Gods of Egypt

Gods of Egypt

Eine Filmkritik von Peter Osteried

Malen nach Zahlen

Die Begeisterung für das alte Ägypten ist nicht nur den Deutschen in die Wiege gelegt, auch andernorts regt das Wüstenreich mit seinen Pharaonen und großartigen Göttern die Phantasie an. Regisseur Alex Proyas konnte sich der Faszination auch nicht entziehen. Er wollte das ganz große Spektakel. Einen Krieg der Götter, der von einem Menschen entschieden wird. Sein erster Fehler war jedoch, ein halbgares Skript zu nehmen. Der zweite, Ägypten weißzuwaschen.
Horus (Nikolaj Coster-Waldau) soll zum neuen König gekrönt werden, doch sein Onkel Set (Gerard Butler) verhindert dies. Er fordert seinen Neffen zum Kampf und reißt ihm die Augen aus. Horus wird verstoßen, während Set seine Schreckensherrschaft über Ägypten beginnt. Der kleine Dieb Bek (Brenton Thwaites) ist der einzige, der dem etwas entgegenzusetzen hat. Er stiehlt eines von Horus‘ Augen zurück und ist bereit, dem Gott zu helfen, aber nur, wenn dieser ihm einen Wunsch erfüllt: Er soll Beks Freundin aus dem Totenreich zurückholen.

Es ist viel darüber gesprochen worden, was es über Hollywood aussagt, einen Film, der in Ägypten spielt, mit weißen Schauspielern zu besetzen. Nur Chadwick Boseman, der Black Panther in The First Avenger: Civil War, scheint eine Art Zugeständnis zu sein, während man sich ansonsten noch nicht mal die Mühe gibt, die Götter halbwegs ägyptisch aussehen zu lassen. Coster-Waldau, Butler, auch Bryan Brown in seiner kleinen Rolle, und natürlich der blonde Jüngling Thwaites wirken wie Fremdkörper im eigenen Film. Aber bei einem derart hohen Budget war man in Hollywood natürlich nicht bereit, auf weniger bekannte, aber dafür vielleicht bessere Schauspieler zu setzen.

Schlecht sind sie alle nicht, sie mühen sich redlich, aber das Skript lässt jeden einzelnen von ihnen im Stich. Butler ist ein vollkommen eindimensionaler Schurke, während Coster-Waldaus Horus so unsympathisch gezeichnet ist, dass man tatsächlich schon anfängt, seinem Gegenspieler die Daumen zu drücken.

Darüber hinaus ist die Geschichte extrem vorhersehbar. Es ist ein Malen-nach-Zahlen-Film, der hier präsentiert wird, streng nach Schema F, aber nur ja nicht mit einer zündenden, geschweige denn originellen Idee. Stattdessen wird Dienst nach Vorschrift geboten, während man hofft, dass das Übermaß an Effekten die Löcher in der Handlung kaschieren und den Zuschauer bei der Stange halten kann. Die monströsen Götter sehen jedoch erstaunlich armselig aus, und das nicht nur in ihrer Göttergestalt, sondern auch in ihrer übergroßen menschlichen Form. Wenn die transformierten Götter aufeinander einschlagen, wähnt man sich in einem billigen Computerspiel, dessen Grafik längst nicht mehr state-of-the-art ist.

Addiert man dazu noch die Sandwürmer, die man in Dune auch schon besser gesehen hat, und Geoffrey Rush als Ra, der mit seinem Schiff im Orbit herumsegelt und ein Wolkenmonster bekämpft (das unangenehme Erinnerungen an die Galactus-Wolke aus Fantastic Four: Rise of the Silver Surfer weckt), wird schnell klar, dass hier vieles in den Topf geworfen wird, aber kaum etwas zusammenpasst. Gods of Egypt ist nicht die Summe seiner Teile, sondern nur ein Haufen lose zusammengewürfelter Ideen, die allesamt nicht ausreichen, selbst den inhaltlich niedrigeren Anforderungen an einen sommerlichen FX-Blockbuster gerecht zu werden. Diese Götter braucht kein Mensch.

Gods of Egypt

Die Begeisterung für das alte Ägypten ist nicht nur den Deutschen in die Wiege gelegt, auch andernorts regt das Wüstenreich mit seinen Pharaonen und großartigen Göttern die Phantasie an. Regisseur Alex Proyas konnte sich der Faszination auch nicht entziehen. Er wollte das ganz große Spektakel. Einen Krieg der Götter, der von einem Menschen entschieden wird.
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