Greta (2018)

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Wer ehrlich ist, muss leiden! In Neil Jordans Psychothriller „Greta“ gerät eine junge Kellnerin in die Fänge einer fiesen Stalkerin. Wenn diese dann auch noch von Isabelle Huppert gespielt wird, kann eigentlich nichts schiefgehen, oder etwa doch? 

Greta (2018)

Eine Filmkritik von Christopher Diekhaus

Alles nur kein Zufall

Bereits mit seinem zweiten Spielfilm, dem stark allegorischen „Die Zeit der Wölfe“, gelang dem irischen Regisseur und Drehbuchautor Neil Jordan ein kleines Meisterwerk. Zu Oscar-Weihen brachte er es schließlich mit dem doppelbödigen Thriller „The Crying Game“ aus dem Jahr 1992, für dessen Skript er eine Goldstatue entgegennehmen durfte. Wenn sich ein Filmemacher seines Ranges nun an einem Stalking-Schocker versucht, schießen die Erwartungen unweigerlich in die Höhe, zumal er mit Charaktermimin Isabelle Huppert in der Rolle der boshaften Antagonistin einen echten Besetzungscoup in petto hat. Leider erweist sich „Greta“ jedoch als überkandidelte Klischeeparade, die man schon sehr früh nicht mehr ernst nehmen kann. 

Im Mittelpunkt der Handlung steht die junge, in New York lebende Kellnerin Frances (Chloë Grace Moretz), die mit dem noch nicht lange zurückliegenden Tod ihrer Mutter zu kämpfen hat. Eines Tages entdeckt sie in der U-Bahn eine offenbar vergessene Handtasche samt Personalausweis und Bargeld und bringt sie pflichtbewusst ihrer Besitzerin vorbei. Erfreut über so viel Ehrlichkeit, lädt die verwitwete Greta (Isabelle Huppert), deren Tochter angeblich in Frankreich studiert, die Finderin kurzerhand auf eine Tasse Kaffee ein. Aus dem netten Plausch erwächst, zur Verwunderung von Frances‘ Mitbewohnerin Erica (Maika Monroe), sehr schnell eine freundschaftliche Beziehung, bei der Greta mehr und mehr die Rolle eine Ersatzmutter einnimmt. Als die Kellnerin allerdings in der Wohnung ihrer neuen Bekannten über weitere sorgsam präparierte Handtaschen stolpert und damit Gretas Anbahnungsmethode auffliegt, bekommt sie es mit der Angst zu tun und bricht den Kontakt umgehend ab. Dumm nur, dass die vermeintlich sympathische, ältere Dame ein Nein nicht akzeptiert.

Die Prämisse von Jordans neuer Leinwandarbeit ist altbekannt, hätte mit etwas erzählerischem Feingefühl aber allemal einen herrlich bösen und raffinierten Schlagabtausch ins Rollen bringen können. Stattdessen servieren der auch am Drehbuch beteiligte Regisseur und Koautor Ray Wright (The Crazies – Fürchte deinen Nächsten) dem Publikum eine überraschungsarme, mit reißerischen Elementen ausgeschmückte Verfolgungsgeschichte, die man so oder ähnlich in unzähligen Heimkinoproduktionen finden kann. Auch wenn die Macher einige Häppchen zur Charakterzeichnung einstreuen, erreicht der Thriller zu keinem Zeitpunkt die für ein packendes Katz-und-Maus-Spiel notwendige psychologische Tiefe. Während Greta viel zu früh zum Inbegriff des Wahnsinns mutiert, füllt Frances die meiste Zeit den Part des hilflosen Naivlings aus und bringt die Glaubwürdigkeit des Plots mit ihrem nicht selten himmelschreiend unbedarften Verhalten wiederholt ins Wanken. 

Zum Augenrollen verleiten nicht nur die mitunter arg überexpliziten Dialoge. Irritierend sind auch die wenig subtile, effekthascherische Inszenierung und der aufdringliche Musikeinsatz. Angesichts der knalligen, dem Zuschauer direkt ins Gesicht springenden Schocks könnte man fast meinen, Jordan wolle die Muster des Spannungs- und Horrorkinos persiflieren. Für eine Satire auf Genrekonventionen fehlen Greta jedoch eindeutig Biss und Cleverness, was sich nicht zuletzt an der Einbindung eines seltsam tumb auftretenden Privatermittlers (Stephen Rea) festmachen lässt. Jordan bemüht zahlreiche Plattitüden, lädt sie aber nie mit Hintersinn auf. 

Inmitten des schrillen Treibens sorgt Isabelle Huppert gelegentlich für kleine Lichtblicke. Obschon ihre Figur größtenteils wie eine billige Karikatur erscheint, gibt es Momente (etwa einen Ausraster im Restaurant), in denen Gretas Benehmen bedrohliche Qualitäten erreicht und dem Betrachter einen Schauer über den Rücken jagt. Gegen die Banalität des zum Ende hin immer absurder werdenden Drehbuchs und die platte Aufmachung des bloß oberflächlich über Einsamkeit sinnierenden Films kann die französische Starschauspielerin allerdings nur wenig ausrichten.

Greta (2018)

In Neil Jordans neuem Film freundet sich eine junge Frau mit einer einsamen Witwe an. Doch deren Motive erweisen sich als recht fragwürdig und ihre Methoden münden in Manipulationsversuchen.

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