12.2011

der film war echt gut in 3d es hat sich gehlont

Kommentare

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