Graves End

Graves End

Eine Filmkritik von Renatus Töpke

Der Ort des letzten Gerichts

Da kann auf dem Backcover noch so sehr mit Preisen von Festivals geprahlt werden, Graves End bleibt ein durchschnittlicher, nichtsdestotrotz aber solider, Thriller. Eine Geldübergabe geht schief. Das Entführungsopfer, der Sohn von Multimillionär Alexander Graves (Eric Roberts), wird daraufhin von den Entführern getötet und bestialisch verstümmelt. Ein Jahr später liegt die Ehe der Graves brach und Mrs. Graves (Valerie Mikita) hat sich in eine stürmische Affäre mit dem Gärtner gestürzt. Ihr Ehemann hingegen ist zum Gönner des kleinen Städtchens Graves End (666 Einwohner!) aufgestiegen und regiert dieses freundlich, aber bestimmt. Unerwarteter Besuch bringt die Idylle durcheinander. FBI-Agent Rickman (Ex-21 Jump Street, Steven Williams), seinerzeit bei der Entführung zuständige, taucht in Graves End auf, um den Fall endgültig abzuschließen. Außerdem recherchiert er in ganz besonderer Mission: Graves End ist zu einiger Berühmtheit gekommen, seit dort Sträflinge nach ihrer Haftentlassung mit offenen Armen in die Dorfgemeinschaft aufgenommen werden – und dann spurlos verschwinden…
Der Location Scout von Terminator 2 gibt sein Regiedebüt. Wie könnte so etwas aussehen? Im Falle von James Marlow sieht es so la la aus. Trotz diverser bekannter TV-Darsteller und Julias kleinem Bruder Eric Roberts, will Graves End nicht so richtig überzeugen. Liegt es an der völlig unnötigen Darstellung übertriebener Gewalt? An der beinahe-Nackstszene mit Alibifunktion? An der an den Haaren herbei gezogenen Affäre mit dem Gärtner? Immer hat man das Gefühl, dass aus dem Stoff mehr hätte werden können. Was zum einen an der schwachen Regieleistung liegt, zum anderen am Drehbuch, das sich auf dem wirklich großartigen Storytwist im letzten Drittel ausruht. Außerdem bricht die schwache Fernsehoptik dem Film schon kurz nach Beginn das Genick. Der Rezensent würde jetzt gerne mit dem Aufzählen der Ärgernisse aufhören, doch zwei müssen noch zur Sprache kommen. Erstens das nervige und unmotivierte Psychogelaber der „Bösen“, mit dem etwas erklärt werden soll, dass nicht interessiert und zweitens die Unverwundbarkeit der Protagonisten. Da werden Schürhaken in Körper gestoßen und Menschen aus dem obersten Stock geworfen — wirkliche Folgeerscheinungen trägt niemand davon.

Das klingt jetzt alles sehr schlimm, doch so unansehnlich ist Graves End nicht wirklich. Es gibt einige gute Ideen, die zwar auf verlorenem Posten stehen, jedoch das Ruder vom Rohrkrepierer zur netten Unterhaltung herumreißen. Erwähnter Storytwist im letzten Drittel ist so eine Idee. Damit hätte wirklich niemand gerechnet. Oder, das sich der drollige Dorfsheriff als regelrechter Held entpuppt. Sehr schön. Graves End bietet durchschnittliche Fernsehunterhaltung mit ein paar Gewalt- und Splattereinlagen, hat ein schönes 80er Jahre Cover und keine nennenswerten Extras.

Graves End

Da kann auf dem Backcover noch so sehr mit Preisen von Festivals geprahlt werden, Graves End bleibt ein durchschnittlicher, nichtsdestotrotz aber solider, Thriller.
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