Golden Twenties (2019)

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Sophie Kluge, Tochter von Alexander Kluge, begibt sich in ihrem Langfilmdebüt hinein in die Jahre der Verlorenheit einer Mittzwanzigerin, der Erwartungen aufgebürdet werden und die noch keinen Zugang zu diesem absurden Leben gefunden hat.

Golden Twenties (2019)

Eine Filmkritik von Harald Mühlbeyer

Verlorene Zwanziger

Ava (Henriette Confurius) kehrt zurück in die mütterliche Wohnung. Ihr altes Zimmer ist eine Abstellkammer. Das Studium hat sie beendet, für eine Stelle aber hat sie zu wenig Berufserfahrung. Als Hospitantin beginnt sie am Theater. Die Mutter Mavie (Inga Busch) hat einen jungen Liebhaber, ein Theater-Schauspieler umwirbt sie. Doch wirkliches Geschehen mit Ava: Nichts. „Golden Twenties“ ist ein Reigen der Szenen von Verzweifelt bis Absurd.

Einmal, als die Mutter eine Party gibt, kommt es zu einem Reifeprüfung-Moment. „Na, was willst du denn werden?“, fragt eine überkandidelte Freundin der Mutter, und ihr Mann sagt nur eines: „Conflict Resolutions und Peace Studies!“ Jeder bügelt etwas auf Ava drauf, jeder will sie treiben, jeder lädt etwas auf ihr ab. Doch anders als bei Dustin Hoffman kann sich Ava nicht befreien; es gibt keinen Mrs. Robinson-mäßigen Katalysator einer Entwicklung, dafür die überglückliche Schulfreundin von früher, deren Freund aber im Badezimmer seine ganze Beziehungsfrustration auf Ava ablädt. Als sie grade pinkelt. Die Theaterproben sind führungslos, konzeptlos, fruchtlos, doch es sind weniger die Klischees vom Theaterbetrieb, die hier ins Absurde führen, als der Diskurs überhaupt: Andere zu etwas bringen, sie etwas tun lassen, von den anderen dann Widerspruch ernten, zu neuen Ideen geführt werden – das kann produktiv sein, ein Schaffensprozess, eine Entwicklung. Es kann aber auch zum kompletten Abbruch führen.

Ava steckt drin. Beim Besuch ihres Vaters streiten sich der und die Mutter, was denn nun Ava interessiert: Das Gerede über die Russische Revolution etwa? Die Mutter weiß, was läuft; der Vater hat nicht wirklich Zeit für ein echtes Gespräch. Ava hat mit ihrem Flirt zu tun, der plötzlich zu Dreharbeiten nach Prag auftritt. Und mit der Freundin, deren Beziehung zusammenbricht, und Ava wird Mitschuld gegeben.

Sophie Kluge bringt klug ein Generationsporträt auf die Leinwand; doch Golden Twenties ist mehr als die Mittzwanziger-Depression: Es ist eine Geschichte der Gesellschaft, die sich wenig aufeinander einlässt, und in der sich jederzeit alles ändern kann. In der alles in Bewegung ist, oder sein kann, in der Ava mit ihrem Stillstand nicht hineinpassen kann. Oder will. Dass der Film nicht selbst im Stillstand landet, dass er nicht im Depri-Modus versandet: Dafür sorgen die Szenen, in der sich die Figuren um Ava herum selbst entlarven, auf komische, auf auch mal tragische Weise. Schade, dass Ava das nicht merkt. Es würde ihr helfen.

Golden Twenties (2019)

Noch einmal bei ihrer Mutter wohnen? So richtig glücklich ist Ava ja nicht, nach ihrem Studium wieder daheim einzuziehen. Zumal sich doch einiges getan hat in der Zwischenzeit: Ihr Zimmer wird von einem Hometrainer belegt, ihre alten Freunde haben alle etwas Besseres zu tun. Dafür hat Mama selbst einen neuen Freund, der kaum älter ist als Ava selbst. Eine wirkliche Perspektive hat sie nicht. Eigentlich weiß sie so gar nicht, was sie mit ihrem Leben anfangen soll. Auf der Suche nach ihrer Zukunft landet die Mittzwanzigerin beim Theater und verliebt sich dort in den Schauspieler Jonas.

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