Good Woman – Ein Sommer in Amalfi

Good Woman – Ein Sommer in Amalfi

Eine Filmkritik von Gesine Grassel

Eine mediterrane Sommerbrise

Wofür mussten Oscar Wilde und seine Stücke nicht schon alles herhalten: In unzähligen Filmen, Büchern, Theaterstücken und Adaptionen wurden Leben und Werk des englischen Enfant Terrible portraitiert, abgewandelt, verarbeitet. Obwohl die Lebens- und Schaffensperiode des berühmten Schriftstellers schon knapp 120 Jahre zurück liegt, finden sich auch die heutigen Leser und Zuschauer in den Figuren und Problemen von früher wieder.

Der neue Film von Mike Barker Good Woman – Ein Sommer in Amalfi ist eine solche Adaption. Eine klassische Dreiecksgeschichte an der italienischen Amalfiküste, ein High Soceity-Drama unter brütender Sonne und Zitronenbäumchen. Aber halt, ganz so einfach ist die Geschichte um das amerikanische Paar Robert und Meg Windermere doch nicht.

In den Dreißiger Jahren verbringen die jung verheirateten Eheleute ihren Sommer an der traumhaft schönen Küste. Robert Windermere (Mark Umbers) hat beruflich mit Geld zu tun, seine gerade mal 20-jährige Frau Meg (wunderbar devot: Scarlett Johansson) lebt um ihm zu gefallen. Auch nach fast einem Jahr im Stand der Ehe sind die beiden verliebt wie eh und je und fest davon überzeugt, dass nichts und vor allem niemand ihr Glück zerstören kann. Eines Tages kommt die nicht mehr ganz junge Mrs. Erlynne (Helen Hunt) in das kleine Städtchen. Ein zweifelhafter Ruf eilt ihr voraus: Als verführerische und durchaus attraktive Frau ohne moralische Zweifel ist sie bekannt dafür, sich an gutsituierte verheiratete Männer zu halten und sich von ihren Geliebten das Leben finanzieren zu lassen. Das endet nicht selten in Chaos. Gerade musste sie in New York einige Misserfolge verbuchen und versucht es daher in Italien, auf dem Tummelplatz der Schönen und Reichen. Sofort zerreißen sich die ansässigen Klatschtanten die Münder, die sich sonst nur mit den erholungssuchenden Adligen langweilen. Und wirklich, wenig später sieht man den glücklich verheirateten Robert in der Erlynne-Villa ein- und ausgehen. Als dessen Frau Meg wenig später sein Scheckbuch findet, bricht für diese eine Welt zusammen. In regelmäßigen Abständen hatte ihr Angetrauter Mrs. Erlynne nicht unbeträchtliche Beträge zukommen zu lassen. Meg interpretiert das schlimmste und plant ihren untreuen Ehemann zu verlassen. Das kommt Roberts Freund Lord Darlington (Stephen Campbell Moore) gerade recht, der sich rührend um die Betrogene kümmert und nur darauf wartet dass diese mit ihm durchbrennt. An ihrem 21. Geburtstag gibt Meg eine rauschende Feier. Danach steht die gesellschaftliche Welt Kopf…

Die zentrale Aussage des Filmes ist kurz und prägnant: Die Ehe ist vor allem ein beiderseitiges Missverstehen und funktioniert nur, wenn man sich nicht liebt. Soweit, so gut. A Good Woman – Ein Sommer in Amalfi ist eine mediterrane Sommerbrise, ein Film mit entzückend viel Wortwitz und wunderbar bissigen Pointen, bei denen manchmal das Lachen im Halse stecken bleibt. Während die erste Hälfte des Filmes leichtfüßig und bezaubernd dahinschwebt, zieht sich die zweite Hälfte wie zäher Kaugummi. Leider verflüchtigt sich die angenehme sommerliche Brise und weicht einem erstickend trockenen Sommerlüftchen. Spritzig-witzig wird zu anstrengend-lahm. Da helfen auch die alle paar Minuten platzierten und nicht ganz ernst gemeinten Lebensweisheiten nicht mehr. Was den Film rettet ist das hervorragende Ensemble, allen voran Helen Hunt, die nicht nur würdevoll, sondern vor allem sehr attraktiv altert. Eine Geschichte voller Doppeldeutigkeiten, zweifelhafter Moral und die Unergründlichkeit der menschlichen Psyche. Ein bisschen mehr Tempo und Stringenz hätten dem Drehbuch gut getan.
 

Good Woman – Ein Sommer in Amalfi

Wofür mussten Oscar Wilde und seine Stücke nicht schon alles herhalten: In unzähligen Filmen, Büchern, Theaterstücken und Adaptionen wurden Leben und Werk des englischen Enfant Terrible portraitiert, abgewandelt, verarbeitet.

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Meinungen
Gabi · 27.01.2013

Vermag mir bitte jemand zu erklären, warum man den Ehemann erpressen kann, wenn man die verstorben geglaubte Mutter ist?

Rena1612 · 08.01.2006

Geistreiche Dialoge, fantastsche Szenerie - ein Film, mit dem man einen grauen kalten Wintertag vergessen kann! Absolut empfehlenswert!!!

· 05.01.2006

Eine wunderbare Hommage an Oscar Wilde und eine köstliche Entlarvung einer Vorderbühnenmoral, hinter der eine ganz andere, viel berührendere Lebenshaltung zum Vorschein kommt.
Ein Film für den zweiten Blick - wenn die super Schauspieler und die betörenden Bilder von Amalfi nicht genügen...

Kommentare

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