Going Postal

Going Postal

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Aus dem Scheibenwelt-Universum Terry Pratchetts

Ein ebenso skrupelloser wie ausgekochter Betrüger ist dieser Feucht von Lipwig (Richard Coyle), der – wie er es selbst derbe ausdrückt – am Allerwertesten der flachen Scheibenwelt aufwuchs, die auf dem Funderment von vier Elefanten ruht, die wiederum von einer gigantischen Schildkröte getragen werden. Trotz seiner Raffinesse wird aber auch dieser smarte Gauner eines Tages geschnappt und inhaftiert, bis seine Hinrichtung vollstreckt wird. Doch Feucht von Lipwig erwacht nicht etwa im Reich der Toten, sondern im Domizil des mächtigen Patriarchen von Ankh-Morpork, Havelock Vetinari (Charles Dance), der sich als rettenden Engel bezeichnet und dem verwirrten Gehängten eine zweite Chance anbietet: Feucht von Lipwig soll als Postmeister eine heruntergekommene Filiale wiederbeleben, und sollte er sich weigern, bleibt ihm nur noch die Wahl einer speziellen Tür, hinter der allerdings ein bodenloser Abgrund lauert.
Erleichtert, frisch und würdig gestylt macht sich der dem Galgentod Entronnene auf den Weg, ohne die Absicht, die Vereinbarung zu erfüllen, doch als er die Schlüssel zum Postamt schlichtweg hinter sich schmeißt, erlebt er eine unangenehme Überraschung: Der auf ihn angesetzte Golem Mr. Pump (Marnix Van Den Broeke) erscheint, schlägt ihn k.o. und katapultiert ihn erneut zu Havelock Vetinari, der ihm noch einmal die Unentrinnbarkeit seines Auftrags verdeutlicht, den der Golem zukünftig gleichermaßen beschützen wie kontrollieren wird.

Bei der Post angekommen ist Feucht von Lipwig zunächst über die desolaten Zustände des Amtes entsetzt, das ewig keine Sendungen mehr zugestellt hat und in Bergen von Briefen zu ersticken droht. Doch mit Hilfe des alten Postmannes (Terry Pratchett) und des jungen Gehilfen Stanley Howler (Ian Bonar), der im Verlauf der Instandsetzung noch die Briefmarken erfinden wird, gelingt es dem neuen Chef nach harter Arbeit, ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen. Die Bekanntschaft mit der energischen, attraktiven Adora Belle Dearheart (Claire Foy) bringt Feucht von Lipwig allmählich dazu, seinen eigennützigen Charakter zu revidieren, und die Dinge schicken sich an, immer nachhaltiger ins Lot zu geraten. Aber die Konkurrenz der „Klacker“, die Nachrichten papierlos in Windeseile verschicken kann, ist über diese Entwicklung ganz und gar nicht erfreut, und deren Inhaber Reacher Gilt (David Suchet) scheut vor keiner noch so bösartigen Aktion zurück, um die Postler aus dem Rennen zu schmeißen …

Nach einem der so bezeichneten Scheibenwelt-Romane des britischen Schriftstellers Terry Pratchett entstanden, der innerhalb der Fantasy-Literatur ein internationaler Star ist, stellt Going Postal ein aufwändiges inszeniertes, humoriges Werk dieses Genres dar, das die kuriosen Ideen der literarischen Vorlage auf charmante Weise umzusetzen versteht und mit temporeicher Unterhaltung aufwartet. Gestaltet sich der Einstieg in die Welten dieses ganz speziellen Universums für nicht Eingeweihte auch ein wenig holprig, gelingt es der mit witzigen Details und zahlreichen Bezügen ausgestatteten Geschichte doch recht rasch, den Zuschauer zu fesseln. Auch wenn die Dichte der Dramaturgie bei Zeiten etwas unübersichtlich sowie übertrieben daherkommt und das Ende daraufhin ein wenig abrupt wirkt, ist dem britischen Regisseur Jon Jones hier ein köstlicher Klamauk gelungen, der so ganz nebenbei auch die Kommunikationskultur des 21. Jahrhunderts karikiert. Going Postal erscheint in einem Zweier-Set auf DVD, wobei eine Extra-Scheibe mit reichlich Bonusmaterial den Film begleitet, deren Sichtung es durchaus vermag, den knappen Schluss zu kompensieren.

Going Postal

Ein ebenso skrupelloser wie ausgekochter Betrüger ist dieser Feucht von Lipwig (Richard Coyle), der – wie er es selbst derbe ausdrückt – am Allerwertesten der flachen Scheibenwelt aufwuchs, die auf dem Funderment von vier Elefanten ruht, die wiederum von einer gigantischen Schildkröte getragen werden.
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